Auslands-Nachrichten
Protest in Beirut
Am ersten Jahrestag der gewaltigen Explosion im Beiruter Hafen haben die Hinterbliebenen wütend und unter Tränen eine Klärung der Ursachen gefordert. Am Hafen und im Stadtzentrum Beiruts versammelten sich Angehörige sowie Ärzte, Krankenschwestern und Demonstranten mit Nationalflaggen. Präsident Michel Aoun versprach am Dienstagabend Gerechtigkeit für die Opfer. »Die Wahrheit wird zum Vorschein kommen und jeder Schuldige wird seine Strafe erhalten«, sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede. »Du wirst wieder auferstehen«, sagte er an die »geliebte Hauptstadt Beirut« gerichtet.
Geschäfte und öffentliche Einrichtungen wurden in Beirut am Mittwoch geschlossen, Flaggen auf halbmast gesenkt und Programme in TV- und Radiosendern angepaßt. Viele Hinterbliebene sind empört über die schleppende Aufarbeitung. »Wir wollen einfach Gerechtigkeit sehen«, rief die Schwester eines bei der Explosion verstorbenen Feuerwehrmanns. Auch Familien weiterer Feuerwehrleute, die ums Leben kamen, zogen zum Hafen.
Frankreich als frühere Mandatsmacht lud zur erneuten Geberkonferenz. 300 Millionen Euro würden gebraucht, hieß es aus Élyséekreisen. Frankreich stellte weitere 100 Millionen Euro in Aussicht, mit der Erklärung, unter anderem Bildung und Gesundheit in dem Krisenstaat fördern zu wollen. Der libanesischen Politik warf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut Versagen auf allen Ebenen vor.
Chilenische Fischer fordern Hilfen
Chilenische Fischer haben mehrere Landstraßen blockiert und sich Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Sie errichteten am Mittwoch Straßensperren und setzten Reifen in Brand. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Die selbstständigen Fischer forderten staatliche Unterstützung in der Corona-Pandemie, wie sie auch kleine Betriebe erhalten. »Die Straßen bleiben blockiert, bis die Regierung diesen Bonus gewährt, den alle Fischer in Chile fordern«, sagte Gewerkschaftsführer Norberto Vega.
WHO verlangt Impfstoff für arme Länder
Die Weltgesundheitsorganisation fordert einen vorübergehenden Stopp von Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus, so lange noch viele ärmere Länder auf Impfdosen warten. WHO-Direktor Ghebreyesus kritisierte die in mehreren Ländern erörterten Pläne für solche Impfungen am Mittwoch in Genf. Bereits begonnene Auffrischimpfungen sollten ausgesetzt und Pläne dafür bis mindestens Ende September auf Eis gelegt werden, bis mindestens zehn Prozent der Menschen in allen Ländern der Welt geimpft seien. »Länder mit hohen Einkommen haben 100 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht«, sagte er. »Gleichzeitig konnten Länder mit niedrigen Einkommen nur 1,5 Dosen pro 100 Menschen verabreichen, weil ihnen Impfstoff fehlt. Wir brauchen dringend eine Kehrtwende, so daß die Mehrheit der Impfstoffe in Länder mit niedrigen statt hohen Einkommen geht.«
EU will 200 Million Dosen Impfstoff aus den USA
Von der Leyen gegen Zulassung von Sputnik V
Brüssel – Die EU sichert sich den Zugriff auf bis zu 200 Millionen Dosen eines möglichen (!) neuen Corona-Imfstoffs aus den USA. Die für den Einkauf zuständige EU-Kommission teilte mit, daß am Mittwoch der Abschluß eines entsprechenden Vertrags mit dem USA-Hersteller Novavax genehmigt wurde. Der Impfstoff-Kandidat muß allerdings noch von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für sicher befunden werden.
»Da sich neue Coronavirus-Varianten in Europa und weltweit ausbreiten, ist dieser neue Vertrag mit einem Unternehmen, das seinen Impfstoff bereits erfolgreich an diesen Varianten testet, eine weitere Absicherung zum Schutz unserer Bevölkerung«, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Eine Zulassung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ist laut der EU-Kommissionspräsidentin weiter ungewiß. »Bislang ist es dem Hersteller nicht gelungen, genügend valide Daten zu liefern, um die Sicherheit nachzuweisen«, sagte Ursula von der Leyen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das werfe Fragen auf.
Der Impfstoff Sputnik V ist mittlerweile bereits in 69 Staaten zugelassen. In der EU verwenden ihn Ungarn und die Slowakei auch ohne grünes Licht der EMA. Die EMA prüft den Impfstoff nun bereits seit Anfang März. Ihr Urteil entscheidet, ob die EU-Kommission dann im nächsten Schritt die Genehmigung für die Anwendung erteilt.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Mitarbeiter der EMA stünden in »direktem Arbeitskontakt« mit den russischen Ministerien für Gesundheit und Handel. »Nach unseren Informationen gibt es keine Einwände gegen den Impfstoff und seine Wirksamkeit.«. Rußland hatte immer wieder davor gewarnt, die Prüfung des Antrags zu politisieren.
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