83. Filmfestspiele Venedig eröfnet
George Clooney bekommt Preis für Lebenswerk
Venedig – Er wird in Venedig zur Legende erklärt, mit altem Gouda verglichen und von Fans umjubelt: Mit der Ehrung von Hollywood-Star George Clooney sind die 83. Filmfestspiele Venedig eröffnet worden. Der 65-Jährige erhielt bei der Eröffnungsgala den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Seine Schauspiel-Kollegin und Freundin Laura Dern würdigte ihn in ihrer Laudatio als herausragenden Filmemacher und Aktivist, dessen Einsatz für andere sein gesamtes Werk prägten. »Uns wurde eine Legende geschenkt«, sagte sie.
Sie erzählte auch, was Freunde Clooneys ihr für die Rede mitgegeben hätten. So zum Beispiel Brad Pitt, der ihr gesagt habe: »Georges Geschichten werden mit jedem Mal besser. Er altert so würdevoll wie ein alter Gouda. Er kann fast alles (...) und macht es besser als jeder von uns. Aber bitte, bitte haltet ihn von der Tanzfläche fern.« »Er ist ein Rebell, ein Schelm, ein Altruist, ein Schauspieler, ein Sportler – der einzige, den man in einer Krise an seiner Seite haben möchte. Ein Vater, ein Ehemann, ein Weltbürger, ein Verfechter der Gerechtigkeit und ein wirklich schlechter Tänzer« lobte Laura Dern.
Anschließend kam Clooney auf die Bühne und erklärte: »Wenn man dir sagt, daß du einen Preis für dein Lebenswerk bekommst, fallen einem eigentlich nur zwei Dinge ein. Das erste ist: Was für eine unglaubliche Ehre das ist. Und das zweite: Wissen die etwa etwas, was ich nicht weiß? Ihr habt mit meinen Ärzten gesprochen, oder?«
Er betonte in seiner Dankesrede die verbindende Kraft von Filmen, die Empathie förderten sowie Ängste und autoritäres Denken infrage stellten. »Geschichten sind immer gefährlich für Menschen, die mit Angst handeln«, sagte er. »Diejenigen, die Angst vor Büchern, Musik und Geschichten haben, sind niemals die Helden der Geschichte. Ja, Filme beenden keine Kriege. Sie senken nicht die Inflation. Sie beeinflussen keine Wahlen. Aber sie bewirken etwas Bemerkenswertes: Sie erinnern uns daran, daß wir nicht allein sind.«
Auf dem Teppich hatte Clooney zuvor lange mit seiner Frau Amal für die Fotografen posiert. Dann wechselte er plötzlich die Seiten und setzte sich grinsend zu den Fotografen an den Rand, schnappte sich eine Kamera – und schoß selbst ein paar Bilder. Anschließend gab er einer langen Reihe kreischender Fans am roten Teppich Autogramme.
Eröffnet wurde das Festival mit dem neuen Film des britischen Regisseurs Danny Boyle (»Trainspotting«, »Slumdog Millionär«). In »Ink« erzählt er davon, wie Rupert Murdoch und Larry Lamb Ende der 1960er Jahre das britische Boulevardblatt »The Sun« neu erfanden und damit eine neue Ära des britischen Journalismus einläuteten.Kriminalität, Sex und andere Themen, die sie als »lesernah« definierten, bekamen einen großen Stellenwert. Fundierte politische Beiträge wurden deutlich seltener. An ihre Stelle traten vor allem kurze und leicht verständliche Texte, spektakuläre Enthüllungen und Geschichten über Skandale. Die Hauptrollen spielen Jack O'Connell, Claire Foy und Guy Pearce.
»Ink« konkurriert mit 20 anderen Filmen um den Hauptpreis des Festivals, den Goldenen Löwen. Die Preisverleihung findet am 12. September statt. Jury-Präsidentin ist die US-amerikanische Regisseurin und Schauspielerin Maggie Gyllenhaal.
In einer Nebenreihe feierte am Mittwoch der Film »Das Mädchen mit der Leica« (Originaltitel: »La ragazza con la Leica«) in Venedig Premiere. Der Film der italienischen Regisseurin Alina Marazzi ist mit einer Reihe Stars besetzt. In der Hauptrolle ist Emilia Schüle zu sehen. Sie spielt die Fotografin Gerda Taro (1910-1937) – die erste Frau, die als professionelle Fotoreporterin direkt an einer Kriegsfront fotografierte. Gemeinsam mit ihren Partner, dem berühmten Fotografen Robert Capa, arbeitete sie als Berichterstatterin auf der Seite der Spanischen Republik im Krieg gegen die faschistischen Putschisten.

