Kaleidoskop17. März 2026

Streit um Russen auf Venedig-Biennale

von dpa/ZLV

Venedig – In Italien ist der Streit über die geplante Zulassung russischer Künstlerinnen und Künstler auf der diesjährigen Biennale von Venedig in die nächste Runde gegangen. Italiens Kulturminister Alessandro Giuli forderte die Biennale-Stiftung auf, jegliche Korrespondenz zwischen ihr und den russischen Behörden zur Teilnahme an der Kunstausstellung vorzulegen.

Giuli betonte zwar in einer Mitteilung, die Stiftung treffe ihre Entscheidungen »völlig unabhängig« von der Regierung in Rom. Es werde jedoch derzeit »sorgfältig geprüft, ob die angekündigte russische Teilnahme mit den Verpflichtungen aus dem geltenden Sanktionsregime vereinbar« sei. Der Ressortchef forderte die Vertreterin seines Hauses in dem Verwaltungsrat der Biennale, Tamara Gregoretti, jedoch auf, ihr Mandat »wegen mangelnden Vertrauens« niederzulegen. Sie habe Giuli nicht rechtzeitig über die Zulassung Rußlands informiert. Gregoretti hatte aber schon erklärt, nicht zurücktreten zu wollen.

Erstmals seit vier Jahren soll Rußland dieses Jahr wieder seinen Pavillon in Venedig bespielen. Der 2023 von der extrem rechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ins Amt berufene Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco hatte zuvor erklärt: »Keine Boykotte, keine Vetos, keine Säuberungen: Die Biennale geht einen anderen Weg als die Politik.« Rußland werde genauso wenig ausgeschlossen wie alle anderen Länder, die sich im Krieg befinden. Dies gelte ebenfalls für Israel, den Iran und die Ukraine.

Der russische Pavillon auf der Biennale – ein Gebäude von 1914, gebaut noch während der Zarenherrschaft – gehört dem russischen Staat, steht aber auf italienischem Boden. Bei den beiden vorigen Biennalen wurde er von Rußland nicht genutzt: 2022 zogen sich die vorgesehenen Künstler aus Protest gegen den Angriff auf das Nachbarland kurzfristig zurück. 2024 überließ Moskau das Gebäude Bolivien.