Ausland04. August 2021

Auslands-Nachrichten

von dpa/ZLV

Ein Jahr nach der Explosion in Beirut

Forderung nach Aufklärung

Die UNO mahnt die Aufklärung der Ursachen der gewaltigen Explosion in Beirut an. Ein Jahr nach dem Unglück mit rund 200 Toten und 6.000 Verletzten kämpften Opfer und Angehörige immer noch um Gerechtigkeit und Wahrheit, sagte eine UNO-Sprecherin am Dienstag in Genf. Die libanesische Regierung müsse eine gründliche und unvoreingenommene Untersuchung sicherstellen sowie die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, forderte die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet.

Die UNO erinnerten daran, daß die Explosion im Hafen von Beirut die Not im Land noch verschlimmert habe. Hunderttausende, darunter viele Flüchtlinge aus dem benachbarten Syrien, seien zum Überleben auf die Unterstützung durch Lebensmittel-Zuteilungen des Welternährungsprogramms angewiesen. Bei der Explosion waren am 4. August 2020 große Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete zerstört worden. Ausgelöst worden sein soll die Detonation durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die über Jahre ohne Schutzmaßnahmen im Hafen gelagert wurden. Bis heute sind die genauen Ursachen nicht geklärt und die Verantwortlichen nicht benannt worden.

Zum ersten Jahrestag am Mittwoch sollen öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben und Flaggen auf halbmast gesenkt werden. Unser Foto zeigt den Hafen von Beirut am Tag nach der Explosion.       Seite 2

 

Ermittlungen gegen Bolsonaro

Nach wiederholten Attacken gegen das brasilianische Wahlsystem hat der Oberste Wahlgerichtshof Brasiliens eine Ermittlung gegen Präsident Bolsonaro eingeleitet, um unter anderem den Mißbrauch wirtschaftlicher und politischer Macht sowie einen Mißbrauch von Medien zu untersuchen. Das Gericht forderte auch, Bolsonaro in die bereits laufenden Ermittlungen des Obersten Gerichtshofs zur Verbreitung von Fake News aufzunehmen.

 

Weitere Minister in Tunesien entlassen

Nach der Absetzung des Regierungschefs Hichem Mechichi treibt der tunesische Präsident Kais Saied den Umbau der Regierung voran. Er wechselte den Wirtschaftsminister sowie den Landwirtschaftsminister aus. Laut lokalen Medienberichten sollen die am Montag beschlossenen Neubesetzungen aber »nur vorläufig« sein. Ein Großteil der Menschen im Land unterstütze laut Umfragen Saieds Schritte. Viele Tunesier werfen den Abgeordneten des Parlaments – vor allem denen der moderat-islamistischen Partei Ennahda – Machtgier vor und betrachten die aktuellen Maßnahmen als Korruptionsbekämpfung. Inzwischen wurden auch mehrere Kritiker Saieds festgenommen. Saied hatte zuvor die Immunität aller Abgeordneten aufgehoben. Unser Foto zeigt Militärposten vor dem Parlament in Tunis.

 

Viele zivile Opfer bei Kämpfen in Afghanistan

Kabul – Die andauernden Gefechte in der Provinzhauptstadt Laschkargah im Süden Afghanistans fordern immer mehr zivile Opfer. Binnen 24 Stunden seien in der Stadt mindestens 40 Zivilisten getötet und 118 verletzt worden, teilte die UNO-Mission in Afghanistan (UNAMA) am Dienstag mit. Sollten die Parteien nicht mehr für den Zivilschutz in Afghanistan tun, drohten »katastrophale« Auswirkungen.

Seit Beginn des Abzugs der USA- und NATO-Truppen haben die Taliban bedeutende Gebietsgewinne vor allem im ländlichen Raum erzielt. Aktuell verlagern sich die Gefechte zunehmend in die Städte. Kämpfe gibt es etwa im Herat im Westen sowie in Kandahar und Laschkargah im Süden.

Am Dienstag griffen die Taliban in Laschkargah im Zentrum in der Nähe des Gouverneurssitzes und der Polizeizentrale an. Die Regierung hält nur mehr zwei der zehn Polizeibezirke der Stadt. Sollte Kabul keine Verstärkung schicken, drohe die Hauptstadt der Provinz Helmand an die Islamisten zu fallen, hieß es. Die Verteidiger würden seit elf Tagen praktisch ohne Schlaf kämpfen.

Laut Kriegsministerium gab es weitere Luftangriffe auf Taliban-Stellungen in der Stadt. Lokale Journalisten berichteten, diese hätten auch zivile Einrichtungen getroffen, darunter eine private Universität und eine Fabrik.

Der Journalistenorganisation NAI zufolge haben in Helmand mindestens 15 Medienorganisationen, darunter fünf Fernsehstationen, wegen der Sicherheitslage den Betrieb eingestellt. Am Montag seien Taliban in die Räumlichkeiten der staatlichen Rundfunkanstalt RTA eingedrungen und hätten vier Stunden lang selbst ein Programm gesendet.

Berichte über Dutzende Tote und Hunderte Verletzte in den vergangenen zehn Tagen gab es auch aus den Städten Herat und Kandahar. In Herat schlugen am Dienstag laut dem lokalen TV-Sender ToloNews zwei Raketen in der Nähe der Flughafen-Rollbahn ein.

In einer Ansprache vor beiden Kammern des Parlaments hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani am Montag die »plötzliche Entscheidung« der USA und der NATO zum Abzug für die Verschlechterung der Sicherheitslage verantwortlich gemacht. Er versprach, binnen sechs Monaten für Stabilität im Land zu sorgen.

 

 


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