Kaleidoskop31. Januar 2026

Stadt Niscemi auf Sizilien rutscht immer weiter ab

von dpa/ZLV

Niscemi – In der von einem massiven Erdrutsch bedrohten Stadt Niscemi im Süden der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien spitzt sich die Lage weiter zu. Die ausgewiesene Sicherheitszone, die von niemandem betreten werden darf, sei ins Zentrum der Kleinstadt ausgeweitet worden, sagte der Leiter des Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, im italienischen Fernsehen. Die Lage vor Ort sei kritisch, es drohten weitere Abbrüche.

Alle Häuser in einem Abstand von 150 Metern zur Abbruchkante wurden evakuiert. Das Gebiet wurde zur Roten Zone erklärt. Auf Bildern ist zu sehen, wie Wohnhäuser regelrecht am Abgrund stehen. Bei einigen dürfte es nicht lange dauern, bis sie in den Abhang herunterstürzen. Eine insgesamt vier Kilometer lange Front droht abzusinken. Mehr als 1.500 Menschen der 25.000-Einwohner-Stadt mußten ihre Häuser bereits verlassen. Viele von ihnen werden wohl nicht mehr zurückkehren können. Die Behörden stufen die Situation als kritisch ein.

»Ich gebe nur eine Zahl, die das Ausmaß veranschaulichen kann. Im Moment sprechen wir von einer Erdrutschmasse von ungefähr 350 Millionen Kubikmetern«, sagte Zivilschutzleiter Ciciliano. Experten zufolge hatte sich die Erde in Niscemi infolge heftiger Regenfälle wie ein Schwamm vollgesogen. Am vergangenen Wochenende gab der Boden am Rand der Stadt dann nach und sackte ab. Wegen der erwarteten weiteren Regenfälle ist die Gefahr von erneuten Abbrüchen nicht gebannt und die Sorge vor Ort groß.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte die Stadt am Mittwoch besucht. Sie war zunächst mit dem Helikopter über das Katastrophengebiet geflogen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Anschließend traf sie den sizilianischen Regionalpräsidenten Renato Schifani sowie Mitarbeiter der Feuerwehr, des Zivilschutzes und weiterer Gemeindebehörden.

Sizilien war in den vergangenen Tagen von Unwettern mit starken Regenfällen heimgesucht worden. Auch Sardinien und der Süden des italienischen Festlandes waren betroffen. Die Behörden beziffern den Schaden allein für Sizilien auf 1,5 Milliarden Euro. Am Montag rief die Regierung in Rom für die betroffenen Regionen den Unwetternotstand aus.

Es ist nicht das erste Naturereignis dieser Art in der Gegend. 1997 waren bei einem Erdrutsch schon einmal Teile der Stadt Niscemi verschwunden.