Leitartikel24. Oktober 2026

Das Recht auf Wohnen

von Uli Brockmeyer

»Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen…«

Dieser Satz stammt nicht etwa aus dem Manifest der Kommunistischen Partei, das Karl Marx und Friedrich Engels im Jahr 1848 verfaßten, und auch nicht aus einem Wahlprogramm einer kommunistischen Partei in Frankreich, Deutschland, Portugal oder Luxemburg. Es handelt sich um Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, verkündet von der Generalversammlung der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) am 10. Dezember 1948.

Dieser Artikel 25 wird in den Ländern der westlichen »Werte-Gemeinschaft«, und nicht nur dort, tagtäglich in eklatanter Weise verletzt, übrigens ebenso wie zum Beispiel Artikel 3, der das Recht auf Leben festschreibt, oder das Recht auf soziale Sicherheit (Artikel 22), das Recht auf Arbeit (23) oder das Recht auf Erholung und Freizeit (24) und ebenso das Recht auf Bildung, das laut Artikel 26 gilt.

Die permanente Verletzung all dieser grundlegenden Menschenrechte ist kein momentaner Zustand, sondern in unserer Gesellschaft tagtägliche Erfahrung. Was viele Menschen, ganz besonders junge Menschen, in diesen Tagen veranlaßt, auf Straßen und Plätzen lautstark zu protestieren, ist vor allem die Tatsache, daß sich in Bezug auf die Einhaltung der verbrieften Menschenrechte fast alles deutlich spürbar zum Schlechteren entwickelt.

Das Recht auf Leben spielt keine Rolle, wenn es darum geht, knallharte politische und wirtschaftliche Machtinteressen durchzusetzen. Das Recht auf Gesundheit, Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen wird dem Streben geopfert, auf Teufel komm raus Waffen zu produzieren und Kriege zu führen. Da fallen auch das Recht auf Arbeit, auf Erholung und Freizeit und in immer stärkerem Maße auch das Recht auf Bildung unter den Tisch. Die wohlfeile Mahnung zur Wahrung der Menschenrechte, die westliche Politiker in die Welt posaunen, gilt in deren Augen nur dann, wenn ein politischer Gegner an den Pranger gestellt werden soll.

Die aktuellen Kriege haben nicht nur drastische Auswirkungen auf die Verschlechterung des Klimas, sondern vor allem auf die soziale Lage eines immer größer werdenden Teils unserer Gesellschaft. Die durch politische Entscheidungen und durch Kriege verursachte Energiekrise und die damit verbundene Verteuerung der Lebenshaltungskosten wirken sich besonders deutlich auf unser tägliches Leben aus.

Und wenn die Chancen auf Bildung und auf einen Wohnraum zu angemessenen Preisen immer geringer werden, dann regt sich der Protest meist zuerst bei den jungen Menschen. Ohne ausreichende Ausbildung und angesichts der miserablen Wohnsituation sind die Aussichten auf eine Zukunft eher mau. Aus diesem Grund haben sich auch in Luxemburg Vertreter von Jugendorganisationen zu einer ersten Protestaktion am kommenden Dienstag entschieden. Zu deutlich ist der Widerspruch zwischen den von der Regierung versprochenen Maßnahmen zum sozialen Wohnungsbau und der Tatsache, daß im angeblich so reichen Luxemburg immer mehr Menschen sich eine leistbare Wohnung jenseits der Grenzen suchen.

Die Kommunisten fordern seit Jahren konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation im Land, denn Wohnen ist ein Recht, kein Privileg!