Forschung auf Krieg getrimmt
Neun privat-öffentliche Projekte werden subventioniert
Dual-use war gestern: Wurden Staatsgelder zur Förderung militärisch verwertbarer Forschung und Entwicklung (F&E) anfangs noch bevorzugt in Projekte gesteckt, die potentiell auch für zivile Zwecke einsetzbar sind, so konzentrierte sich die letzte, im Juli vergangenen Jahres lancierte Ausschreibung laut Regierungsmitteilung »erstmals auf reine Verteidigungsprojekte«. Zur Begründung heißt es, man wolle einerseits »den neuen Anforderungen der NATO« im Rahmen der im Juni 2025 auf ihrem Gipfel in Den Haag eingegangenen Verpflichtung gerecht werden, »bis 2035 3,5 Prozent (der luxemburgischen Wirtschaftsleistung, Anm. d. Red.) in die wesentlichen Verteidigungsbedürfnisse zu investieren«, und andererseits dem EU-Ziel nachkommen, Jahr für Jahr mindestens zwei Prozent des Militärbudgets für F&E aufzuwenden.
Mittlerweile haben die beteiligten Ressortchefs Yuriko Backes (Armee), Lex Delles (Wirtschaft) und Stéphanie Obertin (Forschung und Universität) per Pressemitteilung bekanntgegeben, welche privat-öffentlichen Projekte heimischer Unternehmen und Forschungsinstitute, die sich an der letzten Ausschreibung beteiligt haben, berücksichtigt wurden, so daß sie nun Steuergelder in Höhe von insgesamt mehr als 15 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds respektive aus dem Nationalen Forschungsfonds (FNR) erhalten.
Es sind dies neun von insgesamt 30 vollständig eingereichten Projektvorschlägen. 1,34 Millionen Euro davon soll das Projekt »Drone-Sense« des Unternehmens Amphinicy Luxembourg SARL und des SnT (Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust) an der Universität Luxemburg erhalten, um eine IT-Lösung zu entwickeln, die es ermöglichen soll »Drohnen und Störungen, die Satellitenbodenstationen gefährden könnten, in Echtzeit zu erkennen, zu lokalisieren und abzuwehren«. Artec Europe und erneut der SnT der Uni erhalten 2,11 Millionen Euro zur Entwicklung interaktiver 3D-Modelle, die es Streitkräften und autonomen Robotern ermöglichen sollen, auch »unter schwierigen Bedingungen besser zu navigieren, ihre Umgebung zu analysieren und Entscheidungen zu treffen«. Edda Luxembourg SA und dem Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) wurden 1,41 Millionen Euro zugesprochen, um eine »dezentrale Plattform zur Verfolgung grenzüberschreitender militärischer Bewegungen in Echtzeit« zu entwickeln.
Weitere 1,47 Millionen Euro gehen an Gradel LW Sàrl und das LIST zur Entwicklung einer »ultraleichten und multifunktionalen Verbundstruktur« zur Radarabsorption bei Militärfahrzeugen und Drohnen. Mit Integrasys Sàrl soll das LIST außerdem ein automatisiertes System zur Kommunikationssicherung entwickeln. Dafür gibt es 1,27 Millionen Euro. LMO Sàrl, Integrasys Sàrl und erneut das LIST bekommen ihre geplante Entwicklung eines »von terrestrischen Infrastrukturen unabhängigen Weltraumverteidigungssystems zum Schutz strategischer Satelliten in der geostationären Umlaufbahn« mit 1,62 Millionen Euro subventioniert.
2,07 Millionen Euro gehen an Luxbotix SA und das SnT zur Entwicklung einer »autonomen und solarbetriebenen Bodenplattform, die dank einer satellitenunabhängigen Navigation in Umgebungen ohne GPS-Empfang eingesetzt werden kann«. Zur Stärkung der »Widerstandsfähigkeit der Verteidigungskommunikation« via Satellit gehen an OQ Technology Sàrl und das SnT 2,28 Millionen Euro und 1,56 Millionen Euro gehen an Uplift360 Europe Sàrl und das LIST, um »Kohlefaserabfälle aus der Verteidigungsindustrie« künftig zu »leichten und zugleich widerstandsfähigen Materialien« zu recyceln, die als Hitzeschild für Militärfahrzeuge und als Propeller für Drohnen verwendet werden sollen.
