SNE/CGFP zum Schuljahr 2025/26:
Zu viele Probleme, zu wenig Mittel
Einmal abgesehen von der Feststellung, das Verbot von Smartphones in der Grundschule habe sich positiv ausgewirkt und es sehe danach aus als ob der neue Studienplan tatsächlich entschlackt und zu einem praktischen Instrument für die alltägliche Unterrichtspraxis wird, hat der SNE (»Syndicat National des Enseignants« in der Staatsbeamtengewerkschaft CGFP) wenig Positives zu berichten.
Wohl verspricht das Koalitionsabkommen die ständige zweite Kraft im ganzen Zyklus 1 wie es schon länger Praxis im Précoce ist, doch ist das nicht in Sicht, obwohl es gebraucht wird. In seiner Pressekonferenz zum neuen Schuljahr hat Minister Meisch dazu kein Wort verloren, was nicht optimistisch stimmt.
Alpha-Generalisierung
Schon nachdem das Pilotprojekt der Alphabetisierung auf Französisch im 2. Zyklus war, fiel im Ministerium der Beschluß zur Generalisierung im Schuljahr 2026/27, obwohl noch nicht klar sein kann, ob das Projekt nach dem Zyklus 4 tatsächlich zur Verbesserung der Chancen führt, dem offiziell ausgerufenen Ziel. Das läßt sich jedenfalls erst feststellen, wenn die Pilotprojektler am Ende des Zyklus 4 in die Sekundarschule wechseln.
Die Generalisierung mit gemischten Klassen, die zeitweise zusammen und zeitweise in zwei Gruppen unterrichtet werden, geschieht ohne Rücksicht auf die Raumverhältnisse, die dafür in etlichen Gemeinden nicht vorhanden sind.
Für diese müßte zumindest erlaubt werden, mit nicht gemischten Klassen zu operieren. Am besten wäre es, den Gemeinden mit Raumproblemen eine Frist zu geben bis zur Einführung, wie das seinerzeit auch mit dem Précoce gemacht wurde.
Zudem müßte Französisch als Fremdsprache unterrichtet werden, weil schließlich die wenigsten in diesem Zweig Frankophone sein werden, die meisten bestenfalls Romanophone, wenn überhaupt. Aber auch Deutsch müßte als Fremdsprache unterrichtet werden, denn Deutsch als Muttersprache ist genauso nicht angepaßt an die sprachliche Realität heute.
Mit der Zweiteilung der Alphabetisierung ist längst nicht allen Kindern geholfen, und es gibt nach wie vor keine Antwort darauf, warum niemand im Ministerium der Idee einer Alphabetisierung auf Luxemburgisch nahetreten will, obwohl doch offiziell so viel Gewicht auf Luxemburgisch gelegt wird und sich bemüht wird, das allen im 1. Zyklus beizubringen.
Kritisch sieht man im SNE die Alleinentscheidung der Eltern bei der Einschreibung in die Alphabetisierung auf Deutsch oder Französisch, weil da ganz andere Überlegungen entscheidend werden können als die Frage, ob die Muttersprache näher beim einen oder beim anderen liegt. Das umso mehr, weil absolut nicht geklärt ist, was geschieht, wenn Eltern nach einem Trimester begreifen, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, weil das Ministerium total darauf vergessen hat, Übergänge vom einen ins andere vorzusehen.
Inklusion braucht Mittel
Die Zahl der Kinder mit spezifischen Bedürfnissen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Hinzu kommen immer mehr Verhaltensauffällige, wobei diese Auffälligkeit immer schlimmer wird und es manchmal schon praktisch unmöglich wird bei nur einem solchen in der Klasse noch normalen Unterricht zu halten.
Es bräuchte eindeutig mehr Mittel und Spezialkräfte, und zwar solche, die ohne großen administrativen Aufwand in der Klasse bei den Kindern sind, und nicht solche, die mit Verwaltungsaufwand vor der Zuteilung, wenn sie denn erfolgt, beschäftigt sind oder die sich damit betätigen, Lehrkräfte zu coachen und zu beratschlagen. Doch die konkrete Hilfe in der Klasse nimmt nicht zu während der Verwaltungsaufwand ständig wächst.
Für den SNE ist jedenfalls klar, daß alle Schulen und nicht nur 10 wie von Meisch angekündigt zwei I-EBS (»instituteurs spécialisés dans la prise en charge des élèves à besoins spécifiques«) und einen A-EBS (»assistants pour élèves à besoins éducatifs spécifiques«) brauchen. Auch wenn das mangels entsprechender Fachkräfte nicht sofort möglich ist, so muß das doch ein klar formuliertes Ziel werden.
Untröstlich ist der SNE übers Nichterwähnen der ESEB (»équipes de soutien ...«), die nicht nur massiv aufgestockt werden müssen, sondern auch näher an die Schulen heranmüssen, wobei deren Personal bei Krankheit auch ersetzt werden muß.
Schön ist, wenn sowohl das Kompetenzzentrum für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen wie das Zentrum für die sozio-emotionelle Entwicklung regionale Kohabitationsklassen ankündigen und zwei weitere regionale Antennen des letzteren Zentrums entstehen sollen, aber das alles reicht immer noch nicht.
Denn es muß endlich auch sichergestellt werden, daß Kinder, die Hilfe aus den Kompetenzzentren brauchen, sie auch rasch ohne Zeit zu verlieren und ohne viel administrativen Aufwand bekommen. Es muß auch das Ping-Pong-Spiel zwischen den Kompetenzzentren aufhören, die sich nicht einig werden untereinander, wer für die Problematik des Kindes zuständig ist. Fürs eine ist es zu schwach, fürs andere zu stark, und so bleibt es ohne Hilfe in der normalen Klasse, worunter dann alle leiden.
Letzten Endes hängt sowohl der Schulerfolg aller wie das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit der Lehrkräfte eng mit der Problematik der nötigen Zusatzbetreuung Verhaltensauffälliger oder Schüler mit spezifischen Bedürfnissen in der Klasse zusammen. Was aber, wenn, wie das der Fall ist, das Problem Jahr um Jahr weiter besteht!

