Auslands-Nachrichten
Wasser als Waffe im Gazastreifen
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wirft Israel vor, Wasser im Gazastreifen als Waffe genutzt zu haben. Der Zugang zu Wasser sei den Menschen »als Kollektivbestrafung« systematisch vorenthalten worden, heißt es in einem Bericht der Organisation. Die israelischen Behörden hätten fast 90 Prozent der Wasser- und Abwasserinfrastruktur systematisch zerstört oder beschädigt, darunter Entsalzungsanlagen, Bohrlöcher, Pipelines und Kanalisation. Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum seit Beginn des israelischen Krieges im Oktober 2023 bis Ende 2025.
»Die israelischen Behörden begehen einen Völkermord, der durch die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft ermöglicht wird«, heißt es in dem Bericht »Wasser als Waffe«. Das Militär habe die Einfuhr von Material zur Wasserversorgung konsequent blockiert, jeder dritte MSF-Antrag, Reparaturmaterial, Generatoren oder Motoröl einzuführen, sei abgelehnt oder ignoriert worden.
MSF habe dokumentiert, wie das israelische Militär auf deutlich markierte Wassertransporter geschossen und Bohrlöcher für Grundwasser zerstört habe. Menschen seien an Wasserausgabestellen getötet und verletzt worden.
Unser Foto zeigt vertriebene palästinensische Kinder in Chan Junis, die Wasser von einer Verteilungsstelle geholt haben.
BP verdoppelt Gewinn
Dank hoher Ölpreise hat der britische Ölkonzern BP zu Jahresbeginn seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Im ersten Quartal betrug der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn rund 3,2 Milliarden US-Dollar (2,7 Mrd. Euro), berichtet das Unternehmen in London. Ein Jahr zuvor waren es knapp 1,4 Milliarden Dollar gewesen. BP hatte zuletzt bereits von einem »außergewöhnlichen« Ölhandel gesprochen.
Viele Arbeitsunfälle
An jedem vierten Werktag ein Toter auf deutschen Baustellen. 730.000 Arbeitsunfälle in der Türkei
Berlin/Ankara – In Deutschland stirbt im Schnitt an jedem vierten Werktag ein Mensch auf einer Baustelle oder in der Reinigung. Wie die Berufsgenossenschaft Bau und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitteilten, kamen im vergangenen Jahr 74 Menschen durch einen Arbeitsunfall in der Bauwirtschaft und den sogenannten baunahen Dienstleistungen ums Leben.
2025 starben zudem 400 Menschen infolge von Berufskrankheiten, »etwa weil Beschäftigte in der Vergangenheit mit Staub oder Asbest gearbeitet haben«.
Die BG BAU und die IG BAU rufen die Beschäftigten angesichts der Zahlen auf, gefährliche Arbeitssituation nicht einfach hinzunehmen. Arbeitsschutz auf der Baustelle müsse »von allen gelebt« werden.
In der Türkei fordern Berufsverbände zum »Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz« der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) besseren Arbeitsschutz und verstärkte Kontrollen. Die Türkei registrierte über 730.000 Arbeitsunfälle im Jahr 2024, wie offizielle Zahlen der türkischen Sozialversicherungsanstalt (SGK) belegen. Knapp 2.000 davon endeten tödlich.
Insgesamt handelt es sich bei den Unfällen um eine Verdreifachung innerhalb von zehn Jahren. Die meisten davon ereigneten sich im Bausektor, in der Metallindustrie und in der Textilbranche. Dahinter könnte sich eine höhere Dunkelziffer verbergen, denn erfaßt wurden nur sozialversicherte Arbeitnehmer.
Die ILO hat 2003 den 28. April zum »Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz« erklärt, um das Bewußtsein für die Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten weltweit zu stärken.
»Waffenruhe« à la Israel
Tel Aviv/Beirut – Die Angriffe Israels im Libanon dauern trotz einer offiziellen Waffenruhe an. Bei israelischen Angriffen seien im Laufe des Tages im Südlibanon vier Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Unter anderem habe eine israelische Drohne einen Motorradfahrer getroffen. Bei einem israelischen Drohnenangriff nahe der Küstenstadt Tyrus seien zwei Menschen verletzt worden. In dem Gebiet wurden Kampfflugzeuge und Drohnen gesichtet. Israelische Kampfflugzeuge hätten auch einen Ort in Nähe des Litani-Flusses angegriffen. In Bint Dschubail würden Bodentruppen mit Maschinengewehren angreifen.
Die israelische Armee erklärte, in mehreren Fällen seien Abwehrraketen auf ein »verdächtiges Flugobjekt« abgefeuert worden, das jeweils in der Nähe israelischer Truppen im Südlibanon identifiziert worden sei. Mit Sprengstoff beladene Drohnen detonierten angeblich in der Nähe israelischer Soldaten im Südlibanon. Verletzte habe es nicht gegeben. Mit diesen Angriffen habe die Hisbollah gegen die Waffenruhe verstoßen.
Im Südlibanon habe die Armee mehr als 1.000 »Terror-Infrastrukturstätten« zerstört, die von der Hisbollah für Angriffe genutzt worden seien. Angeblich seien dort auch »Hunderte Waffen« gefunden worden, darunter Maschinengewehre, Handgranaten, Minen, Panzerabwehrraketen sowie Mörsergranaten.
Bei israelischen Angriffen im Libanon wurden allein am Sonntag 14 Menschen getötet, darunter zwei Kinder, und 37 weitere verletzt.
Höhere Düngerpreise verschärfen Hungersnöte
Washington – Steigende Düngermittelpreise bedrohen nach Angaben der Weltbank die sichere Lebensmittelversorgung von Millionen von Menschen. Die Preise dürften gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent steigen, heißt es in einem Rohstoffbericht des Instituts. Bauern stünden vor der Herausforderung, für Dünger so viel zu bezahlen wie seit 2022 nicht mehr.
Höhere Kosten dürften den Gewinn von Bauern schmälern und Ernteerträge gefährden, warnt die Weltbank. Dies könnte fatale Folgen für die Lebensmittelversorgung und Bezahlbarkeit von Essen haben: Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnten bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich hungern, sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verlängern.
Insgesamt geht die Weltbank davon aus, daß der Iran-Krieg zum stärksten Anstieg der Energiepreise seit vier Jahren führen wird. 2026 dürften diese um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen, heißt es weiter in dem Bericht. Bei Rohstoffen insgesamt dürfte der Preisanstieg bei 16 Prozent liegen. Neben der Energiekrise und der verschärften Situation bei Dünger würden auch bestimmte Metalle dazu beitragen.
Der Krieg treffe die Weltwirtschaft in mehreren Wellen, sagte Weltbank-Chefökonom Indermit Gill. »Zunächst durch höhere Energiepreise, dann durch höhere Lebensmittelpreise und schließlich durch eine höhere Inflation, die die Zinsen in die Höhe treiben und die Verschuldung noch teurer machen wird.« Die ärmsten Menschen auf der Welt würden am stärksten getroffen. Auch die Bevölkerung in Entwicklungsländern habe unter eine ohnehin hohen Schuldenlast zu leiden. »All dies erinnert an eine bittere Wahrheit: Krieg ist Entwicklung in umgekehrter Richtung.«
Prowestliche Regierung in Rumänien vor dem Aus
Bukarest – In Rumänien droht der Sturz der prowestlichen Regierung unter dem bürgerlichen Ministerpräsident Ilie Bolojan. Die oppositionelle rechtsextreme Fraktion AUR hat zusammen mit den bis vor kurzem mitregierenden Sozialdemokraten (PSD) im Parlament einen Mißtrauensantrag eingebracht. Sie protestieren damit gegen Bolojans Sparpolitik sowie gegen einen geplanten Verkauf von Anteilen großer Staatsbetriebe.
Bei der für nächste Woche geplanten Abstimmung sind für einen Sturz der Regierung mindestens 232 Stimmen der insgesamt 463 Abgeordneten und Senatoren notwendig. Es wird davon ausgegangen, daß der Mißtrauensantrag angenommen wird. Zwar haben PSD und AUR zusammen nur 219 Mandate. Die restlichen Stimmen dürften jedoch aus Splitterfraktionen oder von Parteilosen kommen, hieß es von Experten. Drei kleine rechte Oppositionsparteien haben zusammen 41 Mandate.
Erst vor wenigen Tagen hatte PSD die Regierungskoalition verlassen, zu der neben Bolojans bürgerlicher Partei PNL auch die liberalkonservative Partei USR sowie die Ungarn-Partei UDMR gehören. PSD hatte ursprünglich Bolojans Sparmaßnahmen mitgetragen, danach aber den Verbleib in der Koalition vom Rücktritt des Premiers abhängig gemacht. Bolojan lehnte einen Rücktritt ab.
Anlauf zu Regierungsbildung im Irak
Bagdad – Ein politisch weitgehend unbekannter Geschäftsmann ist im Irak zum designierten Ministerpräsidenten ernannt worden und soll nun eine neue Regierung bilden. Präsident Nisar Amedi beauftragte Ali al-Saidi mit der Aufgabe, für die der studierte Jurist und Banker jetzt 30 Tage Zeit hat.
Nach der Zeremonie am Montag in Bagdad rief Amedi die politischen Blöcke in einer Mitteilung dazu auf, al-Saidi zu unterstützen. Ziel sei eine Regierung, die alle Iraker vertritt, die öffentliche Dienste verbessert und die Wirtschaft stärkt.
Die Parlamentswahl im Irak liegt fast ein halbes Jahr zurück. Seitdem kommt es zu monatelangem politischem Stillstand, weil die größten Blöcke sich nicht auf geeignete Kandidaten für die wichtigsten Ämter einigen können. Vor allem schiitische, sunnitische und kurdische Parteien verhandeln bei dem Prozeß oft monatelang über wichtige Ämter oder Zugeständnisse zu einzelnen Themen. Der Prozeß im Rahmen der Verfassung »läßt keine weitere Verzögerung zu«, sagte Präsident Amedi.
Der amtierende Ministerpräsident Mohammed al-Sudani und der frühere Regierungschef Nuri al-Maliki, der den Posten von 2006 bis 2014 innehatte, zogen ihre Kandidatur nach Konflikten über die Besetzung zurück.
USA-Präsident Donald Trump hatte zuvor gewarnt, daß Washington dem Irak die Unterstützung entziehen würden, sollte al-Maliki erneut zum Regierungschef gewählt werden. Dieser kritisierte Trumps Äußerungen scharf und sprach von »Einmischung in interne Angelegenheiten«.
Kein Frieden für Iran
Washington/Teheran – USA-Präsident Donald Trump sieht einen jüngsten Vorschlag des Iran für ein Ende des Krieges »skeptisch«. Er habe den Vorschlag zwar nicht direkt abgelehnt, aber er hege »Zweifel an der Aufrichtigkeit der iranischen Führung«, berichtete das »Wall Street Journal«. Trump sei mit dem Vorschlag nicht zufrieden, berichtete die »New York Times«. Der Entwurf sehe eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende des Krieges vor – über das iranische Nuklearprogramm soll dann im Anschluß verhandelt werden.
Der Iran blockiert weiterhin den internationalen Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um den Iran von den Einnahmen aus dem Ölexport abzuschneiden.
Aktuell gilt im Iran-Krieg eine Waffenruhe. Aber die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beilegung des Konflikts sind ins Stocken geraten. Am Wochenende sagte Trump eine angekündigte Reise seiner Unterhändler nach Pakistan kurzfristig ab.
Angesichts der Seeblockade der USA spricht die Regierung in Teheran von Piraterie. »Dies ist die unverhohlene Legalisierung von Piraterie und bewaffnetem Raub auf hoher See«, schrieb der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, auf der Plattform X. Das USA-Militär hatte erneut iranische Öltanker auf hoher See abgefangen. Es handle sich um eine »Rückkehr der Piraten – nur daß sie heute mit staatlich ausgestellten Vollmachten operieren«, schrieb Baghai.
Trumps Außenminister Marco Rubio verschärfte derweil den Ton und behauptete, der Iran setzte die Passage gezielt als Waffe mit größtmöglicher Wirkung ein. »Die Straße von Hormus ist im Grunde eine wirtschaftliche Atomwaffe, die sie versuchen, gegen die Welt einzusetzen – und sie geben damit an«, sagte Rubio in einem Interview des TV-Senders Fox News.
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