Kaleidoskop11. September 2025

GERD am Nil in Betrieb genommen

von dpa/ZLV

Addis Abeba – Am Blauen Nil ist am Dienstagabend GERD, der »Grand Ethiopian Renaissance Dam«, feierlich in Betrieb genommen worden. Beim offiziellen Start des ehrgeizigen Infrastrukturprojekts sprach der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed von einer »großen Errungenschaft, die der Welt zeigt, wozu wir in der Lage sind«.

Der mit einer Länge von 1.800 Metern und einer Höhe von 170 Metern größte Staudamm Afrikas gilt als Prestigeprojekt des Landes am Horn von Afrika und soll mit dem angeschlossenen Wasserkraftwerk Millionen Äthiopier mit Strom versorgen. Zudem will das Land Netto-Energieexporteur werden.

Angesichts der Kritik der anderen Nilanrainerstaaten Ägypten und Sudan an dem Staudammbau betonte Premier Abiy, sein Land habe nicht vor, den Nachbarn zu schaden, sondern »gemeinsam Wohlstand zu finden«. Das umgerechnet 4,3 Milliarden Euro teure Bauprojekt war 2011 begonnen worden.

Erste Kooperationsprojekte wurden schon am Tag der Eröffnung bekannt. So kündigte der südsudanesische Staatspräsident Salva Kiir Mayardit an, sein Land werde von Äthiopien Strom beziehen, der am GERD produziert werde. Der kenianische Präsident William Ruto sprach auf X von einem großen Versprechen, auch für Kenia. »Wir sind bereit, einen Vertrag über die Abnahme von Strom zu unterzeichnen«, betonte Ruto.

GERD ist auf eine Kapazität von 5.000 Megawatt (MW) angelegt, das entspricht ungefähr der Leistung von vier modernen Atomkraftwerken. Sein Reservoir erstreckt sich über 172 Kilometer und kann bis zu 74 Milliarden Kubikmeter (oder 74 Billionen Liter) Wasser fassen.

Seit Februar 2022 wurde bereits mit zwei 375-MW-Turbinen im Teilbetrieb Strom produziert. Im Vollbetrieb sind 13 Turbinen im Einsatz. Mehr als 25.000 Menschen haben nach Angaben des italienischen Baukonzerns Webuild, der das Großprojekt entworfen hat, am Bau von Staudamm und Kraftwerk mitgearbeitet.

Für das weiter nördlich gelegene Ägypten bedeutet die Einweihung des Staudamms den nächsten großen Rückschlag in einem jahrelangen Konflikt. Das Wasser in Ägypten mit seinen 108 Millionen Einwohnern ist extrem knapp. Das Land kämpft um seinen überlebenswichtigen Anteil am Nilwasser und damit auch um den Erhalt der eigenen Landwirtschaft.