»Urknall« in Luzern
Weiberfastnacht in Deutschland bei strömendem Regen
Luzern/Köln – Mit säckeweise Konfetti und lauter Blasmusik haben Tausende Fasnächtler am Donnerstag in Luzern die närrischen Tage eingeläutet. Das Spektakel am Vierwaldstättersee gehört zu den ältesten und bekanntesten Fasnachtsfesten der Schweiz. Die Anfänge reichen bis ins frühe Mittelalter zurück.
Als Erstes kommt im abgedunkelten Luzern ohne Straßenbeleuchtung immer die sagenumwobene Gestalt Bruder Fritschi auf einem Boot über den See gefahren. Kurz vor dem Anlegen ertönt ein lauter Knall, der »Urknall« – die Menge bricht in Jubel aus und die Blasmusikkapellen legen los. Tausende Musiker und andere Mitglieder der Fasnachtsvereine bevölkern in bunten Fantasiekostümen die Stadt.
Wichtiger Bestandteil der Fasnacht ist der »Fötzeliräge« (Schnipselregen). Das sind bunte Papierschnipsel, die aus riesigen, aufgehängten Ballons auf die ausgelassene Menge niedergehen.
Bruder Fritschi gilt als imaginäres Oberhaupt der ältesten Zunft Luzerns, der Zunft zu Safran. Vorbild soll der Heilige Fridolin gewesen sein. Er spielt eine Rolle, weil die Eidgenossen mit Luzerner Landsknechten am Fridolinstag 1446 die Österreicher besiegten.
Unter Regenschirmen und durchsichtigen Capes hat um 11.11 Uhr der Straßenkarneval im Rheinland in Deutschland begonnen. Trotz der widrigen Umstände schunkelten Tausende Feiernde in der Innenstadt von Köln.
In Düsseldorf gehört zu Weiberfastnacht die Stürmung des Rathauses durch die »Möhnen«, ein rheinisches Dialektwort für ältere Frauen. In Bonn greifen die Waschweiber an. In Mainz wird rund um den Fastnachtsbrunnen gefeiert. Die eine oder andere Närrin ist auch auf Krawattenjagd, wobei die Sitte des Schlips-Abschneidens zunehmend an Boden verliert.
Vor allem Köln war am Vormittag wieder das Ziel Tausender Karnevalstouristen, wobei der Andrang vermutlich aufgrund des schlechten Wetters zunächst geringer ausfiel.

