Von neuen »Wertschöpfungsoptionen« und alten Ausbeutungsmechanismen
Allerdings machte der Minister keine Angaben darüber, welche Wirtschaftsbereiche und Betriebe zu den Krisengewinnern gehören und welche zu den Verlierern. Selbst die Feststellung, dass das Bruttoinlandsprodukt 2020 lediglich um 1,3 Prozent zurückging und 2021 mit einem Zuwachs von sechs Prozent zu rechnen ist, sagt nichts über die Erschütterungen aus, die es in verschiedenen Wirtschaftsbereichen gab und erst recht nichts darüber, dass eine Reihe von Betrieben die Krise ausnutzen, um lange zuvor beschlossene Produktionsverlagerungen ins Ausland durchzuziehen und bereits bestehende Rationalisierungspläne umzusetzen und Hunderte von Arbeitsplätzen abzubauen, wie das zum Beispiel auf ArcelorMittal und Guardian zutrifft.
Mag sein, dass die Banken, die Einzelhandelskonzerne und andere gut durch die Krise kamen, für Zehntausende von Lohnabhängigen war das hingegen nicht der Fall, denn sie mussten über lange Monate kurzarbeiten und hatten große Lohneinbußen und einen Rückgang ihrer Kaufkraft zu beklagen.
Selbst wenn die Corona-Pandemie gänzlich überwunden wird, muss befürchtet werden, dass das Kapital alles daran setzen wird, um die Folgen der Krise auf die Lohnabhängigen abzuwälzen, wie das bereits zuvor der Fall war.
Nicht anders wird es sein, wenn strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft erfolgen und sich infolge des wissenschaftlich-technischen Fortschritts neue »Wertschöpfungsoptionen« ergeben werden.
Die Pilotprojekte, welche Wirtschaftsminister Fayot diese Woche für die nächsten Jahre ankündigte, sollen darauf ausgerichtet sein, »Luxemburgs Unternehmen strategisch zu unterstützen«, zum Beispiel über die Errichtung einer »Plattform für Datenaustauschdienste«, die Entwicklung von »intelligenten Gewerbegebieten« und die Schaffung »einer Open Cloud zusammen mit dem Privatsektor«.
Abgesehen davon, dass es sich hierbei im tolle Schlagworte handelt, denen noch konkrete Inhalte folgen müssen, ist die Absicht eindeutig: Der Staat will massiv investieren, um für das Kapital die besten Voraussetzungen zu schaffen, um den »ökologischen Umbau« der Wirtschaft, die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz im Produktionsprozess voranzutreiben und somit möglichst hohe Profitraten zu garantieren.
Alles soll umgekrempelt werden, damit alles beim Alten bleibt: Die Umverteilung zugunsten des Kapitals geht weiter, die Ausbeutung der Lohnabhängigen auch, und die Profite werden privatisiert, womit die Eigentümer der Produktionsmittel die Gewinner und die Schaffenden die Verlierer des wirtschaftlichen Umbaus und neuer Ausbeutungsmechanismen sein werden. Es ist das Gegenteil von dem, was man unter einer gerechten Gesellschaft versteht.
