Leitartikel22. Januar 2026

Jubelperser – gestern und heute

von

Exiliraner wie der Ende der 50er Jahre als Achtjähriger mit seinen Eltern nach Luxemburg gekommene Psychologe, Psychotherapeut und (laut eigener Homepage) »Supervisor« Fari Khabirpour werden sich wohl weiter gedulden müssen: Die Ende Dezember begonnenen Proteste im Iran, die in den Massenmedien des »Werte-Westens« zum Zwecke ihrer – im Wortsinn! – Befeuerung in Windeseile zu einem angeblichen »Volksaufstand« hochgejazzt wurden, sind zusammengebrochen. Seit Tagen wurden auch von westlichen »Nichtregierungsorganisationen« keine Manifestationen mehr gemeldet.

Am Morgen des 13. Januar, einen Tag nach dem von der nicht nur wegen ihres mörderischen Antikommunismus im eigenen Land verabscheuungswürdigen iranischen Staatsführung organisierten Gegenprotest mit Hunderttausenden Teilnehmern, erklärte Khabirpour im Interview mit dem Staatsradio 100,7: »De Regimm fält mat Sécherheet«. Und weil er wohl selbst längst wußte, daß seine Durchhalteparolen im Iran nicht so gut ankamen, fügte der ehemalige Direktor des schulpsychologischen Dienstes und ehemalige Leiter des Abschiebeknasts hinzu, obwohl er grundsätzlich »géint Waffen« und sogar »absolut géint Gewalt« sei, fordere er »eng militäresch Interventioun vun den USA« gegen das Land, in dem er 1951 das Licht der Welt erblickte.

Damit befindet sich der Autor von Büchern wie »Innerer Frieden Äusserer Wandel« auf einer Linie mit rückwärtsgewandten und gewaltbereiten Monarchisten um »Kronprinz« Reza Pahlevi und den schon seit Jahrzehnten unter verschiedenen Namen agierenden terroristischen »Volksmudschaheddin«. Die hatten den von Saddam Hussein regierten Irak propagandistisch und militärisch unterstützt, als dieser seine Truppen 1980 in das Nachbarland Iran einmarschieren ließ und einen verheerenden Krieg auslöste, der erst 1988 endete – nachdem über eine halbe Million Menschen getötet worden war.

Doch solche historischen Tatsachen hat es in den westlichen Massenmedien genauso wenig gegeben, wie das Faktum, daß der heutige Iran und seine reaktionäre Staatsführung aus der Volksrevolution von 1979 hervorgegangen sind, die die nach britischer Anstiftung vom USA-Imperialismus eingesetzte Schahdiktatur beseitigen wollte.

Wir erinnern uns: 1921 hatten die Briten Reza Khan, den ehemaligen Kommandeur der persischen Kosakenbrigade, »auf den Thron« gesetzt, der der britischen »Anglo-Persian Oil Company« (APOC) den gewünschten Zugriff auf die iranischen Ölvorkommen sicherte. Als der demokratisch gewählte, aber zum Leidwesen Londons antiimperialistische Premier Mohammad Mossadegh 1951 beschloß, die reichen Ölreserven des Landes zu verstaatlichen und den Briten die mittlerweile als »Anglo-Iranian Oil Company« (AIOC) firmierende Gewinnschleuder durch Enteignung aus der Hand zu schlagen, wurde er über Nacht zum Ausgestoßenem.

Nachdem Eisenhower Truman im Weißen Haus ersetzt hatte, konnte der britische Geheimdienst die erst sechs Jahre zuvor eingerichtete »Central Intelligence Agency« zum Mitmachen bewegen. Mossadegh wurde 1953 von der CIA gestürzt und durch den diktatorisch herrschenden Vater des jetzigen »Kronprinzen« ersetzt.

Nach dem Ende der jüngsten Proteste im Iran setzt auch der »Kronprinz« auf militärische Gewalt von außen. Dem USA-Sender Fox News sagte er am Montag: »Es könnte ein amerikanischer Schlag sein. Es könnte ein israelischer Schlag sein. Es könnte was auch immer sein. Das iranische Volk wartet darauf, daß die Kavallerie kommt, weil wir das Fort nur bis zu einem bestimmten Punkt verteidigen können.«

Die Jubelperser im sicheren Exil werden sich wohl noch gedulden müssen…