• Kultur07. April 2021

    Ein Konflikt von Macht und Recht

    von Axel Knönagel, dpa

    Ein Konflikt von Macht und Recht

     »Der Fall des Präsidenten«

    Kann ein früherer USA-Präsident vor Gericht für Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht werden, die während seiner Regierungszeit geschahen? Diese brisante Frage stellt Marc Elsberg in seinem Justiz- und Politthriller »Der Fall des Präsidenten«.

    So etwas hat es noch nicht gegeben. Als der frühere USA-Präsident Douglas Turner auf dem Flughafen von Athen eintrifft, wird er von der griechischen Polizei festgenommen. Zu seiner Überraschung erfährt der einst mächtigste Mann der Welt, daß der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen internationalen Haftbefehl gegen ihn herausgegeben hat. Als Befehlshaber der Streitkräfte der USA sei er verantwortlich für Kriegsverbrechen in Afghanistan.

    Mit dieser beispiellosen Aktion, die Schockwellen in aller Welt auslöst, beginnt Bestsellerautor Marc Elsberg seinen Thriller »Der Fall des Präsidenten«. Drehbuchreif beschreibt Elsberg die Konfrontation zwischen dem Politiker, dessen Name wohl nicht ganz zufällig mit den gleichen Initialen beginnt wie die Donald Trumps, und den Polizisten, die sich auf den Auftrag eines Gerichts der Organisation der Vereinten Nationen berufen können und die Unterstützung des griechischen Staates haben.

    Die USA-Regierung kann einen solchen Vorgang natürlich nicht hinnehmen. Nicht nur, weil der Präsident als unantastbar gilt, sondern besonders, weil die USA den Internationalen Strafgerichtshof grundsätzlich nicht als zuständig anerkennen, wenn USA-Bürger betroffen sind. Marc Elsberg hat sich ein komplexes Thema gewählt, sorgt aber dafür, daß die wichtigen Hintergrundinformationen zum internationalen Recht vermittelt werden. Für Turner ist ohnehin klar, daß ein Gericht in einem solchen Fall nichts zu melden hat: »Hier geht es nicht um Rechtliches. Es ist eine Machtfrage! Die entscheiden nicht Richter oder Staatsanwälte. Sondern Politiker.«

    Die Festnahme setzt den aktuellen USA-Präsidenten gehörig unter Druck. Der hat zwar nichts übrig für seinen Vorgänger, aber ein paar Monate vor seiner möglichen Wiederwahl kann er sich kein Zeichen von Schwäche leisten. In einer weltweit übertragenen Fernsehansprache betont er: »Die Vereinigten Staaten können einen derartigen Angriff auf ihre Souveränität nicht zulassen. Daher werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren.«

    Tatsächlich haben die USA viele Mittel, um Douglas Turner aus dem griechischen Untersuchungsgefängnis herauszubekommen, und sie setzen sie alle ein. Der Präsident schickt einen seiner Berater mit einem Anwaltsteam nach Athen, um die Freilassung vor Gericht durchzusetzen. Marc Elsberg kann so immer wieder spannende Gerichtsszenen in den Roman einbauen.

    Aber das ist nicht die einzige Maßnahme der USA. Es gibt konkrete Planungen, Turner mit Gewalt aus dem Gefängnis zu holen. Vor allem aber wird die Arbeit des Strafgerichtshofs behindert. Leidtragende dieser Strategie ist in erster Linie die Juristin Dana. Der Strafgerichtshof hatte die junge Frau nach Athen geschickt, um als Zeugin bei Turners Festnahme anwesend zu sein. Aber dann geht etwas schief, und sie muß auf einmal ihre Behörde vor dem Haftrichter vertreten. So wird sie zur Hauptgegnerin der USA und muß erleben, mit welch vielfältigen Mitteln die Haft des Ex-Präsidenten beendet werden soll.

    Es gibt aber noch eine weitere Maßnahme der USA, die einen wichtigen Teil der Handlung einnimmt. Die Regierung ist überzeugt, daß es in ihren eigenen Reihen einen Informanten geben muß, der als Whistleblower belastende Geheiminformationen aus Afghanistan weitergegeben hat. Und tatsächlich gibt es einen jungen Mann in Deutschland, der sich verfolgt fühlt und um sein Leben fürchtet.

    Vieles von dem, was die US-amerikanischen Regierungsvertreter unternehmen, geschieht im Verborgenen, aber gleichzeitig nutzt Marc Elsberg die Gelegenheit, die Macht der Medien, vor allem aber von Social Media zu demonstrieren. Immer und überall strömen Texte und Bilder auf die Menschen ein, ohne daß irgendjemand überprüfen könnte, was stimmt, was gefälscht ist und wie die Beiträge überhaupt zustande gekommen sind.

    Marc Elsberg hat in »Der Fall des Präsidenten« aus einer sehr komplexen Ausgangssituation zwischen Weltpolitik und internationalem Recht einen spannenden Thriller gemacht. Die Handlung erstreckt sich nur über wenige Tage, aber sie ist voller Wendungen und Überraschungen. Marc Elsberg erzählt die Geschichte in vielen kurzen Kapiteln mit zahlreichen Perspektivwechseln und Spannungsmomenten.

     

    Marc Elsberg
    Der Fall des Präsidenten
    Blanvalet Verlag, München
    604 Seiten, 24 Euro (D)
    ISBN 978-3-7645-1047-3

     

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  • Kultur03. April 2021

    Vom Gänschen zum Pickvogel

    von Pierre Buchholz

    Vom Gänschen zum Pickvogel

    An diesem Wochenende feiern wir Ostern und die damit verbundenen Traditionen. Pandemiebedingt wurde, dem gesunden Menschenverstand sei Dank, erneut dieses Jahr die beliebte »Éimaischen« am Ostermontag abgesagt, welche ein Teil des offiziellen immateriellen Kulturerbes des Landes ist. Sie bezeichnet einen Markt, der in der Stadt Luxemburg auf dem »Fëschmaart« und in der Ortschaft Nospelt jährlich stattfindet und dessen Name auf die biblische Stadt Emmaus   zurückgehen soll.

    Vor fast 200 Jahren feierten die »Aulebäckeren«, die einstige Töpfergilde, am Ostermontag in der Michaelskirche in der Stadt Luxemburg die Zunftmesse, begleitet von einem beschaulichen Tonwarenmarkt, welcher urkundlich erstmals am 3. April 1827 erwähnt und auf den Fischmarktplatz verlegt wurde.

    Der Markt erlebte im Laufe der Jahrzehnte Höhen und Tiefen und wandelte sich vom reinen Töpfermarkt in einen beliebten Jahrmarkt. Nospelt erinnert seit 1957 an sein einstiges florierendes Töpferhandwerk mit seiner eigenen heimischen »Éimaischen«.

    Besondere Bekanntheit erlangten die Keramikpfeifen, die »Péckvillercher«, die auf beiden Märkten angeboten wurden und werden. Die einst rotbraunen Keramikpfeifen sind in Sammlerkreisen sehr begehrt. Ihre Herstellung erfolgt im sogenannten Raku-Verfahren, eine spezielle Brenntechnik keramischer Massen, die in Japan entwickelt wurde.

    Der Vogel entwickelte sich ursprünglich aus der italienischen »ocarina«, welches wörtlich »kleine Gans« bedeutet und instrumentenkundlich eine runde Gefäßflöte ist.

    Okarinas sind über 12.000 Jahre alt und sind in vielen alten Hochkulturen vertreten. In Südamerika hatten sie meist die Form von Vögeln oder anderen Tieren, während sie im chinesischen Raum eher eiförmig waren. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte der italienische Tonbrenner Giuseppe Donati die heute vorherrschende rübenförmige Gestalt.

    Diese Okarinas zählen mittlerweile zu den klassischen Instrumenten mit einer Vielfalt von Tonumfang, Tonlagen und Oktaven. Zu ihnen gesellen sich unsere »Péckvillercher«, deren traditionelle Vogelform inzwischen auch durch andere Tierformen und abstrakte Formen ergänzt wurden und auf ihnen bis zu zwei Oktaven gespielt werden können.

    Unser traditioneller Pickvogel ist allerdings nicht allein. Vogelähnliche Gefäßflöten sind schon seit dem Mittelalter in Rußland bekannt und in Estland und Schweden piepen sie als »Pardipill« und »Lergök«.

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  • Kultur02. April 2021

    «So dunkel hier», à voir à Neimënster

    Un grand spectacle de Mémoire

    de Michel Schroeder

    Le temps est couvert. La pluie s’annonce. Autrement dit, la soirée n’incite vraiment pas à assister à un spectacle en plein air.

    Nous écoutons, avec beaucoup d’attention et d’intérêt, l’introduction à la pièce faite par l’historien Denis Scuto, qui se déroule dans la Salle Robert Krieps. Comme à son habitude, Scuto dissèque, va en profondeur, dit des choses très intéressantes. Le «Gauleiter» Simon se transforme, sous nos yeux (ou plutôt nos oreilles) en un personnage qui a joué un rôle terrible dans notre pays pendant la Seconde Guerre mondiale. Le deux août 1940, Gustav Simon fut nommé «Gauleiter» de l’administration civile du Grand-duché de Luxembourg, par décret du Führer Adolf Hitler. Le «Gauleiter» était le responsable régional politique du parti nazi (NSDAP) et le responsable administratif d'un «Gau», circonscription territoriale.

    Leurs compétences militaires et judiciaires sont devenues de plus en plus importantes, celles du Gauleiter Simon évidemment aussi. On ose à peine imaginer les dégâts moraux, sociétaux, etc. dont il fût l’instigateur.

    Après son arrestation par l’armée britannique, le 10 décembre 1945, Simon a été incarcéré à la prison de Paderborn. Quelques jours plus tard, le 18 décembre, il s’est pendu dans sa cellule, afin d’éviter son extradition vers notre pays où l’attendait un procès pour crimes de guerre. Il fut toutefois décidé de transférer sa dépouille vers notre pays, afin d’obtenir la confirmation qu’il s’agissait bien de sa dépouille et non pas d’un simulacre. Puis, des rumeurs ont vu le jour. On a prétendu que Simon avait trouvé la mort lors de son dernier voyage. Rien, ni document, ni piste sérieuse ne confirme cette thèse.

    Elise Schmit, dramaturge à l‘imagination débordante

    Et c’est ici qu’intervient la dramaturge Elise Schmit.

    Lorsque nous sortons de la Salle Robert Krieps, le temps semble s’être abonné à quelques signes hivernaux, avec ce froid qui se glisse sur le quartier du Grund et le parvis de l'abbaye de Neumünster où va être jouée, en extérieur, la pièce «So dunkel hier». Allons-nous assister à la représentation ? C’est la question que nous nous sommes posés. Comme des couvertures sont distribuées, nous prenons la décision, et croyez-moi, ce fût la bonne, de rester pour assister au spectacle, un grand spectacle de Mémoire, mais de théâtre aussi.

    Présentée en ce lieu, la pièce s’inscrit d’office dans un lieu imprégné d’Histoire. Les Casemates du Bock sont illuminées, on entend des gens qui parlent fort.

    La météo n’est vraiment pas propice, mais aucun siège n’est libre. Les spectatrices et spectateurs qui ont réservé des places, savent que ce sale temps, ce temps «de chien» comme on dit dans le langage populaire, va porter le spectacle, va faire partie du spectacle.

    Puis, les acteurs vont entrer en scène. Ils sont tout imprégnés par leur personnage. On les sent vivre intensément leur rôle. Le texte est profond, intéressant. Le public est assis autour de la scène. C’est original, et permet un visuel fort intéressant.

    Quatre personnages ont été interprétés ce soir-là par les acteurs. Outre le Gauleiter Simon, trois personnages qui ont été en relation avec lui: Hanns Alexander, Léone Muller et Richard Hengst.

    «So dunkel hier» investit l’Histoire, mais aussi la rumeur de l’époque, ainsi que l’imagination fertile d’Elise Schmit. Le Gauleiter Simon, interprété par Marc Baum, va mourir, sous les yeux du public, de cinq façons différentes, et toutes plausibles finalement.

    Avant de vous quitter, je voudrais encore vous donner quelques repères historiques, concernant les trois personnages qui ont connu Gustav Simon, et qui sont brillamment incarnés sur scène. Hanns Alexander est interprété par Konstantin Rommelfangen. Juif de Berlin, Hanns Alexander a été l’un des plus importants chasseurs de nazis. C’est lui qui a arrêté Gustav Simon, et qui devait l’amener à Luxembourg. Léone Müller, jouée par Elsa Rauchs, s’est occupée du rapatriement des camps de nombreux prisonniers luxembourgeois. Le gouvernement luxembourgeois a tenu à ce qu’elle accompagne Gustav Simon lors de son dernier voyage. Et enfin, Richard Hengst, interprété par Nickel Bösenberg. Malgré ses rôles très controversés, il a été dénazifié, ce qui, pour beaucoup, a été une décision inacceptable.

    Le texte de la pièce «So dunkel» hier est d’Elise Schmit, la mise en scène d’Anne Simon.

    Poète, philologue, dramaturge, auteur, Elise Schmit a publié, entre autres, «Stürze aus verschiedenen Fallhöhen», texte pour lequel elle a obtenu le Prix Servais en 2019, chez Hydre Editions, et «Discours sur la Littérature», au CNL de Mersch. Elle est actuellement auteur en résidence au Théâtre national du Luxembourg.

    «So dunkel hier» est une coproduction entre l’Hanns a.s.b.l, Neimënster et l’Escher Theater, en partenariat avec l’Université de Luxembourg, le Musée national de la Résistance d’Esch et le Zentrum fir politesch Bildung.

    Pour les prochaines représentations, surveillez l’agenda culturel, car il est prévu que cette pièce sera rejouée dans les mois à venir.

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  • Kultur02. April 2021

    Brit Awards: Dua Lipa, Bruce Springsteen und Taylor Swift nominiert

    von dpa

    Pop-Superstar Dua Lipa (Foto) ist bei den diesjährigen Brit Awards in drei Kategorien nominiert und gilt als Favoritin. Die Londonerin hat Chancen auf einen Preis als beste nationale Künstlerin, für das beste Album (»Future Nostalgia«) und die beste Single (»Physical«). Ebenfalls für jeweils drei Brit Awards nominiert sind Celeste (»Little Runaway«) und Arlo Parks (»Hope«). Die drei Sängerinnen konkurrieren um das beste Album sowie als beste nationale Künstlerin und beste Newcomerin.

    Nachdem es im vorigen Jahr Kritik gab, daß Frauen unterrepräsentiert seien, sind sie in der Topkategorie »Bestes Britisches Album« nun in der Überzahl. Unter den fünf Nominierten ist der Rapper J Hus der einzige Mann. Er ist auch als bester Künstler nominiert. Sänger Harry Styles wurde in der Rubrik überraschend nicht berücksichtigt. Der frühere One-Direction-Star hat allerdings Chancen auf den Brit für die beste Single (»Watermelon Sugar«).

    Hoffnung auf den Bandpreis können sich unter anderem die mehrfachen Brit-Gewinner Little Mix und The 1975 machen. Auch die schottische Rockband Biffy Clyro, die schon 2011 und 2017 nominiert war, aber beide Male leer ausging, gehört wieder zum Kandidatenkreis.

    Die prominentesten Namen finden sich bei den Brit Awards 2021 in den internationalen Rubriken. Dort tritt Altrocker Bruce Springsteen gegen The Weeknd, Childish Gambino und Tame Impala an. Als beste internationale Künstlerinnen nominiert sind die Topstars Ariana Grande, Billie Eilish, Cardi B, Miley Cyrus und Taylor Swift.

    Nachdem 2020 kein Brit Award für die beste internationale Band vergeben wurde, wurde die Kategorie in diesem Jahr wieder eingeführt. Die koreanische Boygroup BTS gilt als Favorit. Auch die Foo Fighters, Haim, Fontaines DC und Run The Jewels sind nominiert. Die Preisverleihung findet am 11. Mai in London statt. Wie die Veranstaltung in diesem Jahr ablaufen soll, ist noch offen.

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  • Kultur01. April 2021

    Les 21, 23, 27, 28 et 29 avril et 2 mai au TNL

    «La peste» d'Albert Camus

    Naturellement, vous savez ce que c'est, Rieux? –J'attends le résultat des analyses. Moi, je le sais. Et je n'ai pas besoin d'analyses. J'ai fait une partie de ma carrière en Chine, et j'ai vu quelques cas à Paris, il y a une vingtaine d'années. Seulement, on n'a pas osé leur donner un nom, sur le moment ... Et puis, comme disait un confrère: «C'est impossible, tout le monde sait qu'elle a disparu de l'Occident.»

    Oran, un jour d'avril 1940, le docteur Rieux découvre le cadavre d'un rat sur son palier. Quelques jours plus tard, une agence de presse annonce que plus de six mille rats ont été ramassés le jour même. L'angoisse s'accroît. Quelques personnes commencent à émettre quelques récriminations contre la municipalité. Le concierge de l'immeuble de Rieux tombe malade. Le docteur essaye de le soigner. Sa maladie s'aggrave rapidement. Rieux ne peut rien faire pour le sauver. Le concierge succombe à un mal violent et mystérieux.

    Les morts se multiplient. Après bien des réticences et des tracasseries administratives, Rieux parvient à ce que les autorités prennent conscience de l'épidémie et se décident à «fermer» la ville. La ville s'installe peu à peu dans l'isolement. L'enfermement et la peur modifient les comportements collectifs et individuels: la peste fut notre affaire à tous, note le narrateur.

    Le constat est terrible et sans appel. Et sa résonance aujourd’hui, en période de pandémie, particulièrement douloureuse. Il n’est pas surprenant que pendant le confinement de 2020, les ventes du roman aient augmenté. Il ne faut cependant pas oublier que La peste ne décrit pas seulement une crise sanitaire, mais fait figure de métaphore pour une crise plus profonde, politique et sociétale.

    Albert Camus naît à Mondovi, en Algérie, en 1913. Pendant la seconde guerre mondiale, il intègre un mouvement de résistance à Paris, puis devient rédacteur en chef du journal «Combat» à la Libération. Romancier, dramaturge et essayiste, il signe notamment «L'étranger» (1942) et «La peste» (1947), et a reçu le «Prix Nobel de littérature» en 1957. Il est mort en 1960 dans un accident de voiture.

    «La peste» est un roman, mais il est bâti comme une tragédie en cinq actes. On a assez d’arguments pour le porter sur scène. Dans sa mise en scène, Frank Hoffmann veut se concentrer sur l’essence même de l’oeuvre en inventant une forme particulièrement propice au fait théâtral.

    «La peste» d'Albert Camus. Mise en scène: Frank Hoffmann. Dramaturgie: Florian Hirsch. Avec: François Camus, Marie Jung.

    Les 21, 23, 27, 28 et 29 avril, chaque fois à 21h30. Dimanche, 2 mai, 17 h. Durée: 90 minutes. Prix: 20 euros, réduit 8 euros. Théâtre National du Luxembourg (TNL), route de Longwy, Merl.

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  • Kultur01. April 2021

    Keil in der geschlossenen Heimatfront

    von Björn Blach

    Emil Carlebachs »Hitler war kein Betriebsunfall« verdeutlicht das Zusammenspiel von Faschisten und Faschismus

    Zum 80. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg im vorigen Jahr legte der Neue Impulse Verlag zwei Bücher wieder auf, die in keinem »antifaschistischen« Bücherregal fehlen dürfen: Allan Mersons »Kommunistischer Widerstand in Nazideutschland« und Emil Carlebachs »Hitler war kein Betriebsunfall«.

    Emil Carlebachs Buch zeichnet sich durch eine einfache, aber lebendige Sprache aus. Ihm gelingt es, mit Hilfe zahlreicher Dokumente den Weg Hitlers an die Macht nachzuzeichnen. Er benennt nicht nur diejenigen aus Kapital und Militär, die ein Interesse am Naziregime hatten, sondern belegt deren aktives Handeln für den Faschismus.

    Er zeichnet ein anschauliches Bild von der katastrophalen sozialen Lage der Bevölkerung der Weimarer Republik in der Folge der Weltwirtschaftskrise 1929. Auf der anderen Seite das Monopolkapital, die bürgerlichen Eliten und die Generalität. Mit besonderer Dreistigkeit bereiteten sie einen zweiten Anlauf zur deutschen Herrschaft über Europa vor und strebten danach, die Arbeiterbewegung zu zerschlagen. Während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse wurde festgehalten: »Ohne die Zusammenarbeit der deutschen Industrie und der Nazipartei hätten Hitler und seine Parteigenossen niemals die Macht in Deutschland ergreifen und festigen können und das Dritte Reich hätte nie gewagt, die Welt in einen Krieg zu stürzen.«

    Von diesen Erkenntnissen wollten die Herrschenden 1978, zum Zeitpunkt der Erstauflage des Buches, nichts wissen. Über 40 Jahre später, aus einer vorherrschenden Position in Europa und neuen imperialistischen Ambitionen des deutschen Monopolkapitals, erst recht nicht.

    Im Vorwort fragte Emil Carlebach 1978 rhetorisch: »Soll in Schule, Universität, in Forschung und Politik lieber verhüllt als enthüllt werden, wie es zu der sogenannten ‚Machtergreifung‘ kam?« Heute muß man diese Frage bejahen. Bücher und Filme über Hitler, zig Titelseiten des »Spiegel« – nicht zur Erklärung, sondern zur Verklärung.

    Mit Auschwitz und Menschenrechten werden seit Ende der 1990er Jahre Kriege begründet, die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung Europas verschwiegen, Faschismus und Sozialismus gleichgesetzt. Moralisierendes Gerede gegen Rassismus und für Vielfalt verbindet sich mit Hetze gegen Rußland und China: Das deutsche Monopolkapital arbeitet daran, die Massen ideologisch für seine Interessen zu mobilisieren. Emil Carlebachs Buch zeigt auf, daß dazu auch Faschisten gehören – ihre Rolle aber ohne die dahinterstehenden Interessen nicht verstanden werden kann.

     

    Emil Carlebach
    Hitler war
    kein Betriebsunfall

    Neue Impulse Verlag Essen
    224 Seiten, 16,80 Euro (D)
    ISBN/EAN: 9783961700202

    Das Buch kann bei der Redaktion der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« bestellt werden

     

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    Emil Carlebach, geboren 1914 in Frankfurt, wuchs in einer bürgerlich-konservativen Kaufmannsfamilie auf. 1933 verhaftet beim Verteilen von Flugblättern, vier Wochen Gefängnis. Ein Jahr später erneut verhaftet, drei Jahre Gefängnis, anschließend Konzentrationslager Dachau, dann Buchenwald. Er war Blockältester im jüdischen Häftlingsblock und gehörte zu den Organisatoren der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald.

    1945 kehrte er nach Frankfurter zurück, wurde Stadtverordneter und Mitglied des Landtags. Er gehörte zu den Herausgebern der »Frankfurter Rundschau«, bis ihm 1947 die US-amerikanischen Militärbehörden die Herausgeberlizenz entzogen. Nach dem KPD-Verbot 1956 floh er in die DDR und wurde Chefsprecher beim »Freiheitssender 904«, mit dem die KPD versuchte, in die BRD zu wirken.

    1969 kam Emil Carlebach in die Bundesrepublik zurück, wurde Mitglied der DKP. Er wirkte vor allem in der VVN und als Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung »die tat«. Emil Carlebach starb vor 20 Jahren, im April 2001.

    Georg Fülberth fragt in einem Referat, was von Emil Carlebach bleibt: „Das Sozialismusverständnis des Kommunisten Emil Carlebach war geprägt vom Kampf gegen den Faschismus und gegen die Weltkriegsgefahr, nach 1945: die Gefahr eines atomaren Weltkriegs. Beide waren für ihn Resultate des Kapitalismus. Der Sozialismus, nicht irgendein Liberalismus, war für ihn die Gegenordnung. Der Faschismus ist nicht Vergangenheit, sondern bleibt ein Beweger der bürgerlichen Politik, solange es die bürgerliche Gesellschaft gibt.

    Hiergegen anzugehen, so wie Emil Carlebach das tat: das ist die Aufgabe, die er uns hinterließ. Wir ehren ihn, indem wir diese Aufgabe annehmen.“

     

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