• Luxemburg24. Juli 2021

    Armee rekrutiert für Kriege im Cyberspace

    von

    Nach dem neuen Organisationsgesetz sollen auch Weltraumspezialisten und mehr Frauen angeworben werden

    Am Freitag hat der Regierungsrat das Gesetzesvorprojekt über die Organisation der luxemburgischen Armee abgenickt. Es enthalte »viele Kompromisse«, erklärte Armeeminister François Bausch am Nachmittag auf einer Pressekonferenz. So sei vorgesehen, den freiwilligen Kriegsdienst von derzeit mindestens drei auf mindestens vier Jahre – und nicht wie anfangs geplant, auf fünf – zu verlängern. Die Soldatengewerkschaft habe bei drei Jahren Mindestdienstzeit bleiben wollen.

    Derzeit verfüge die Armee über 900 bis 1.000 Soldaten, sagte der grüne Ressortchef, das sei zwar mehr als noch vor ein paar Jahren, reiche aber angesichts der stärker gewachsenen Einwohnerzahl noch bei weitem nicht aus. Die Armee wolle deshalb zu einem »attraktiven und modernen Arbeitgeber« werden. Insbesondere »im Luftfahrt-, Cyber- und im Raumfahrtbereich« gebe es noch »zu wenig qualifiziertes Personal«.

    »Rückgrat einer technologieorientierteren Armee« mit »viel spezialisierteren Soldaten« sollen Bausch zufolge künftige Offiziere und Unteroffiziere werden, die einen universitären Masterabschluß respektive Abitur mitbringen. Es gelte, »gezielter zu rekrutieren und auszubilden«.

    Die Armee stehe künftig auch »Quereinsteigern mit einem für die Armee interessanten Bachelorabschluß« wie z.B. in Informatik offen und es sei bald möglich »auf Kosten der Armee« an einer zivilen Hochschule zu studieren, wenn man sich verpflichtet, anschließend mindestens zehn Jahre Waffendienst zu leisten. Wer den Armeedienst vorzeitig quittiere, müsse einen Teil der Ausbildungskosten zurückbezahlen.

    Auch weiblicher soll die Armee, die sich im vergangenen Jahr sogar ein Frauenkomitee gegeben hat, werden, betonte der grüne Ressortchef. Derzeit betrage der Frauenanteil bei den Offizieren unter zehn Prozent, bei den Unteroffizieren rund fünf und bei den Mannschaftsdienstgraden zwei Prozent. Außerdem ist im Gesetzesvorprojekt vorgesehen, die Altersobergrenzen abzuschaffen. Es reiche, wenn regelmäßig gezeigt werde, daß der Armeeangehörige »medizinisch und sportlich fit« sei.

    Generalstabschef Steve Thull erklärte, das Gesetzesvorprojekt sehe vor, daß freiwillige Soldaten ihre Dienstzeit nach bislang drei Jahren nicht mehr wie bisher dreimal um jeweils ein Jahr verlängern können, sondern nur noch um weitere fünf Jahre. Das sei nötig, weil »intensivere, robustere Missionen« anstünden, und die Armee immer mehr in die Ausbildung ihre Soldaten »investieren« müsse.

    Das Kriegsgerät, so General Thull weiter, sei »komplexer« und die Instruktionen z.B. für Auslandseinsätze dauerten »deutlich länger«. Heute habe es ein Soldat mit »zehnmal so viel Material wie früher zu tun« und die NATO erwarte, daß Soldaten, die zu ihrer »superschnellen Eingreiftruppe« (VJTF) geschickt werden, bis zu drei Jahre dort bleiben. Die »Very High Readiness Joint Taskforce« genannte »NATO-Speerspitze« wurde im Zuge des Krieges im Donbass aufgestellt und ist seitdem ein Element der »Abschreckungsstrategie« der NATO gegen Rußland. Ihre Besonderheit ist der hohe Bereitschaftsgrad.

    Armeeminister Bausch und Außenminister Jean Asselborn hatten am Mittwoch USA-General John W. Raymond, den Chef der Weltraumoperationen der »United States Space Force«, in Luxemburg zu Gast, um wie es in einem Kommunique hieß »neue Partnerschaften mit der „Space Force“ der amerikanischen Verteidigung« auszuloten«.

    En passant hieß es gestern noch, die Armee werde bald einen Soldaten in den Irak schicken, der mit »administrativen« Aufgaben betreut werde, und einer Anfrage der EU folgend werde Luxemburg die Satellitenkommunikation mit ihrer militärischen Ausbildungsmission zur Unterstützung der Regierungstruppen im südostafrikanischen Mosambik sicherstellen.
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  • Luxemburg24. Juli 2021

    LIST-Studie zu Regen und Überschwemmungen:

    Wasser fließt von oben nach unten

    von Jean-Marie Jacoby

    Halten wir zunächst einmal für die Nachwelt fest: Meteolux hat rechtzeitig vorm Starkregen des 14. und 15. Juli gewarnt. Wie ernst diese Warnung genommen wurde und wie bekannt sie war, steht auf einem anderen Blatt.

    Für unterschiedliche Bach- und Flußbecken liegt jetzt eine erste Analyse des LIST (»Luxembourg Institute of Science and Technology«, beheimatet nicht in Großbritannien, sondern 5, Av. des Hauts Fourneaux auf Belval-West in der Gemeinde Esch/Alzette) vor. Zusammenfassend läßt sich vorab feststellen, daß es schon mal mehr Wasser von oben gab an einem Tag, allerdings war das meist im Winter. Wobei das Sommerhalbjahr für Meteorologen von April bis September geht, das Winterhalbjahr von Oktober bis März.

    Gehen wir ins Detail. Bei der Wetterstation Beles/Oberkorn gingen am 14. Juli 68,1 l Regen runter. Das LIST errechnet, im Sommer sei das alle 92 Jahre zu erwarten, in Winter alle 43 Jahre, wo 1995 an einem Tag 72,7 l runterkamen. Wird die Summe der Regenmenge innerhalb von 7 Tagen berücksichtigt, kommt diese Wetterstation auf 134,2 l und damit auf ein mehr als hundertjähriges Ereignis im Sommer. Für die Winter 1995 stehen 191,2, für 1994 164,1, für 1977 163,6 und für 2017 150,3 l in der 7-Tages-Statistik, womit das alle 13 Jahre zu erwarten wäre.

    Anhang des Bibeschbach bei Livingen weist das LIST nach, daß bereits am 13.7. die Sättigung im Zuflußbecken bei über 50% der Maximal-Kapazität lag, wo sie im Durchschnitt der Jahre 2004-2020 nur bei 20% war. Das hat in Livingen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli ein sofortiges und gewaltiges Anschwellen des Bibeschbach nach sich gezogen, wie es anderswo nicht festzustellen war: 75% des Regens, der vom 13.7., 3 Uhr bis zum 15.7., 15 Uhr, fiel, landete blitzschnell im Bach.

    Die Wiltz in Winseler, die Weierbach oder die Attert in Useldingen hatten zwar auch starke Spitzen, aber dort gingen nur 45% des Regens direkt in die Fließgewässer.

    Sieben repräsentative Beispiele

    Bei der Weierbach mit einem Zuflußbecken von 0,45 km² wurde die Spitze mit 0,162 m3/s erreicht, was im Sommer alle 55 Jahre zu erwarten sei, übers ganze Jahr aber alle 33 Jahre. Hier wurde das Maximum von 0,188 m3/s aus dem Winterhalbjahr 2011 nicht überschritten.

    Im Huewelerbach bei Hovelingen mit einem Zuflußbecken von 2,7 km² überschritt die Spitze von 1,05 m3/s am 15.7. deutlich alle in den letzten 20 Jahren gemessene, weswegen das als über 50jährig zu werten ist. Die nächste Spitze im Sommer war 2014 gerade bei 0,27, die im Winter 2003 bei 0,89 m3/s. 

    Die Spitze von 14,2 m3/s beim Bibeschbach mit einem Zuflußbecken von 14,2 km² ist doppelt so hoch wie der bisherige Höchstwert aus dem Winter 2020 mit 7,3 m3/s, während im Sommer 2013 wie 2016 gerade mal 6,6 m3/s erreicht wurden, was damals im Winter nicht übertroffen ward.

    Beim Roudbach in Platen mit einem Zuflußbecken von 44,2 km² liegt die Spitze von 10 m3/s zwar hoch, aber nicht im katastrophalen Bereich. Hier wurden im Winter 2003 15 und im Sommer 2002 14 m3/s gemessen, weswegen das diesjährige Ereignis dort im Sommer alle 19, übers Jahr alle 7 Jahre zu erwarten ist, also quasi Normalität.

    Anders ist es bei der Eisch in Hagen mit einem Zuflußbecken von 48,8 km², wo die Spitze von 21 m3/s deutlich über allen Messungen der 20 Jahre davor liegt und daher als über 50jähriges Hochwasser gewertet werden muß. Die 10 nächsthöheren Werte liegen zwischen 17 (Winter 2020) und 14 m3/s, wobei der letzte Wert auch einmal im Sommer 2000 erreicht wurde.

    Bei Winseler wurde ein Spitzenwert von 26 m3/s in der Wiltz gemessen, die ein Zuflußbecken von 102,5 km² hat. Der nächst höhere Wert im Sommer wurde 2016 bei 14 m3/s erreicht, weshalb das als weit über 50jährig zu bezeichnen ist. Allerdings wurden 2003 im Winter 29 m3/s, gemessen, weshalb fürs ganze Jahr von einem 23jährigen Hochwasser zu reden ist.

    Die Attert in Useldingen mit einem Zuflußbecken von 244,7 km² erreichte 73 m3/s wie im Winter 1999, wobei der Winter 2003 72 und der Winter 2011 70 m3/s brachte. Das wäre dann ein 13jähriges Hochwasser, aber für den Sommer wird das ebenfalls zu einem über 50jährigen, da hier der nächsthöhere Wert 2008 bei nur 40 m3/s liegt.

    Schlußfolgerung

    Es war das wohl ganz eindeutig ein außergewöhnliches Ereignis, auch wenn es deutliche Unterschiede gibt bei stellenweise einem 100jährigen Ereignis, andernorts als 50jährig und darüber zu werdten, aber stellenweise auch deutlich weniger.

    Das LIST verspricht in den kommenden Monaten eine Feinanalyse zu liefern mit der Einbeziehung anderer Zuflußbecken als die hier genannten.

    Es sollte für niemand eine Überraschung sein, daß das Wasser von oben nach unten fließt und nur in den seltensten Fällen (z.B. bei Stromschnellen) auch mal umgekehrt. Das schienen jedoch einige vergessen zu haben; umso größer war ihre Überraschung.

    Je kleiner der Bach, desto größer wurde die Überraschung, wobei diese sehr wesentlich darauf zurückzuführen ist, daß generell bereits eine hohe Sättigung in Wald und Feld mit Wasser vorhanden war und daher von Anfang an sehr viel oberflächlich abfloß. Eine detaillierte Studie sollte sich mit den Unterschieden von Wald, Wiese und Feld und auch mit denen zwischen konventioneller und biologischer Wirtschaftsweise befassen, da sonst vieles Vermutung bleibt.
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  • Luxemburg23. Juli 2021

    Lebensqualität verbessern, Kosten vermeiden

    von

    »Gesondheetsdësch« hat sich seit März unter anderem mit Ausbau der Prävention beschäftigt

    Auf einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium zogen Ressortchefin Paulette Lenert und Sozialversicherungsminister Romain Schneider am Donnerstagnachmittag die zweite Zwischenbilanz der vor anderthalb Jahren von der Regierung lancierten breitangelegten Diskussion um die Zukunft unseres Gesundheitssystems.

    Mit am großen »Gesondheetsdësch« sitzen neben Vertretern der beiden Ministerien und der Nationalen Gesundheitskasse CNS u.a. die drei repräsentativen Gewerkschaften OGBL, LCGB und CGFP, der Patronatsdachverband UEL, die Ärzte- und Zahnärztevereinigung AMMD sowie die Krankenhausföderation FHL. Am Ende des Prozesses soll ein Nationaler Gesundheitsplan stehen, der dann vom letztlich entscheidenden Parlament verabschiedet werden soll. Deshalb sind die Chamberdeputierten von Anfang an eingebunden und wurden bereits gestern vormittag von Lenert und Schneider informiert.

    Trotz Coronakrise hatten drei von sechs Arbeitsgruppen bis Mitte Februar bereits 13 konkrete Projekte ausgearbeitet, im März legten dann die drei anderen los und steuerten acht weitere Projekte bei. Mit nicht weniger als der Vorbereitung eines »Paradigmenwechsels« in Sachen »Gesundheit durch Prävention« beschäftigte sich Arbeitsgruppe 4. Gewünscht, so die Ministerin, sei ein Präventionsdialog zwischen allen beteiligten Akteuren, der eine gemeinsame Strategie erarbeiten solle. Doch zuvörderst müsse der Istzustand evaluiert werden. In Einzelbereichen werde schon viel getan.

    Ein besonderes Augenmerk solle dabei auf chronische Krankheiten und Prävention durch Sport fallen. Es gelte, so Lenert, die Lebensqualität der chronisch Kranken zu verbessern, Komplikationen zu vermeiden und dadurch gleichzeitig die Kosten für unser Gesundheitssystem zu senken. Im Gespräch sei auch ein individueller Präventionsplan für alle Versicherten »von 0 bis 100 Jahre«, der alljährlich zusammen mit dem Hausarzt aktualisiert werden könnte.

    Mit der »Medizin der Zukunft« bzw. dem Einsatz neuer Technologien in der Medizin beschäftigt sich die Arbeitsgruppe 5. Die habe leider feststellen müssen, daß »unser System noch nicht richtig in der datenbasierten Gegenwart angekommen« sei, es gebe noch großes Potential, auch wenn der Datenschutz nicht zu kurz kommen dürfe. Neue Gesundheitstechnologien, die in Luxemburg entwickelt wurden, sollten nach Möglichkeit auch hier angewendet und vermarktet werden, so die Gesundheitsministerin.

    Die Finanzierung unseres Gesundheitssystems verhandelte Arbeitsgruppe 6. Wie Minister Schneider ausführte, herrscht weiter Konsens über die grundsätzlich öffentliche Finanzierung des Systems, das sich mit der Digitalisierung und dem geplanten Ausbau der Prävention vor neue Herausforderungen gestellt sehe. Zur Finanzierung letzteres sei ein Präventionsfonds denkbar. Jedenfalls müsse der administrative Aufwand, insbesondere für die Spitäler, deutlich reduziert werden. Vor allem beim Einkauf und der Logistik werde »viel Potential« gesehen.
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  • Luxemburg23. Juli 2021

    Une nouvelle fonctionnalité dans l'app CovidCheck

    Lancée officiellement le 10 juin 2021, l'application mobile CovidCheck vient de connaître un développement majeur: dès à présent, l'application luxembourgeoise permet de vérifier la validité des certificats suivant les règles officielles mises en place dans certains autres pays.

    L'application propose désormais à l'utilisateur une liste de drapeaux nationaux et en quelques clics, il peut scanner un certificat selon la méthode établie et choisir de vérifier si ce certificat est valable suivant les règles publiées par le pays que l'utilisateur sélectionne.

    Ainsi, une personne qui décide de partir en vacances en Espagne n'a plus besoin de rechercher l'application espagnole pour vérifier le statut de son certificat, mais elle peut le faire directement dans l'application luxembourgeoise.

    La liste des drapeaux proposés indique les pays qui ont publié leurs règles de validation de façon à ce que l'application CovidCheck.lu puisse les interpréter. Cette liste sera étendue au fur et à mesure que d'autres pays publieront leurs règles de validation.

    Plus d'1.000.000 de certificats CovidCheck émis au Luxembourg

    Depuis le 10 juin 2021, plus de 1 million de certificats ont été émis par les autorités luxembourgeoises. Rappelons que le certificat CovidCheck (EU DCC) est disponible en formats numérique et papier. Il atteste que son détenteur a été vacciné contre le coronavirus, ou qu'il a obtenu récemment un test négatif (PCR ou test antigénique rapide certifié), ou qu'il s'est remis d'une infection COVID-19 au cours des 6 derniers mois.

    De plus, toutes les personnes de 16 ans et plus qui ont un espace personnel dans MyGuichet.lu reçoivent automatiquement une version électronique de leurs certificats dans la rubrique «Mes données» de leur espace personnel. Depuis le 5 juillet 2021, ces mêmes personnes peuvent également accéder à leurs certificats via l'application mobile MyGuichet.lu.

    Développées par le Centre des technologies de l'information de l'État, les applications CovidCheck et MyGuichet.lu sont disponibles dans l'Apple Store et Google Play Store. Concernant l'application CovidCheck, les utilisateurs l'ayant déjà téléchargée doivent faire une mise à jour de l'app afin d'accéder à cette nouvelle version.

    Communiqué par le ministère de la Digitalisation et le ministère de la Santé

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  • Luxemburg23. Juli 2021

    An ihren Taten sollt ihr sie messen:

    Adapto-Sparwut ohne Ende

    von Jean-Marie Jacoby

    In der Chamber vertretene Sektionen der bürgerlichen prokapitalistischen Einheitspartei sind längst nicht mehr nach ihren Sonntagsreden und Wahlprogrammen zu beurteilen. Schließlich hat niemand vor der letzten Wahl erklärt, die Rüstungsausgaben vervielfachen zu wollen. Über 0,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts wollte niemand gehen, aber inzwischen halten wir bereits bei 0,72  Prozent für 2020 und 2021 wird über 0,8 Prozent kommen. Zumindest die drei der Regierungs-Koalition haben erklärt, weiter Richtung der seit »Friedensnobelpreisträger« Obama in der NATO geforderten 2 Prozent zu gehen.

    Beim öffentlichen Personennahverkehr wurde vor den letzten Wahlen von den meisten der Nulltarif gefordert, meist unter der falschen Bezeichnung »gratis öffentlicher Transport«. Gratis gibt es den natürlich nicht, er kann zu 100 Prozent übers Budget finanziert werden oder wie davor zu 94,6 Prozent. Nicht in den Wahlprogrammen stand, der Nulltarif werde Gehbehinderten und im Rollstuhl Sitzenden den Adapto-Transport kosten.

    Aus Inklusion wird Ausschluß

    Doch so läuft es seit 15. März und es gibt nach wie vor wenig Positives zu berichten trotz aller möglicher zusätzlichen Besuche beim Kontrollarzt. Wie schon früher, wo niemand so kühn war auszurechnen, was die Ausgabe von Fahr- und Freifahrscheinen kostete, hat unter Garantie niemand ausgerechnet, was die Kosten sind für die Adapto-Abteilung im Mobilitätsministerium, wo eine »Gestionnaire dirigeant« als »Adjointe au chargé de direction« nach Gutsherrenart herrscht und nicht wenige Ausgaben produziert mit Aufträgen, beim Kontrollarzt vorstellig zu werden.

    Da kann es durchaus passieren, wie uns aus Gewerkschaftskreisen berichtet wird, daß Menschen, die einen Sportwagen besitzen, die Adapto-Karte bekommen, andere, die keinerlei Fahrzeug ihr eigen nennen, dennoch keine.

    Die gute Frau, wie Minister Bausch auch, sollte sich mal zu Gemüte führen, daß die meisten Betroffenen nicht von Geburt an gehbehindert sind oder im Rollstuhl sitzen. Sicher, die gibt es auch, aber am Ende ist es dieselbe Lage für diejenigen, die durch einen Unfall da hineinversetzt werden. Es kann also mit dem entsprechenden Pech alle treffen, und das sogar ohne selbst leichtsinnig gewesen zu sein.

    So manch einer hat in der Zwischenzeit unter Vorlage zusätzlicher ärztlicher Gutachten einen neuen Antrag gestellt – mit demselben abschlägigen Ergebnis. Es hat nicht einmal eine ausdrückliche Befürwortung durch die Adem etwas gebracht. Inklusion sieht anders aus!

    Richtig sonderbar wird es, wenn wir erfahren, das Arbeitsamt habe daraufhin in gewissen Fällen angeboten, die Finanzierung des Transports von zu Hause bis zum Arbeitsplatz und zurück zu übernehmen.

    Die Abteilung »Behinderte Arbeitnehmer« des OGB-L hat sich bemüht Kostenvoranschläge einzuholen, wobei die meisten Busbetrieben sagten, sie könnten das nicht übernehmen zu diesen Zeiten, weil sie da keine Fahrer frei haben. Immerhin haben doch zwei Betriebe einen Preis pro Fahrt genannt. Damit war die Adem nicht zufrieden, sie wollte ein Angebot fürs ganze Jahr haben. Das waren die Busbetriebe nicht bereit zu legen mit dem Argument, so lange könnten sie sich nicht beim Preis festlegen wegen der Volatilität der Kosten beim Sprit und bei den Löhnen (kommt eine Index-Tranche innerhalb Jahresfrist oder nicht). Das war die Adem nicht bereit zu akzeptieren, womit auch hier das Ende der bürokratischen Fahnenstange erreicht war.

    Einigen der Betroffenen graut jetzt schon vorm Winter, wo es für sie noch einmal schwieriger wird mit den Behelfsmaßnahmen, die sie jetzt gefunden haben, um über die Runden zu kommen und ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren.

    Rachefeldzug?

    In einem Fall, der uns jetzt zugetragen wurde, hat auf die erste negative Mitteilung zur Weiterbenutzung des Adapto ab 15. März jemand den Verzweiflungsschritt getan und den Antrag gestellt, in die Fahrschule zu dürfen, um einen B-Führerschein zu erwerben. Der Antrag wurde damals im Februar genehmigt, der »certificat d‘apprentissentage du permis de conduire de la catégorie B« ausgestellt.

    Weil der Betroffene aber weiterhin nicht aufhörte, Eingaben zu machen und Gutachten einzureichen, um den Ausschlußbeschluß vom Adapto abgeändert zu erhalten, muß die dafür zuständige »Gestionnaire de direction« das Dossier ein paar Schreibtische weitergereicht haben, um dem Querulanten mal eins auszuwischen.

    Prompt langte Anfang Juli ein mit Ende Juni datiertes Einschreiben beim Betroffenen ein, der ihn noch betroffener machte. Denn da stand, da er an »infirmités ou troubles susceptibles d‘entraver ses aptitudes ou capacités de conduire« leide, werde verordnet, ihm seinen Führerschein der Kategorie AM ebenso zu entziehen wie seine Berechtigung, die Fahrschule zu besuchen im Hinblick auf den Führerschein B.

    Nun ist der gute Mann tatsächlich seit seinem schweren Motorradunfall vor Jahren nicht mehr in der Lage, Motorrad zu fahren und hat das auch nie wieder versucht. Im Sitzen hat er aber keine Gleichgewichtsprobleme, die ihm im Bus aber in Gefahr bringen, wenn der Fahrer zu früh anfährt, bevor er sitzt, oder wenn er keinen Sitzplatz ergattert.

    Das Schlimmste am Schrieb aber ist die Behauptung, er sei Ende Mai vor der medizinischen Kommission gehört worden, denn da war er nie. Richtig arg ist, daß die Polizei letzten Sonntag um 8 Uhr früh an der Haustür Sturm läutete, um die Papiere zu kassieren. Sind wir schon in einem Polizeistaat?
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  • Luxemburg22. Juli 2021

    Die Kranken- und Mutterschaftsversicherung hat eine Gesamtreserve von 959 Millionen Euro

    Sachleistungen in Höhe von 2.845,1 Millionen Euro

    von Ali Ruckert

    Am 14. Juli dieses Jahres genehmigte der Verwaltungsrat der Krankenkasse (CNS) die Jahreskonten und die Bilanz des Jahres 2020 der Kranken- und Mutterschaftsversicherung. Daraus geht hervor, dass die CNS Einnahmen in Höhe von 3.764 Millionen Euro und Ausgaben von 3.777 Millionen Euro hatte, so dass das Jahr mit einem kleinen Fehlbetrag abschloss.

    Diese Entwicklung geht auf eine Reihe Ausgaben im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise zurück, ändert aber nichts daran, dass die finanzielle Lage der Kranken- und Mutterschaftsversicherung ausgezeichnet ist, verfügt sie doch über eine Gesamtreserve von 959 Millionen Euro; das entspricht 25,4 Prozent der laufenden Ausgaben und geht weit über die vom Gesetz vorgeschriebene Mindestreserve von 378 Millionen Euro hinaus.

    896.000 Versicherte

    2020 waren im Durchschnitt 896.550 Personen krankenversichert, davon hatten knapp mehr als ein Drittel (35,5 Prozent) ihren Wohnsitz im Ausland.

    2020 gab die Kranken- und Mutterschaftsversicherung 2.845,1 Millionen Euro für Sachleistungen aus, 248,7 Millionen Euro oder 9,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

    Von den 2.325,9 Millionen Euro, die hierzulande für Leistungen bezahlt wurden, wurden 1.141,6 Millionen Euro für Krankenhauspflege, 461,7 Millionen Euro für medizinische Versorgung, 252,9 Millionen Euro für Medikamente (außerhalb der Krankenhäuser) und 94,8 Millionen Euro für zahnmedizinische Betreuung ausgegeben, aber nur 7,1 Millionen Euro für Präventivmedizin. Die Ausgaben für Therapie- und Genesungskuren gingen von 9 auf 5,5 Millionen Euro zurück.

    Im Ausland wurden Leistungen für insgesamt 508,6 Millionen Euro übernommen, davon 486,1 Millionen Euro auf der Grundlage internationaler Konventionen.

    Die Geldleistungen, die 2019 noch 203 Millionen Euro betragen hatten, explodierten im vergangenen Jahr regelrecht und stiegen auf 341,3 Millionen Euro, bedingt unter anderem durch die direkte Übernahme des Krankengeldes durch die Krankenkasse statt durch die Betriebe für die Zeit zwischen dem 1. April 2020 und dem Ende des Krisenzustands.

    Die Einnahmen von 3.764,4 Millionen Euro setzten sich aus den Beiträgen der Versicherten in Höhe von 1.994,4 Millionen Euro und einem Pauschalbeitrag des Staates von 40 Prozent der Ausgaben (1.329,6 Millionen Euro) zusammen.

    Hinzu kamen 426,5 Millionen Euro aus der Beteiligung dritter, davon 386 Millionen Euro seitens des Staates für außergewöhnliche Covid-Maßnahmen in Form des erweiterten Sonderurlaubs aus familiären Gründen und des »Congé pour raisons familiales«.

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