Zuckerbrüder
Millionenschwere Unterstützung für Trumps Traum, »Kuba zu übernehmen«
Donald Trump ist ein milliardenschwerer Präsident mit milliardenschweren Freunden und er vertritt die Milliardärsklasse in den USA. Beweise dafür gibt es zuhauf und wenn es um Kuba geht, gibt es kein deutlicheres Beispiel als seine Beziehung zur Familie Fanjul.
José Fanjul, genannt »Pepe«, wird vom »Forbes Magazine« als einer von Trumps »größten politischen Spendern und Freund seit mehr als 40 Jahren« beschrieben. Er ist ein 81-jähriger Zuckermagnat aus Palm Beach, der in der Nähe von Trumps Anwesen Mar-a-Lago lebt. Er ist zudem der jüngere Bruder von Alfonso »Alfy« Fanjul, dem 88-jährigen CEO und Vorsitzenden des familieneigenen Zucker- und Immobilienunternehmens.
Gemeinsam verfügen sie über ein Vermögen von acht Milliarden US-Dollar, das sie sich mit Hilfe nicht unerheblicher politischer Gefälligkeiten sowohl von Leuten der Demokratischen als auch der Republikanischen Partei angeeignet haben – und nun wollen sie Trumps Hilfe beim Wiederaufbau ihres Zuckergeschäfts in Kuba.
Zucker-Dynastie
Die Familie Fanjul stammt ursprünglich aus Kuba und ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuckergeschäft aktiv, wodurch sie vor 1959 zu den größten Produzenten des Landes gehörten. Die Eltern der Brüder – Alfonso Fanjul Sr. und Lillian Gomez-Mena – heirateten 1936 und vereinigten damit zwei der reichsten Zuckerfamilien der Insel. Bis 1959 umfaßte ihr Imperium zehn Zuckerraffinerien, Immobilien in ganz Kuba und einen Makler in New York.
Nach der Kubanischen Revolution verließen sie – wie viele andere reiche Familien – die Insel, gingen ins selbst gewählte Exil und ließen ihre Besitztümer und Vermögenswerte zurück. Die Fanjuls begannen schnell, ihr Geschäft weiterzuführen und erwarben 4.000 Morgen (1.600 Hektar) Land in Pahokee am Ufer des Okeechobee-Sees in Florida. Anschließend kauften sie gebrauchte Maschinen kleinerer Zuckerfabriken in Louisiana. Schon im Jahr 1960 eröffneten sie ihre erste Zuckerfabrik in den USA. Alfonso Jr., der damals gerade einmal 22 Jahre alt war, begann, für seinen Vater im Familienunternehmen zu arbeiten, und schließlich stießen auch Pepe und die anderen Brüder, Andres und Alexander, dazu.
Heute kontrollieren die Fanjuls Unternehmen wie Florida Crystals und Domino Sugar sowie die American Sugar Refining Group, die als weltweit größter Rohrzuckerraffinierkonzern gilt. Zum Geschäftsimperium der Familie Fanjul gehören auch Investitionen in der Karibik: Die Familie besitzt das Resort Casa de Campo in der Dominikanischen Republik und ist an Central Romana beteiligt, dem größten privaten Unternehmer und Grundbesitzer des Landes.
Pragmatische politische Investitionen
Die Fanjuls waren – wie viele andere einflußreiche Exil-Kubaner in den USA – seit Langem in »Anti-Castro«-Kreisen aktiv, doch ihre wahre politische Macht ist nicht auf ideologisches Engagement für irgendeine Sache zurückzuführen, sondern vielmehr auf pragmatische politische Investitionen, um sich selbst zu bereichern und ihr Zuckerimperium aufzubauen.
Alfy, der älteste Bruder, unterhielt über die Jahre hinweg eine öffentlich bekannte Beziehung zu den Clintons und fungierte 1992 sogar als Ko-Vorsitzender von Bill Clintons Wahlkampagne in Florida. Als Clinton im Weißen Haus saß, nutzte Alfy diese Verbindung, um den Präsidenten davon zu überzeugen, die Unterstützung für den Vorschlag von Vizepräsident Al Gore stillschweigend zurückzuziehen, die Zuckerfarmer in Florida mit einem Cent pro Pfund Zucker zu besteuern, um die Sanierung des verschmutzten Mangroven- und Sumpfbiotops der Everglades in Florida zu finanzieren.
Tatsächlich wird den Farmen der Fanjuls seit Jahrzehnten vorgeworfen, Gewässer durch die Einleitung von Chemieabwässern zu verschmutzen, ganz zu schweigen von der Luftverschmutzung durch das Abbrennen der Zuckerrohrfelder zur Vorbereitung der Pflanzen auf die Ernte.
Spenden und Gefälligkeiten
Nach Angaben der föderalen Wahlkommission und von Behörden in Florida haben die Fanjuls seit 1977 mindestens 24 Millionen US-Dollar für Wahlkampagnen auf nationaler und Bundesstaatsebene in Florida sowie für Wahlkampfkomitees (PACs) ausgegeben, wobei sie sowohl »Demokraten« als auch »Republikaner« unterstützten.
In jüngster Zeit haben sie sich dafür entschieden, ihre Gewinne durch großzügige Spenden an Trump in allen drei Wahlkämpfen zu maximieren, indem sie dem König von »Make America Great Again« (MAGA) unverbrüchliche Treue zeigten und seinen Spenden- und Wahlkampfkomitees insgesamt mehr als 7 Millionen US-Dollar überwiesen.
Im Gegenzug hat Trump ihnen Gefälligkeiten erwiesen: Er führte Zölle gegen ausländische Konkurrenz ein und übte Druck auf den Coca-Cola-Konzern aus, in seinen Produkten Rohrzucker anstatt Maissirup zu verwenden. Die Fanjuls haben zweifellos davon profitiert.
Noch ungeheuerlicher ist, daß Trump eine Anordnung der Biden-Regierung aus dem Jahr 2022 aufhob, die Importe der Central Romana Corporation verbot – einem bedeutenden Zuckerimporteur in die USA, dessen oberster Geschäftsführer Alfonso Fanjul ist. Das Importverbot war unter Präsident Joseph Biden erlassen worden und fußte unter anderem auf Informationen über weitverbreitete Mißstände bei Central Romana, darunter vorenthaltene Löhne, Zwangsarbeit und gefährliche Arbeitsbedingungen.
Im Jahr 2023 gab es Berichte, daß Bundesbeamte der Biden-Regierung gegen Central Romana ermittelten. Sonderermittler der Heimatschutzbehörde untersuchten die Arbeitsbedingungen bei Central Romana. Die Ermittler verbrachten im März mehrere Tage mit geheimen Befragungen haitianischer Zuckerrohrschneider, die von der weitläufigen, 96.000 Hektar großen Plantage von Central Romana, wo viele Arbeiter zusammen mit ihren Familien in baufälligen Lagern leben, zu einem Hotel in der Nähe gebracht worden waren.
»Die Flagge der Fanjul-Familie nach Kuba zurückbringen«
Als Trump kürzlich sagte: »Ich glaube, ich werde die Ehre haben, Kuba zu übernehmen«, wurde deutlich, daß die Fanjuls hinter ihm stehen und auf ihren Moment warten, um davon zu profitieren. Tatsächlich hatte Alfonso Fanjul – sehr zum Frust kubanisch-US-amerikanischer Politiker wie Ileana Ros-Lehtinen, Marco Rubio, Mario Díaz-Balart und anderer – während Barack Obamas Präsidentschaft mehrmals als Teil einer Delegation der »Brookings Institution« Kuba besucht und traf dabei mit kubanischen Regierungsvertretern zusammen, um Geschäftsmöglichkeiten auf der Insel zu erörtern.
Im Jahr 2014 – als er hoffte, von Obamas Annäherungsversuchen an Kuba zu profitieren – wurde er mit den Worten zitiert: »Wenn es einen Weg gibt, die Flagge der Fanjul-Familie nach Kuba zurückzubringen, dann tue ich das gerne.« Es scheint, daß nun mit Trump im Weißen Haus und mit Fanjuls Geld im Rücken das am besten mit einem dicken Knüppel geht.
-----------
aus »People’s World«, Zeitung der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA)

