Biolandwirtschaft entdecken
Vom 19. bis 28. September findet die dritte Auflage der Bio-Woche statt unter dem Motto »Dem Bio-Bauer säi ganze Stolz« als Sensibilisierungskampagne für die biologische Landwirtschaft mit vielen Veranstaltungen, die im Detail auf www.biowoch.lu vorgestellt werden (auf Luxemburgisch, Französisch und Englisch).
Viele wissen nicht, wie nah neben ihrem Wohnort ein biologisch wirtschaftender Betrieb zu finden ist. Auch wenn es mit dem Nationalen Bio-Aktionsplan nicht gelingt, bis Ende des Jahres bei einem Viertel bewirtschafteter Biofläche zu landen, werden es doch zehn Prozent oder 12.000 Hektar, was 5.100 mehr sind als vor diesem. Der nächste Bio-Aktionsplan ist in Arbeit und soll zum Jahresende veröffentlicht werden.
Auch wenn die aktuelle Regierung nicht mehr wie die vorherige das langfristige Ziel von 100 Prozent Bio-Landbau beibehalten will, so ist dieser doch wegen der Vorteile für die Biodiversität das Liebkind im Umweltministerium. Erstmals unterstützt auch das Gesundheitsministerium die Bio-Woche, weil pestizidfreier Genuß eben auch ein Gesundheitsvorteil ist.
In Dippach sind alle vier Bauernbetriebe seit 2020 biologisch bewirtschaftet; in der Gemeinde gibt es mit dem Hühnerhalterbetrieb Emeringer einen fünften. Bei der Familie Thill fand gestern in Anwesenheit von Landwirtschaftsministerin Martine Hansen die Vorstellungspressekonferenz statt, was diese nutzte, um zu versprechen, die doppelte Kontrolle der Bio-Betriebe abzuschaffen, weil diese ja bio-zertifiziert sind und über die Bioverbände kontrolliert werden. Eine Kontrolle weniger wird die Bauern sicher freuen, denn jede bringt viel Zeitverlust mit sich. Zudem wurde für diesen Winter eine Anpassung des Reglements Direktvermarktung angekündigt, damit die Betriebe alle Alternativen praktikabel nutzen können.
Direktvermarktung ist ein zusätzliches Standbein, die den Betrieben finanzielle Sicherheit gibt durch den Wegfall von Vertriebskosten, was am anderen Ende auch ein Vorteil für die Konsumenten ist. Die Familie Thill vermarktet direkt über einen Selbstbedienungsstand am Hof alle Eier aus ihren zwei mobilen Hühnerställen und seit diesem Jahr auch Gemüse, vorrangig zunächst Kürbisse und Zwiebeln. Erstmals geerntet werden gerade Kichererbsen, die das erste Jahr angebaut wurden, wobei die Kultur gleich ein ausgezeichnetes Ergebnis lieferte. Dem Menschen liefert sie Eiweiße, Fette und gute Kohlenhydrate, dem Ackerboden Stickstoff. Die Gemüseidee, die ausgebaut werden wird, stammt von den beiden Töchtern der Familie Thill (19 und 21 Jahre alt), die den Betrieb sicher weiterführen werden.
Betriebsschwerpunkt ist die Mutterkuhhaltung mit einer Aubrac-Zucht, die mittlerweile 120 Tiere umfaßt, und 30 Charolais-Rindern. Das Fleisch wird über die IVLB vermarktet, wo Josy Thill Präsident ist. Am Tag der offenen Tür auf dem Biohof Baltes am Sonntag, 21. September in der Ernztalgemeinde (Stegen, 1, Um Suewel) von 10.30 bis 17 Uhr gibt es nicht nur Animationen für Kinder, einen geführten Hofbesuch, Gegrilltes und Getränke, sondern auch einen Produzentenmarkt der IVBL zum Kennenlernen.
Nebenbei empfängt der Betrieb Thill in Dippach wie der Betrieb Witry am anderen Dorfende, wo man rund um die Uhr Rohmilch zum Literpreis von 1,20 Euro abfüllen kann, auch Schulklassen und Maison Relais, um Kindern einen Einblick zu geben in einen Bauernbetrieb, einen Einblick, den die Bio-Woche auch den Erwachsenen anbietet.
In der Bio-Woche werden in zwölf Gemeinden Hinweisschilder aufgestellt, die anzeigen, in welcher Entfernung es welche Produkte aus biologischer Landwirtschaft ab Hof gibt. Mit diesen Pfeilschildern soll klargemacht werden, daß es viel mehr in naher Umgebung gibt, als den meisten bekannt ist.
Bio-Produkte müssen eben nicht immer von weit her kommen, es gibt auch vieles von nebenan und das ist ein großer Vorteil für unsere Lebensmittelsicherheit in Normalzeiten, aber noch viel mehr in Krisen. Drum ist es empfehlenswert, das Angebot zu nutzen, beginnend mit der Informationsmöglichkeit während dieser Aktionswoche.

