Ausland08. April 2026

Auslands-Nachrichten

von dpa/ZLV

Trump will totalen Krieg gegen Iran

Schon vor Ablauf eines »Ultimatums« von USA-Präsident Trump an Teheran sind im Iran zahlreiche Verkehrswege und die Ölindustrie bombardiert worden. Der Iran meldete landesweite Angriffe auf seine Verkehrsinfrastruktur. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke waren auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen, berichtete die Nachrichtenagentur IRNA. Trump hat dem Iran zur Öffnung der Straße von Hormus eine Frist gesetzt, die um 2 Uhr MESZ in der Nacht zum Mittwoch ablief. »Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren«, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Zwar hatte Trump dieses »Ultimatum« bereits drei Mal verschoben, nun aber mit der Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke binnen weniger Stunden nach Ablauf seiner jüngsten Frist gedroht, sollte der Iran »nicht einlenken«. In der Provinz Ost-Aserbaidschan wurde eine Autobahn nach Einschlägen von Geschossen gesperrt. In derselben Provinz wurde eine Autobahnbrücke auf der Strecke zwischen der Millionenstadt Tabris und der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sandschan attackiert, meldete die Zeitung »Etemad«. Nahe der Pilgerstadt Ghom wurde eine Brücke an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt angegriffen. Die englischsprachige Zeitung »Tehran Times« meldete Angriffe auf das Schienennetz in Karadsch, einer Millionenstadt westlich von Teheran. UNO-Generalsekretär UNO-Generalsekretär António Guterres, Frankreichs Außenminister und Italiens Kriegsminister warnen vor weiterer Eskalation.

Synagoge in Teheran bei israelischem Angriff beschädigt

In Teheran ist eine Synagoge bei einem Luftangriff schwer beschädigt worden. Die Bombardierung erfolgte um etwa 4 Uhr nachts, berichtete die Nachrichtenagentur IRNA. Für den Angriff wurde Israels Luftwaffe verantwortlich gemacht. Ein Video der Nachrichtenagentur zeigte ein fast vollständig zerstörtes Gebäude in einer engen Gasse sowie Aufräumarbeiten.

Andere iranische Medien berichteten, das jüdische Gotteshaus sei vollständig zerstört worden. Die Synagoge wurde laut einem Bericht der iranischen Zeitung »Shargh« im 20. Jahrhundert erbaut und vor allem von Juden aus dem Nordosten Irans genutzt. Laut einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite »ynet« lebt im Iran die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels in der Region. In der Hauptstadt Teheran gibt es Dutzende Synagogen, die teils mehrere Hundert Jahre alt sind.

Der UNO-Sicherheitsrat sollte noch im Laufe des Tages (17 Uhr MESZ) voraussichtlich über einen Resolutionsentwurf von Bahrain zum Schutz der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus abstimmen. Zuvor hatte UNO-Generalsekretär António Guterres die USA und Israel aufgefordert, von Angriffen auf Irans Kraftwerke und andere zivile Infrastruktur abzusehen. Solche Angriffe würden gegen internationales Recht verstoßen, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric.

Der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte angesichts der weitgehend blockierten Straße von Hormus vor einer Zuspitzung der Probleme bei der Ölversorgung.»Sollte die Meerenge tatsächlich den ganzen April über gesperrt bleiben, werden wir doppelt so viel Rohöl und Raffinerieprodukte verlieren wie im März. Wir stehen vor einem ‚schwarzen April‘«, sagte Birol in Paris der Zeitung »Le Figaro«. »Ich bin heute sehr pessimistisch, weil dieser Krieg eine der Lebensadern der Weltwirtschaft lahmlegt. Nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel, Petrochemikalien, Helium und vieles mehr.«

Italiens Kriegsminister Guido Crosetto hat vor einer weiteren Eskalation im Iran-Krieg gewarnt. Die aktuelle Weltlage bezeichnete er in einem Interview der Zeitung »Corriere della Sera« als »beispiellos in den vergangenen Jahrzehnten«. »Ich fürchte, daß das, was ohnehin schon tragisch ist, noch schlimmer werden könnte«, sagte er. Mehrere Krisen überlagerten und verstärkten sich gegenseitig.

Auf die Frage nach Einflußmöglichkeiten auf USA-Präsident Trump erklärte Crosetto, dieser sei als Staatschef eines souveränen Landes von außen nicht zu beeinflussen. »Ich glaube einfach, daß er mutigere Berater haben sollte«, sagte der Minister. »Eines der Probleme dieser Präsidentschaft ist, daß niemand es wagt, dem Chef zu widersprechen.«

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot hat vor Angriffen auf zivile Infrastruktur im Iran gewarnt. »Wenn wir uns alle gegen Angriffe auf zivile und energetische Infrastrukturen aussprechen, dann vor allem, weil sie nach den Regeln der Kriegsführung und dem Völkerrecht ausgeschlossen sind, und zweitens, weil sie im Falle des Krieges im Iran zweifellos eine neue Phase der Eskalation und Vergeltungsmaßnahmen einleiten würden«, sagte Barrot dem Sender France Info. Diese würden die Region und die Weltwirtschaft in einen beunruhigenden Teufelskreis stürzen. »Wir erleben bereits einen sprunghaften Anstieg der Kraftstoffpreise. Würden die Energieinfrastrukturen im Iran angegriffen, ist mit Vergeltungsmaßnahmen des iranischen Regimes zu rechnen, die eine ohnehin schon besorgniserregende Lage weiter verschärfen würden«, sagte Barrot.

Tote im Südlibanon

Bei israelischen Luftangriffen gab es erneut Tote im Südlibanon. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete sechs Todesopfer in dem Ort Kfar Hatta. Den Angaben zufolge soll es sich dabei um eine vertriebene Familie gehandelt haben. Bei einem weiteren Luftangriff seien mindestens drei Menschen getötet und weitere verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur NNA. Unser Foto zeigt Folgen israelischer Angriffe im Dorf Maarake am Dienstagmorgen. Israels Armee meldete die Stationierung weiterer Truppen entlang der sogenannten »Verteidigungslinie«, ohne genaue Angaben dazu zu machen.

Leo XIV. mahnt zu Frieden in aller Welt

Rom – Papst Leo XIV. hat in seiner ersten Osterbotschaft den traditionellen Segen Urbi et Orbi mit einem Appell zu weltweitem Frieden verbunden. Vor mehreren Zehntausend Menschen auf dem Petersplatz rief das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken dazu auf, Konflikte durch Dialog zu lösen. »Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!«

Zugleich warnte der erste Pontifex aus den USA davor, angesichts der vielen Konflikte in Gleichgültigkeit zu verfallen. »Wir sind gerade dabei, uns an die Gewalt zu gewöhnen«, kritisierte er. »Gleichgültig gegenüber dem Tod Tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Haß und Spaltung, welche die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir doch alle spüren.«

In seiner Predigt kritisierte er zudem eine »Unterdrückung der Schwächsten« sowie »Profitgier, die die Ressourcen der Erde plündert«.

Taiwans Oppositionsführerin in China

Shanghai – Die Parteichefin der taiwanischen Oppositionspartei Kuomintang (KMT), Cheng Li-wun, ist zu einem Besuch in China eingetroffen. Laut Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, landete Cheng mit einer Delegation am Flughafen Hongqiao in Shanghai und begann ihre Reise durch die Volksrepublik.

Chinas Kommunistische Partei und ihr Vorsitzender Xi Jinping hatten Cheng eingeladen, vom 7. bis 12. April nach China zu reisen. Es ist der erste Besuch einer KMT-Chefin in China seit zehn Jahren. Kurz vor ihrer Abreise sagte Cheng, sie wolle mit ihrem Besuch guten Willen zeigen. Sie hoffe, der internationalen Gemeinschaft zu verdeutlichen, daß beide Seiten der Taiwanstraße ihre Differenzen weiterhin durch friedlichen Dialog und Kommunikation lösen und einen Krieg vermeiden könnten.

WHO-Mitarbeiter in Gaza getötet

Genf/Gaza – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt nach der Tötung eines freien Mitarbeiters in Gaza die Evakuierung Schwerkranker aus dem Küstenstreifen vorerst aus. »Eine Person, die im Auftrag der Organisation in Gaza tätig war«, sei am Montag »bei einem Sicherheitsvorfall ums Leben gekommen«, teilte WHO-Generaödirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Zwei WHO-Mitarbeiter, die ebenfalls vor Ort waren, seien unverletzt geblieben.

Die WHO hat die für Montag geplante medizinische Evakuierung von Patienten aus Gaza über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten gestoppt. Medizinische Evakuierungen blieben bis auf weiteres ausgesetzt. Die WHO fordere den Schutz der Zivilbevölkerung und der humanitären Helfer. Frieden sei die beste Medizin.

Bei einem israelischen Drohnenangriff in dem Flüchtlingsviertel Al-Maghasi im zentralen Abschnitt des Gazastreifens sind am Sonntag mindestens elf Palästinenser getötet und weitere Menschen verletzt worden. Der Drohnenangriff erfolgte während Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Hamas und Bewaffneten, die im Gazastreifen verdächtigt werden, mit Israel zusammenzuarbeiten. Israel habe mit dem Drohnenangriff während der Gefechte »eingegriffen«.

Zehntausende bei Ostermärschen für Frieden

Bonn – An den traditionellen Ostermärschen haben sich in diesem Jahr nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in Deutschland mehrere zehntausend Menschen beteiligt. In mehr als 100 Städten seien Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße gegangen, hieß es. Am Ostermontag fanden unter anderem Demonstrationen in Frankfurt am Main, Hamburg und Nürnberg statt. Der dreitägige Ostermarsch Rhein-Ruhr, der in Duisburg gestartet war, führte zum Abschluß nach Dortmund.

Die rege Beteiligung zeige, daß der Wunsch nach einer nachhaltigen Friedenspolitik fest in der Mitte der Gesellschaft verankert sei, sagte Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative in Bonn. »Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich konsequent auf Diplomatie statt auf Aufrüstung zu setzen.«

Im Fokus der Proteste standen die Forderungen nach einer Friedenslösung in der Ukraine und im Nahen Osten. Zudem protestierten die Teilnehmer gegen die Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa und eine Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Sprengstoff an Pipeline nach Ungarn

Budapest – Nachdem Serbien den Fund von Sprengstoff an einer Gas-Pipeline nach Ungarn gemeldet hat, richtet der ungarische Regierungschef Viktor Orbán den Verdacht auf die Ukraine. Orbán und sein Außenminister machten nach einer Sondersitzung des nationalen Verteidigungsrats in Budapest deutlich, daß sie die Ukraine verdächtigen, einen Sabotage-Akt an dieser Pipeline geplant zu haben.

Nach Angaben des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic wurden an der Gas-Pipeline »Balkan Stream« nach Ungarn »Sprengstoff in verheerender Kraft« sowie die dazugehörigen Zündschnüre gefunden. Die Pipeline bringt russisches Erdgas von der Türkei über Bulgarien und Serbien nach Ungarn. Vucic und Orbán sprachen telefonisch über den Fall, wie beide bestätigten. Zu dem Fund sei es an einer Pumpstation nahe der ungarischen Grenze bei der serbischen Ortschaft Velebit gekommen, teilte Vucic mit.

»Die Ukraine arbeitet seit Jahren daran, Europa von der Gasversorgung (aus Rußland) abzuschneiden«, sagte Orbán in einer Video-Ansprache. Die Ukrainer hätten bereits die »Nord-Stream«-Pipeline zerstört und blockierten die Erdöl-Zufuhr aus Rußland nach Ungarn über die durch die Ukraine führende »Druschba«-Pipeline. Zudem greife die ukrainische Armee ständig den auf russischem Territorium befindlichen Teil der Gas-Pipeline »Turkstream« an.

China und Rußland wollen zusammenarbeiten

Beijing – China hat seine Bereitschaft erklärt, weiterhin mit Rußland im UNO-Sicherheitsrat zusammenzuarbeiten, um die Spannungen in Nahost zu entschärfen. Außenminister Wang Yi sagte nach einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am Sonntagabend, die grundlegende Lösung für das Schifffahrtsproblem in der Straße von Hormus bestehe darin, »das Feuer einzustellen und den Krieg so schnell wie möglich zu beenden«.

Ende März hatte Beijing erstmals die Fahrt von drei chinesischen Schiffen durch die Straße von Hormus bestätigt.


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