Kaleidoskop15. Januar 2022

Novi Sad beginnt Kulturhauptstadtjahr

von dpa/ZLV

Mit einem aufwendigen Multimediaspektakel hat die nordserbische Stadt Novi Sad am Donnerstagabend das »Europäische Kulturhauptstadtjahr 2022« eröffnet. Die Show »Zeniteum« startete um 20.22 Uhr vor dem Gebäude der Provinzregierung. Mitwirkende und Publikum trotzten Temperaturen unter null Grad.

Der Schöpfer des Spektakels, der slowenische Künstler Dragan Zivadinov, wollte eine Synthese von Avantgardekunst und Wissenschaften zeigen. Schauspieler, Musiker, Tänzer und Chorsänger schufen ein ansprechendes Werk, zu dessen Optik auch futuristische Kostüme und raffinierte Lichteffekte beitrugen.

Eine in schwindelnde Höhen ragende Bühnenkonstruktion umhüllte das Gebäude der Provinzregierung, im Volksmund »Banovina« genannt. Das architektonische Meisterwerk war im Bauhausstil nach Plänen des jugoslawischen Architekten Dragisa Brasovan von 1936 bis 1939 erbaut worden.

Der Titel der Show spielt auf die stilprägende jugoslawische Avantgardekunstzeitschrift »Zenit« an, die in den 20er Jahren zuerst in Zagreb und dann in Belgrad erschienen war. Regisseur Zivadinov stützte sich auf die Ästhetik des russischen Futurismus sowie der Kult- und Post-Industrial-Band Laibach.

Personifiziert wurde in der Show unter anderem die aus der Nähe von Novi Sad stammende Mathematikerin und Physikerin Mileva Maric, die Albert Einsteins erste Ehefrau war. Ihre Rolle als fachkundige Weggefährtin des Begründers der Relativitätstheorie soll auch im weiteren Kulturhauptstadtjahr gewürdigt werden.

Als Überraschungseffekt kurz vor Schluß schalteten die Veranstalter live ins Weltall. Von der Internationalen Raumstation (ISS) meldeten sich der deutsche Astronaut Matthias Maurer und zwei russische Kosmonauten mit Friedensgrüßen und Glückwünschen für Novi Sad zu Wort.

Das Kulturhauptstadtjahr in Novi Sad steht unter dem Motto »Für neue Brücken«, unter Anspielung auf die Lage der Stadt an der völkerverbindenden Donau. Bis Jahresende sollen 1.500 Programme unter Mitwirkung von 4.000 Kunstschaffenden realisiert werden. Als Hauptstadt der Provinz Vojovodina blickt die 340.000-Einwohner-Stadt auf eine lange multi-ethnische Tradition zurück.

Den Titel »Europäische Kulturhauptstadt« tragen in diesem Jahr auch Esch und Kaunas in Litauen. In Kaunas soll das Kulturhauptstadtjahr am 22. Januar offiziell eröffnet werden. In Esch ist die große Eröffnungsparty für den 26. Februar geplant.