Luxemburg15. September 2026

Ist PISA mehr als ein Standbild?

Warum wird es schlechter statt besser?

Für Luxemburg ist es keine Neuigkeit, wie sehr die sozioökonomische Kategorie des Elternhauses die Schulergebnisse bestimmt, wobei Ausnahmen schon immer die Regel bestätigten. Das war schon so, als kaum Einwandererkinder in Luxemburger Schulbänken zu finden waren. Da sich das nicht geändert hat, folgt daraus zwingend, daß es kein Anliegen der aufeinander folgenden Regierungen war, das zu ändern.

Das hat sehr wesentlich damit zu tun, daß alle am Erhalt der Klassengesellschaft im real existierenden Kapitalismus interessiert waren und sind, weswegen ein Schulsystem, das nicht ein Oben und ein Unten reproduziert, stark stören würde. Wenn also mit dem PISA-Test herausgefunden wird, 20 Prozent der 16jährigen seien nicht mit den einfachsten Fähigkeiten gesegnet, so ist das durchaus systemstabilisierend. Smartphoneverbot bei gleichzeitigem Tablet-Zwang bringt da definitiv nicht die Lösung des Problems, wobei der Kauf eines Huawei-Tablets mit ordentlichem Bildschirm- und Datenspeicher sicher empfehlenswerter ist, als denselben Betrag mit sieben Mal 50 Euro für Apple-Elektronikschrott ans Bildungsministerium zu zahlen.

Was aber in der aktuellen Scheindebatte hierzulande total fehlt, das ist eine Beschäftigung mit dem vorgelegten Frageboten. Davon gibt es nämlich weder etwas in der deutschen noch in der französischen 72seitigen Kurzfassung, dafür aber befinden sich zumindest Beispiele in der englischen 373seitigen Originalausgabe.

Für oder gegen Windparks vor der Küste?

Auf Seite 348 und 349 finden wir dort das nur kurz in der ersten Pressekonferenz des Script-Direktors angedeutete Beispiel eines Windparks vor der Küste. Da dürfen wir uns fragen, ob das noch Naturwissenschaft ist oder nur Werbung für Windräder angesichts der Fragestellungen und der Beschreibung, für was die Jugendlichen Punkte in der Bewertung bekamen.

Da heißt es, eine Küstenstadt überlege den Bau einer Windräder-Farm vor der Küste, um Strom zu erzeugen. Der Wind drehe die Rotorblätter der Windräder, was Strom erzeuge, der an Land ins Stromnetz kommt. Einige Leute in der Stadt seien für das Projekt, andere befürchteten einen negativen Einfluß auf die lokale Umwelt.

Einleitend soll erklärt werden, wie die Umwelt profitiert, wenn Strom mit Wind statt mit fossilen Energieträgern hergestellt wird. Für den Reklameprospekt ist das klar, denn der kennt weder einen Rotorabrieb diversester Feinstpartikel, die lungengängig und im Boden giftig sind. Physik ist da offensichtlich auch nicht gefragt, denn wenn dem Wind Energie entnommen wird, kann dieser weniger Wasser ins Land hinein transportieren, weil er geschwächt wird. Es wird ja nicht nach Nachteilen gefragt, wobei der größte über das Regenproblem im Inland hinaus unbestreitbar ist, daß damit keine kontinuierliche Stromerzeugung zustande kommt.

Also wird als minimale positive Antwort gewertet, wenn da steht Strom mit Wind erzeuge weniger CO2. Als optimale Antwort wird gewertet, wenn da steht, Stromerzeugung ohne fossile Energieträger reduziere CO2-Emissionen und Luftverschmutzung. Daher helfe das den Klimawandel zu bremsen und den Schadstoffausstoß zu verringern, der Ökosysteme und die menschliche Gesundheit schädigen kann. Wie die Kunststoffpartikel, die abgerieben werden, zum Beispiel, aber das wäre die falsche Antwort im Pisa-Spiel.

Als zweites gilt es, einen negativen Einfluß zu beschreiben, den der Windpark auf die lokale Umwelt haben könnte. Optimal bewertet wird, wenn da steht, die lokale Meeresfauna und -flora könne in der Bauzeit geschädigt werden, Vögel könnten in die Rotorblätter fliegen, die Bewegungen von Fischen, Delphinen und Walen könnten beeinträchtigt werden, die Vibrationen und die Geräusche der Rotorblätter könnten die Wildtiere stören, die Wasserumwelt werde dauerhaft beeinträchtigt, Wasserströmungen und Wellengang könne verändert werden, Tiere würden leiden.

Egal, einleitend zur dritten Frage wird mitgeteilt, die Stadt entscheide sich für den Bau des Windparks. Die Windräder müssen im Meeresboden verankert werden, was umso teurer kommt, je tiefer das Wasser dort ist. Gefragt wird, wo gebaut werden soll, wissend daß in der Zone A an der Küste täglich viele Vögel sind, in der Folgezone B viele Grünalgen, eine kritische Nahrungsquelle für viele Meeresbewohner, in Zone B wie in der nächsttieferen Zone C viele Fischschwärme vorkommen und erst in der noch tieferen Zone D große Meerestiere anzutreffen sind.

Als richtige Antwort wird Zone C gewertet. Optimal bewertet wird mit drei Punkten die Begründung, das sei zwar teurer als näher an der Küste aber die Tiere in Zone C kommen auch in Zone B vor und können dorthin ausweichen, während die Pflanzen aus Zone B nicht woanders hinkönnen, während in Zone A zu viele Vögel sind, auch wenn es dort am billigsten würde.

Fehlt ein Element gibt es zwei Punkte, fehlen zwei gibt es einen Punkt. Keinen Punkt gibt es mit der Meldung, da sollte nirgendwo ein Windpark hinkommen mit egal welcher Begründung, obwohl das doch die korrekteste Antwort wäre.

Es gibt folglich einiges an diesem Fragebogen, was in Frage zu stellen ist.

Das ist nicht verwunderlich, denn der OECD geht es eindeutig um die Verwertbarkeit im real existierenden Kapitalismus der Leute, die aus der Schule herauswachsen.