Richter stoppt Impfvorgaben der Trump-Regierung
Boston – In den USA hat ein Richter den Kurswechsel in der Impfpolitik unter Präsident Donald Trump vorerst gestoppt. Bundesrichter Brian Murphy urteilte am Montag (Ortszeit), die von seinem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. herbeigeführten Änderungen seien »willkürlich« und verstießen gegen wissenschaftliche Methoden und eingespielte Verfahren. Konkret beanstandete der Richter den reduzierten Impfplan für Kinder sowie die eingeschränkten Empfehlungen für Coronaimpfungen.
Die Trump-Regierung habe das traditionelle Verfahren für Impfempfehlungen »mißachtet und damit die Redlichkeit ihres Handelns untergraben«, erklärte Murphy, der noch von Trumps Vorgänger Joe Biden ernannt worden war. Er gab damit Klagen von Ärzteverbänden statt.
Der Verband der Kinderärzte nannte die Entscheidung »historisch und willkommen«. Die Änderungen durch den von Kennedy neu berufenen Impfausschuß hätten »Chaos und Verwirrung für Eltern und Kinderärzte im ganzen Land gestiftet«, erklärte der Verband. Der teils mit Impfskeptikern besetzte Ausschuß hatte unter anderem empfohlen, Immunisierungen gegen Rotaviren, Influenza und Hepatitis B aus dem Impfplan für Kinder zu streichen.
Das Gesundheitsministerium erwartet nach Angaben eines Sprechers, daß die Entscheidung in der nächsten Instanz wieder aufgehoben wird. Minister Kennedy gilt selbst als Impfgegner und hatte den Ausschuß mit der Überprüfung der gut 30 Jahre alten Regeln beauftragt. Der Neffe des früheren Präsidenten John F. Kennedy bringt Immunisierungen unter anderem mit Autismus bei Kindern in Zusammenhang. Dies ist jedoch nicht wissenschaftlich erwiesen.
Hintergrund ist eine steigende Impfskepsis in den USA. Fachleute warnen vor einer Rückkehr potentiell tödlicher Krankheiten, die bereits als weitestgehend ausgerottet galten. Im vergangenen Jahr erlebten die USA den größten Masernausbruch seit mehr als drei Jahrzehnten, mit mehr als 1.400 Fällen.
Im Januar waren 15 Bundesstaaten gegen den eingeschränkten staatlichen Impfplan für Kinder vor Gericht gezogen. Fachleute hatten zuvor mit scharfer Kritik auf Kennedys Pläne reagiert. Die Entscheidung widerspreche jahrzehntelangen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Wirksamkeit von Impfprogrammen. Routineimpfungen hätten maßgeblich dazu beigetragen, gefährliche Infektionskrankheiten stark zurückzudrängen.
In den USA sind einige Impfungen wie die gegen Masern, Mumps und Röteln für die Einschulung verpflichtend, andere werden lediglich empfohlen. In vielen Bundesstaaten können Eltern ihre Kinder ganz befreien lassen, aus religiösen Gründen zum Beispiel.

