Kamen die Siebenbürger Sachsen ursprünglich aus Luxemburg?
Der Philologe Wolfgang Dahmen liefert einige ernüchternde Antworten
Die Nationalbibliothek hatte am 30. Mai zu einem aufschlussreichen Vortrag eingeladen mit einem Thema, das hierzulande periodisch auflodert und öfter auch übersteigerte Erwartungen nährt. Als Beweis führte der Sprachwissenschaftler Wolfgang Dahmen (Universität Jena) unter anderem die Tatsache an, dass so viele Neugierige dieser Einladung gefolgt waren. Es sei vorausgeschickt, dass der Professor für rumänische Philologie sich in dieser Angelegenheit ausschließlich und sehr taktvoll auf dem Parkett dessen bewegte, was aus heutiger Sicht mit den Methoden der Geschichtsforschung belegt werden kann. Was darüber hinausgeht, darf durchaus konzipiert werden, im Rahmen des Spekulativen allerdings.
Mutmaßungen und Wunschträume werden auch deswegen befeuert, da es sich hier um eine sehr weit zurückreichende Emigration handelt, deren Wurzeln im zwölften Jahrhundert zu suchen sind. Der Wissenschaftler muss demnach in eine Zeit vordringen, wo er kaum über verlässige Auskunftsquellen verfügt. Erst in der Neuzeit finden sich Hinweise auf »die Luxemburger« oder ihnen verständliche dialektische Spuren in der Ferne (cfr François de Feller).
Der befremdende Ausdruck »Siebenbürger Sachsen«, so erfahren wir, spricht allerdings nicht gegen Luxemburg, da er als Allgemeinbegriff für alle Einwanderer aus deutschsprachigen Gebieten zu verstehen ist, nicht aber als brauchbarer Hinweis auf ihren geografischen Ursprung. Diese Auswanderung unterscheidet sich ebenfalls von jenen der neueren Zeit durch die Tatsache, dass die »Siebenbürger Sachsen« zu den Privilegierten der neuen Heimat zählten, wo sie in einigen Wirtschaftsbereichen eine neue Lebensgrundlage aufbauten (Landwirtschaft, Hüttenwerke...). Das würde bedeuten, dass die damaligen Migranten aus unserem Umfeld eher in ein Neues gelockt wurden (Steuerbefreiung...), als dass sie aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Vergleiche mit der bisweiligen Praxis unserer Zeit sind durchaus angebracht...
Wolfgang Dahmen läßt sich aber nicht durch deutsche Autoren irreleiten, die in westlichen Gebieten unseres Nachbarlandes geforscht haben (zum Beispiel auf dem Gebiet der Onomastik, der Namensgebung) und bei denen Luxemburg schon deswegen nirgends auftaucht, weil sie in Trier stehen geblieben sind.
Die naive Vorstellung jedoch, in Hermannstadt (Sibiu) den Bahnhof zu verlassen und sich »op lëtzebuergesch« über dies oder jenes zu erkundigen und zeitgleich verstanden zu werden, die wäre mit einer gehörigen Portion glücklichen Zufalls verbunden. Das beleuchten schon die statistischen Angaben über die »Siebenbürger Sachsen«, gemessen an der Gesamtbevölkerung des heutigen Rumänien: von 4,4 Prozent im Jahr 1930 sind sie in einem knappen Jahrhundert auf eine verschwindend geringe Minderheit von 0,2 Prozent geschmolzen. Deutschland hat noch zur Zeit Ceaucescus gehörig rapatriiert, gegen wirtschafliche Entschädigung. Dabei finden sich die noch lebenden »Siebenbürger« höchstens bei älteren Menschen in ländlichen Gebieten.
Wolfgang Dahmen beantwortet anschließend, soweit es eben geht, die vielen Fragen und nimmt dankend einen kontrolliert luxemburgischen Zwetschgenschnaps in Empfang, eine Anerkennung demnach, über deren Ursprung nicht gerätselt zu werden braucht.

