Woran der Staat bei Infrastrukturen plant:
Eisenbahn-Zukunftsmusik
Was früher bei weit weniger Projekten mindestens einen ganzen Nachmittag in Anspruch nahm, wird heute am Krautmarkt in zwei Stunden der Form halber erledigt. Die Chamber diskutiert seit langem nichts mehr, es gibt egal bei welchem Tagesordnungspunkt nur mehr Fraktions- und Gruppenstellungnahmen. Es ist das eine Karikatur des bürgerlichen Parlamentarismus.
Etwas mehr Information gibt es im schriftlichen Bericht aus der Mobilitätskommission zu den 40 Projekten, an denen jetzt neu geplant wird. Planen heißt auch »bitte warten«. Es wird wohl mindestens 10 Jahre dauern bis zur Verwirklichung, wenn dann die Budgetmittel dafür vorhanden sind, wobei Ausnahmen, wo es schneller geht, die Regel bestätigen.
Neben der Wohnungsnot gehört Mobilität sicher zu den größten Problemen dieses Landes, so lange das nicht durch eine ernste Wirtschaftskrise abgelöst wird, die womöglich gerade heranreift. Auch wenn vom Statec die Jubelmeldung kommt, es habe im letzten Trimester +1,1 Prozent Wirtschaftswachstum gegeben, so dürfen wir nicht vergessen, wie wesentlich dabei hierzulande Finanzdienstleistungen sind, bei denen die meisten »Produkte« nicht einmal heiße Luft sind. Überbewertete Börsenkurse werden da noch von Derivaten übertroffen!
Erfreulich ist, wenn an zahlreichen Verbesserungen im Eisenbahnnetz geplant wird, und es ist besonders erfreulich festzustellen, daß definitiv nicht mehr daran gedacht ist, die Schienen zwischen Ettelbrück und Diekirch rauszureißen. Im Gegenteil, bei Erpeldingen/Sauer wird ein Bahnhalt geplant wie im nationalen Mobilitätsplan 2035 vorgesehen mit einem Umsteigepol auf den Bus. Kostenschätzung gibt es noch keine, es heißt es würden aber wohl mehr als 30 Millionen. Es ist die Rede von vier Zügen die Stunde in jeder Richtung, also deutlich mehr als heute da vorbeifahren und nicht stehen bleiben.
Damit das funktionieren kann, bekommt der Kopfbahnhof Diekirch (bedauerlicherweise ist immer noch keine Weiterführung bis Echternach angedacht) einen zweiten Bahnsteig an einem zweiten Gleis mit einer Unterführung. Dafür werden mit einer Neuordnung des öffentlichen Raums und des Busbahnhofs Ausgaben von 25 Millionen erwartet.
Auf der Bahnstrecke Luxemburg-Wasserbillig gibt es gleich mehrere Planungen. So soll zwischen Sandweiler und Oetringen der letzte bei der Elektrifizierung eingeleisig gewordene Teil wieder zweigleisig werden, wonach die ganze Strecke das dann wieder ist. 13 bis 16 Millionen werden einstweilen dafür geschätzt.
In der Folge soll der Bahnhof Oetringen zwei 250 Meter lange Bahnsteige, eine Unterführung und eine Fußgängerbrücke kriegen neben einem Parkplatz für 100 Stellplätze. Besonders interessant ist ein 750 m langes Frachtgleis. Vorstudien schätzen die Kosten auf 13 bis 15 Milloionen.
Zwischen Roodt/Syr und Wecker sollen 13,5 km Schienen samt Nebeninstallationen erneuert werden. Dafür werden inzwischen 17 Millionen Kosten geschätzt. So erfreulich das alles ist, wird es mit Schienenersatzverkehr während einiger Zeit verbunden sein.
In Wecker soll der beschrankte Bahnübergang auf dem CR134 direkt beim Bahnhof durch eine Unterführung ersetzt werden, wofür Ausgaben von über 15 Millionen einstweilen geschätzt sind.
Für Erneuerung von Wasserableitung und Kabelkanal längs der Strecke Luxemburg-Kleinbettingen werden Kosten von 26 Millionen erwartet.
In Kleinbettingen soll der beschrankte Bahnübergang am CR106 direkt beim Bahnhof verschwinden, was zu einer regelrechten Umfahrung des Orts führt entweder durch eine Naturschutz- oder eine Wasserschutzzone und eine direkte Zufahrt von Kahler her zu Bahnhof und Mühle unmöglich macht. Auf 30 Millionen wird der Spaß geschätzt.
Ulflingen soll ein neues Bahnhofsgebäude, neue Bahninfrastrukturen und einen neuen beziehungsweise erweiterten Tunnel an der Nordausfahrt erhalten. Auch ein neues Gebäude für die Instanhaltungsabteilung der CFL ist vorgesehen. Das alles für geschätzte 210 Millionen auf Basis einer Machbarkeitsstudie.
Auf der Strecke Bettemburg-Wolmeringen soll der beschrankte Bahnübergang 102d in Düdelingen wegkommen und die Haltestelle Buringen nicht nur behindertengerecht werden, sondern auch zwei 250 m lange Bahnsteige und eine Unterführung erhalten. Zusätzlich wird ein 1150 m langes Ausweichgleis geplant. Das alles werde 50 bis 60 Millionen kosten, wobei ab 60 Millionen ein eigenes Finanzierungsgesetz her muß.
Beim P&R-Gebäude an der Haltestelle Kärjeng/Sanem wird deutlich, wie lange Planungen dauern können. Denn da hatte die Chamber am 6. Dezember 2017 das Einverständnis für die weitere Planung gegeben, und jetzt kam das grundlegend anders als Planungsprojekt zurück. Das P&R-Gebäude soll jetzt 460 Autostellplätze kriegen und eine Verlängerung der bestehenden Unterführung unter der geplanten Umfahrung. Mit den Zufahrten und der Gestaltung des Busbahnhofs sind jetzt 52 Millionen Kosten geschätzt für das Projekt, das 8 Jahre später ganz anders ausschaut und an dem weiter geplant wird bis, ja bis wann?
Zwei Umfahrungen
Kehlen kriegt eine Umfahrung um 30 Millionen versprochen, wobei daran gezweifelt werden muß, damit gelänge es, den Verkehr Richtung Hauptstadt von Kopstal, Bridel und Rollingergrund fernzuhalten und über den Umweg der zu Spitzenzeiten bereits heute stark überlasteten Arloner Autobahn zu bringen.
Ebenfalls für 30 Millionen soll Hoscheid-Dickt eine 2,7 km lange Umfahrung für die N7 bekommen.

