Im Geist des »9. Oktober«
Einen Tag nach den Chamberwahlen jährt sich zum 50. Mal der »9. Oktober«, an welchem drei Viertel der Lohnabhängigen aus der Privatwirtschaft die Arbeit niederlegten und mehr als 30.000 Menschen auf dem hauptstädtischen »Knuedler« zusammenkamen, um dem Patronat und der Regierung vorzudemonstrieren, dass die Schaffenden bereit sind, für ihre berechtigten Forderungen zu kämpfen.
Zum 9. Oktober aufgerufen hatte der LAV, Vorgängerorganisation des OGBL, während die Führung des LCGB gegen den Aktionstag hetzte, was nicht verhinderte, dass Tausende bei den Christlichen organisierte Arbeiter sich dem Streik und der Demonstration anschlossen und zu deren Erfolg beitrugen. Auch die von Pierre Werner (CSV) geführte Regierung, die den 24-stündigen Streik im Vorfeld für illegal erklärt hatte, scheiterte in ihrem Bestreben, den Arbeitern Angst zu machen.
Unter dem Motto »Heute für morgen kämpfen« ging es generell um bessere Arbeits- und Lohnbedingungen, Steuergerechtigkeit, mehr Mitbestimmung und demokratische Reformen, aber für zehntausende Demonstranten, die in der Hauptstadt aufmarschierten – unter ihnen auch viele Rentner –, war die direkte Verteidigung ihres Lebensniveaus gegen Inflation, Geldentwertung und Teuerung das Hauptmotiv für ihre Aktionsbereitschaft.
50 Jahre später hat diese Erkenntnis nichts an Aktualität verloren. Der Kampf um Reformen, der über längere Zeitabschnitte geführt wird, darf gerade in Krisenzeiten, wenn zunehmend Menschen in die Armut abrutschen und selbst Lohnabhängige, die einer geregelten ganztägigen Arbeit nachgehen, finanziell unter die Räder kommen, nicht dem Tageskampf für höhere Löhne und bessere Einkommen vorangestellt werden.
Denn erst wenn die gewaltige Kraft der Schaffenden für die Verteidigung ihrer Einkommen und die Verwirklichung ihrer konkreten Lohnforderungen nutzbar gemacht werden kann, wird sich auch das notwendige Bewusstsein für fortschrittliche gesellschaftliche Reformen entwickeln.
Das gilt sowohl auf gewerkschaftlicher als auch auf politischer Ebene und zeigt, dass der »9. Oktober« nichts an Aktualität verloren hat. Das ist der Grund, weshalb die KPL als konsequenteste politische Interessenvertreterin der Lohnabhängigen dem, was in manchen Kreisen verächtlich »primäre Brotpolitik« genannt wird, so große Bedeutung beimisst, in ihren bisherigen Aktivitäten und in ihrem Programm zu den Chamberwahlen 2023.
Dazu zählt die Erhöhung des Mindestlohnes und der Mindestrente um 20 Prozent, die uneingeschränkte Beibehaltung des Index und die Wiedereinführung einer Vorschussindextranche von 1,5 Prozent, die Anpassung der Löhne und Renten um 5,5 Indexstufen, um die durch die Nichtanpassung der Steuertabelle an die Inflation entstandenen Verluste zu kompensieren, die Deckelung der Lebensmittelpreise, die Senkung der Steuerlast für die Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen, die Senkung der Mieten.
Dazu zählt auch – und dazu bedarf es dann bereits eines längerfristigen Engagements der Lohnabhängigen – die Durchsetzung von Kollektivverträgen in möglichst vielen Betrieben, denn das hat in der Regel auch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zur Folge, und die Beseitigung aller Einschränkungen des Streikrechts, die im Zusammenspiel zwischen Patronat und Regierung eingeführt wurden, um die Schaffenden daran zu hindern, ihre Interessen durchzusetzen.
Mit diesen Forderungen gehört die KPL zu den politischen Erben des »9. Oktober«. Was die Schaffenden morgen haben werden, wird heute entschieden. Auch bei den Chamberwahlen am kommenden Sonntag. Wer den Kreis über Liste 11 – KPL schwärzt, handelt im Geist des »9. Oktober«!

