Leitartikel21. Juli 2026

Die »Glaubwürdigkeit« in der Politik

von Uli Brockmeyer

Man kann sich so etwas gar nicht ausdenken. Der deutsche Bundeskanzler, dessen Zustimmungswerte in der eigenen Bevölkerung bei etwa 13 Prozent liegen sollen, macht sich Sorgen um die Glaubwürdigkeit der Politik seiner Christlich-Demokratischen Union, die gemeinsam mit den bayerischen Christlich-Sozialen und den Sozialdemokraten das Land regiert.

Anlaß für die Sorgenfalten des Herrn Merz ist der aufgebauschte Skandal um seinen bisherigen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, den früheren Gesundheitsminister Jans Spahn, dem bis zum Wochenende zudem nachgesagt wurde, er habe Ambitionen, selbst Chef im Bundeskanzleramt zu werden. Herr Spahn hatte sich schon während der Corona-Krise einen Namen gemacht, als er Riesensummen für nicht benötigte Masken zum Fenster hinauswarf und statt Reue oder gar tätiger Bereitschaft zur Wiedergutmachung nur ein breites Grinsen vor den Kameras übrig hatte. Hinzu kamen solche Nebensächlichkeiten wie das Abhalten einer Spendengala trotz geltender Ausgangssperre oder der private Kauf einer repräsentativen Villa, bezahlt mit Krediten aus nicht nachvollziehbarer Quelle.

Nun kam zu den zahlreichen Äußerungen des aufstrebenden christlichen Politikers, mit denen er sein eklatantes Unverständnis für die Sorgen und Wünsche der Menschen im Land demonstrierte, die Nachricht, er und sein Mann hätten ein Baby bekommen, ausgetragen von einer Leihmutter in den USA. Was in Trumps own country erlaubt ist, ist allerdings in old Germany illegal, und widerspricht auch der christlich motivierten Position seiner eigenen Partei. Das führte nun schließlich nach einigen öffentlichen Debatten zum – nicht ganz freiwilligen – Rücktritt des Möchtegern-Spitzenpolitikers.

Dieser Skandal war es, der den Kanzler öffentlich bekennen ließ, er mache sich Sorgen um die Glaubwürdigkeit seiner Partei. Das sagt einiges aus über den Mann, der in seiner früheren Tätigkeit bei und für Black Rock vermutlich selbst Millionär wurde und gern mit dem Privatjet in den Urlaub fliegt. Der Skandal wegen einer unchristlichen Leihmutterschaft treibt ihn um, und nicht etwa das unchristliche Verpulvern vom Milliarden und Abermilliarden für todbringende Aufrüstung, nicht etwa der Griff nach der Teilhabe an der französischen Atomwaffe, und auch nicht die uneingeschränkte Komplizenschaft mit dem Völkermord seiner israelischen Freunde. Es macht ihm nichts aus, den nachfolgenden Generationen Hunderte Milliarden an Schulden aufzubürden, um Deutschland kriegstüchtig statt friedensfähig zu machen. Es geht ihm am Allerwertesten vorbei, wenn öffentliche Dienste, das Gesundheitswesen, Infrastruktur regelrecht zerbröseln, weil das nötige Geld verwendet wird, um die Profite von Rüstungskonzernen und Banken zu mehren.

Diese Art von »Glaubwürdigkeit« wird noch übertroffen durch den Präsidenten der USA von Gottes Gnaden, der dafür sorgte, daß bei der Fußball-WM Spieler und Schiedsrichter gemaßregelt werden, um sich selbst mit einer gigantischen Show beim Finale an einen Platz zu stellen, von dem er keine Ahnung hat. Glaubwürdigkeit ist in seinen Augen auch, daß zur Eröffnung des Finalspiels Fahnen der Streitkräfte der USA aufmarschieren, während die selben Streitkräfte am selben Wochenende bei Angriffen im Iran mindesten 50 Menschen getötet haben.

Die Listen der unglaubwürdigen Aktivitäten von Merz, Trump & Co.sind schier endlos lang, und schier endlos sind die Gründe, sich über wirkliche Glaubwürdigkeit Sorgen zu machen.