Luxemburg15. September 2023

Anderthalb Millionen Euro für dubiose NGO

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Nachdem er dem HALO Trust vergangene Woche beim Minenräumen in der Ukraine zugesehen hat, machte Franz Fayot in seiner Funktion als Kooperationsminister nun anderthalb Millionen Euro für die angebliche britische »Nichtregierungsorganisation« locker. Ein entsprechendes »Memorandum of Understanding« (Absichtserklärung) wurde am Mittwoch mit dem Generaldirektor der Organisation, James Cowan, unterzeichnet.

Wie es in der Pressemitteilung des Außenministeriums und der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Maßnahmen weiter heißt, setzt sich die »Hazardous Area Life-support Organization« (zu Deutsch etwa: »Organisation zur Lebenserhaltung in gefährlichen Bereichen«) »für die Räumung von Gebieten von Minen und/oder nichtexplodierter Munition« ein. Mit der Spende aus Luxemburg würden im nächsten und im übernächsten Jahr Minenräumungen in der Ukraine, aber auch im Irak und in Myanmar unterstützt.

Laut seinem englischsprachigen Internetportal wurde der im schottischen Thornhill ansässige und über Filialen im englischen Salisbury, der USA-Hauptstadt Washington sowie im niederländischen Den Haag verfügende HALO Trust 1988 von den britischen Offizieren Guy Willoughby und Colin Campbell Mitchell sowie dessen Frau Sue Mitchell gegründet. Das erste Minenräumprogramm habe nach dem Abzug der sowjetischen Armee in Afghanistan stattgefunden, in Kambodscha sei man seit 1991 aktiv und im Januar 1997 habe ein Besuch der im August desselben Jahres in Paris bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Lady Diana für »ein weltweites Medienecho« der Minenräumung im angolanischen Huambo gesorgt.

Im »russisch-ukrainischen Krieg« ist die Organisation, die eigenen Angaben zufolge mittlerweile mehr als 10.000 Mitarbeiter in 28 Ländern hat und über ein Jahresbudget von zuletzt 93,5 Millionen Britischen Pfund (umgerechnet rund 109 Millionen Euro) verfügt, seit 2016 mit der Räumung von Minen beschäftigt. Seit »der russischen Invasion im Februar 2022« sei die Mitarbeiterzahl in der Ukraine auf mehr als 600 aufgestockt worden.

Obwohl der HALO Trust als »Nichtregierungsorganisation« (Non-governmental organization, NGO) auftritt, arbeitet er eigenem Bekunden zufolge nicht nur eng mit den britischen und den Streitkräften der USA, sondern auch mit denen weiterer NATO-Staaten zusammen. Außerdem werde man von der britischen Regierung, der USA-Regierung »und anderen Regierungen in aller Welt, darunter Finnland, Norwegen, Deutschland, die Niederlande, Irland und Neuseeland«, finanziell unterstützt. Mittlerweile wird auf der Internetseite der Organisation auch Luxemburg als Spender ausgewiesen.

Doch damit nicht genug. Vor dem Hintergrund zunehmender russischer Opfer von Minenfallen in der Kaukasusrepublik Tschetschenien beschuldigte der russische Inlandsgeheimdienst FSB den HALO Trust im August 2000, tschetschenische Terroristen militärisch ausgebildet zu haben. Die Organisation sei damals an einer verdeckten Operation zur Ausbildung von tschetschenischen Sprengstoff- und Minenspezialisten beteiligt gewesen, erklärte der FSB unter Berufung auf die Aussagen gefangener Rebellen. Auch hätten HALO-Trust-Mitarbeiter nachrichtendienstliche Erkenntnisse über russische Kampftaktiken gesammelt und »eine umfassende topographische Erfassung des tschetschenischen Territoriums« durchgeführt, so die damaligen Anschuldigungen des FSB.

Diese wies HALO-Trust-Mitgründer Willoughby zwar als »völlig absurd« zurück, laut einem Bericht der »New York Times« mußte er aber einräumen, daß »einige der 100 oder mehr Tschetschenen«, die seine Organisation in den Jahren 1997 bis 1999 zur Minenräumung ausgebildet hat, »zu den Kämpfern übergewechselt sind«. Dort brachten sie dann ihre bei HALO Trust erworbenen Minenkenntnisse ein – sie legten Hinterhalte gegen russische Truppen.