ABRISUD: Das Pflaster auf dem Holzbein
Das 2004 nahe dem Schlassgaart zu Esch/Alzette eingerichtete Nachtasyl »Abrisud«, eigentlich eine provisorische Noteinrichtung, wird in diesem Winter sein 20. Jubiläum feiern. Diese Notunterkunft für Obdachlose wurde seinerzeit geschaffen, weil man es in der Hauptstadt leid war, die einzige Anlaufstelle für Menschen in Not zu sein.
In erster Linie sollte diese Einrichtung komplementär zur hauptstädtischen Winteraktion 2004/05 sein, in zweiter Linie ging es darum, die an ihren Kapazitätsgrenzen arbeitenden Strukturen der Stadt Luxemburg zu entlasten. Die Escher Gemeindeverantwortlichen hatten die Argumente aus der Hauptstadt verstanden und sich nach einem geeigneten Standort umgesehen. In den alten Büroräumen der Polizei (Kanalstraße) wurde diese Aufnahmestruktur untergebracht und konnte bereits am 3. Januar 2005 in Betrieb genommen werden. Die 15 Betten waren schnell belegt und es war bereits Ende Januar allen Beteiligten klar, dass es einer permanenten Einrichtung bedarf.
Unter der Berücksichtigung von An- und Herausforderungen einer solchen Einrichtung entschied der Schöffenrat, dass Abrisud das ganze Jahr über Obdachlosen Nachtasyl gewähren sollte. In den oben genannten Räumlichkeiten war es »kompliziert«, eine durchgehende Dienstleistung anzubieten. Es wurde nach Ersatz gesucht und so kam es dazu, dass Container nahe dem Parking »Burgoard« aufgestellt wurden. Das selbstverständlich auch unter dem Vermerk »Notlösung«. Eine Notlösung, die immer wieder überraschende Marketingsprüche liefert, für diejenigen, die sich für den Tätigkeitsbericht von Abrisud interessieren.
Man woll(t)e neue
Perspektiven bieten
Glaubt man den Aussagen der Abrisud-Beschäftigten, so wird hier dem Bedürftigen eine »warme und sichere Umgebung« sowie eine soziale Begleitmaßnahme zuteil. Natürlich müssen die Menschen das Angebot auch annehmen, und dies ist dies ist das Schwache Glied in der Kette. Das wiederum ist der Vielschichtigkeit der Einzelfälle geschuldet.
Sehr positiv daher die Entscheidung in der »Maison Michels«, einige Studios einzurichten. Dieses Haus öffnete am 1. März 2013 seine Türen und wurde erstmals nicht als Notlösung verklärt. Sozialarbeiter sollten sich der psycho-sozial-erzieherischen Betreuung annehmen. Weil das alles erstklassig funktionierte, wurde 2019 der Sozialdienst »Streetwork« eingeführt.
Sie werden immer mehr
Leider wird hierbei immer wieder vergessen, dass unsere kapitalistisch orientierte Ellenbogengesellschaft keine Rücksicht auf »Verlierer« nimmt und es folgerichtig auch immer mehr Obdachlose gibt. Dies wiederum drückt auf die Kapazitätsgrenzen dieser ewig währenden »Notlösung«.
Gute Aussichten werden mit dem Bau einer festen Einrichtung versprochen. In der Brunnenstraße wurde ein Haus gekauft und dieses wird möglicherweise nächstes Jahr seine Türen öffnen. Damit steigt die Aufnahmekapazität von derzeit 18 (22 im Winter) auf 31 Betten. Dies ist gemessen am realen Bedarf zu wenig und letztendlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Man mag Verständnis haben dafür, dass es kein Leichtes ist, Außenseiter, Drogenabhängige, Menschen mit Psychosen aufzufangen und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Es ist wie so oft eine Frage der Mittel, aber auch der reellen Hilfsbereitschaft. Der Weg zurück in die »Gesellschaft« ist beschwerlich und lang, wer dann regelmäßig aussortiert wird, hat keine Lust mehr und wird zum dauerhaften Problem. Die Escher wären zudem gut beraten, enger mit den Südgemeinden zusammenzuarbeiten, um eine ehrliche Lösung, zumindest auf Kantonebene herbeizuführen.

