• Kultur20. November 2021

    Am 20. und 21. November

    »Walfer Bicherdeeg«

    Die Gemeinde Walferdingen sowie das Centre national de litterature laden zu diesjährigen »Walfer Bicherdeeg« ein, um das Buch und das Lesen zu feiern.

    Das Thema in diesem Jahr lautet »Von Zauberworten und Zukunftsmut«. Es ist eine Einladung, um das Buch und das Lesen zu feiern sowie Träume zu wagen und Ideen zu teilen.

    Die Besucher tauchen ein in die fantasievoll-magische Welt der Kinderliteratur. Wo geheime Tore warten, sich im Bekannten das Besondere versteckt. Jede Menge Raum zum Staunen, Lernen und Wachsen.

    Da die diesjährige Ausgabe der »Walfer Bicherdeeg« ganz im Zeichen der Heranwachsenden steht, wurde ein besonderer Fokus auf die Kinder- und Jugendliteratur gelegt. Aus diesem Grund haben die Organisatoren beschlossen, dieser Literaturgattung mehr Platz einzuräumen und in das Centre Prince Henri umzuziehen.

    Eine weitere Neuerung ist, dass es dieses Jahr keine gemischten Hallen mehr geben wird. In Halle 1 werden Bücher aus zweiter Hand zu finden sein, Halle 2 ist den professionellen Ausstellern gewidmet und das Centre Prince Henri lädt in das Reich der Heranwachsenden ein. Lesungen für Kinder finden im ersten Stock des Centre Prince Henri am 20. November von 10.30 bis 17 Uhr statt.

    Lesungen für Erwachsene werden ebenso am 20. November angeboten, von 10 bis 16.30 Uhr, jedoch im Maison Dufaing.

    Darüber hinaus ist eine Ausstellung der Walfer Foto-Frënn zu besichtigen.

    Die »Walfer Bicherdeeg«  sind am Samstag, dem 20. November, von 9 bis 20 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Am Sonntag, dem 21. November, werden die Besucher von 9 bis 18 Uhr empfangen. Eintritt frei, allerdings auf Grund der anhaltenden Pandemie nur mit CovidCheck.

     Das Gelände ist zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Transportmitteln gut zu erreichen.

    Anfahrt mit dem Bus erfolgt mit der Linie 11 oder 290. Die Haltestelle auf Höhe des Centre Prince Henri direkt am Festgelände heißt »Gemengeplaz«. Busse zwischen der Hauptstadt und Walferdingen verkehren regelmäßig. Das Festgelände ist vom Walferdinger Bahnhof in 10 Minuten zu Fuß zu erreichen.

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  • Kultur19. November 2021

    Superstar wird auf »30« bewußt sehr persönlich

    Adele ist zurück

    von Philip Dethlefs, London

    Bei einem Konzert in der Wahlheimat Los Angeles begeistert Adele ihr prominentes Publikum und hilft bei einem Heiratsantrag. Daß ihre eigene Ehe zerbrach, verarbeitet sie auf dem neuen Album »30«. Niemand leidet so schön wie sie.

    Die Kulisse ist filmreif und fast ein wenig kitschig. Vor dem Panorama eines perfekten Sonnenuntergangs in den Hollywood Hills gibt Adele ihr erstes Konzert seit über vier Jahren. Am Griffith-Observatorium begeistert die Sängerin ein erlesenes Publikum – darunter Schauspieler Leonardo DiCaprio, Popstar Lizzo und Talker James Corden. Sie singt nicht nur bekannte Hits wie »Hello«, den Bond-Song »Skyfall« oder »Rolling In The Deep«, sondern gewährt auch einen Vorgeschmack auf ihr viertes Album.

    Gleich vier neue Lieder von »30« gibt die 33-Jährige bei dem Auftritt zum Besten, der schon im Oktober aufgezeichnet und inzwischen als Teil eines TV-Specials von Talk-Ikone Oprah Winfrey ausgestrahlt wurde. Unterbrochen wird der Gig von Interview-Passagen. Dafür hatte Adele neben Oprah im Garten Platz genommen. Das TV-Event, als persönliches Gespräch zwischen den beiden Frauen vermarktet, lieferte jedoch nichts Kontroverses.

    Während sich der Himmel über den berühmten Hollywood-Buchstaben verdunkelt, singt Adele, die viel Energie und Selbstbewußtsein ausstrahlt, neben ihrer Comeback-Single »Easy On Me« auch die wuchtige Soulballade »I Drink Wine«. Darin verarbeitet sie die Trennung von ihrem Mann Simon Konecki vor drei Jahren. »Du kannst mir glauben, daß ich versuche zu klettern«, singt sie. »Aber auch wenn wir immer höher klettern, sind wir doch kein bißchen schlauer.«

    Der Wein, so die Kernbotschaft des Songs, ist das letzte, was noch die Stimmung hebe, aber damit könne niemand zufrieden sein. »Ich habe aufgehört, Alkohol zu trinken«, berichtet Adele bei Oprah. »Ein hervorragender Schritt, um sich selbst wirklich kennenzulernen, ist einfach Wasser zu trinken und absolut nüchtern zu sein.«

    Die Sängerin hat ohnehin ein ambivalentes Verhältnis zum Alkohol. »Er hat mir meinen Vater genommen.« Als sie zwei Jahre alt war, verließ er die Familie. In diesem April starb er an Krebs. Nachdem sie sich in den vergangenen Jahren angenähert hatten, konnte Adele ihrem Vater immerhin noch ihr neues Album vorspielen, bevor er starb. »Seine Lieblingssongs waren meine Lieblingssongs, das war unglaublich«, erzählt sie bei Oprah. »Das war alles sehr, sehr heilsam.«

    Die Scheidung hingegen nagt noch sehr an Adele. Es sei ihr peinlich, daß sie »so schnell geheiratet« habe und sich dann habe scheiden lassen. Ihr ganzes Leben sei sie davon besessen gewesen, eine intakte Familie zu haben, »weil ich selbst nie eine hatte«, sagt Adele mit Blick auf den abwesenden Vater. »Als ich sehr jung war, habe ich mir selbst geschworen, daß, wenn ich Kinder habe, wir zusammen bleiben. Und ich habe das wirklich, wirklich lange versucht.«

    Das mutmachende »Hold On« dreht sich wohl auch um ihre zerbrochene Ehe und die Leere danach. »Halte durch, laß dir Zeit, bleib geduldig«, schmettert sie. »Bald kommt die Liebe, halte einfach durch.« Die mitreißende Soulnummer zum Schmachten gipfelt in einem grandiosen Finale mit Gospelchor. Und die neue Ballade »Love Is A Game« erinnert in Ansätzen an den Etta-James-Klassiker »At Last«. Längst darf man Adele in einem Satz mit solchen Ikonen nennen.

    Daß sie in ihren Liedern so viel Privates preisgibt, ist gewollt. »Musik hilft mir in vielen Situationen, und ich möchte das auch für Andere tun, sie daran erinnern, daß sie nicht allein sind«, erklärt sie auf Oprahs Sofa. Auch wenn sie durchaus manchmal Zweifel plagen. »Es gab Momente, als ich das Album geschrieben habe oder mir im Nachhinein noch mal etwas angehört habe, wo ich gedacht habe: ‚Das ist vielleicht etwas zu privat.’ Aber nichts ist so beängstigend wie das, was ich die letzten zwei, drei Jahre hinter verschlossenen Türen durchgemacht habe. Also habe ich keine Angst.«

    Zu Konecki, dem Vater ihres neunjährigen Sohnes Angelo, pflegt Adele nach eigenen Angaben ein enges freundschaftliches Verhältnis, auch wenn sie nicht mehr in ihn verliebt sei. Die beiden wohnen in Los Angeles sogar in direkter Nachbarschaft. Konecki habe ihr »das Leben gerettet«, als sie berühmt wurde, indem er ihr Stabilität gab. »Auch jetzt würde ich ihm noch mein Leben anvertrauen«, betont Adele. Ihr Angelo sitzt im Publikum. »Das ist die absolute Ehre meines Lebens.«

    Als wolle sie zeigen, daß sie immer noch an die Idee der Ehe glaubt, hilft sie während des Konzerts einem Mann bei dessen rührendem Heiratsantrag an seine langjährige Freundin und singt für die frisch Verlobten Bob Dylans »Make You Feel My Love«. Im Publikum fließen die Tränen. »Gott sei Dank hat sie Ja gesagt«, scherzt die Ausnahmesängerin. »Sonst hätte ich nicht gewußt, für wen ich das Lied singen soll.«

    An Publikum wird es Adele auch in Zukunft definitiv nicht mangeln. Zwei Konzerte im Londoner Hyde Park im Sommer 2022 waren in kürzester Zeit ausverkauft. Ihre neuen Songs sorgten in Los Angeles für tosenden Applaus und auch im Internet für begeisterte Reaktionen. Und wenn die Lieder ein Indiz für die Qualität ihres bis zuletzt streng geheim gehaltenen vierten Studioalbums sind (Veröffentlichung am heutigen 19. November), dann wird »30« ein weiterer Triumph für Adele Adkins.

    (dpa)

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  • Kultur18. November 2021

    Willie Nelsons neueste Familienproduktion

    Der Country-Patriarch

    von Günther Chalupa

    Willie Nelsons Energie scheint unendlich. Mit 88 Jahren nahm er das Album »The Willie Nelson Family« auf. Kein doppelter Nelson, kein dreifacher Nelson, sondern gleich sechs Mal Nelson im Studio.

    Es war ein Stelldichein der Nelsons. Für sein neues Album bemühte Country-Legende Willie Nelson diverse Familienmitglieder ins Studio. Vier von sieben Söhnen und Töchtern – Lukas und Micah, Paula und Amy – sowie Schwester Bobbie Nelson unterstützten den 88-jährigen Patriarchen bei einem Werk, das mit zwingender Logik den Titel »The Willie Nelson Family« trägt.

    Der Senior der US-amerikanischen Country-Szene mit der unverkennbaren, leicht kratzigen Stimme gelangt mit dieser Scheibe in rekordverdächtige Regionen. Denn nach Darstellung auf seiner eigenen Website ist dies bereits das 71. Studioalbum des Stars, dessen visuelle Markenzeichen meist die Zöpfe und das Stirnband sind. Und ans Aufhören denkt der Unermüdliche noch lange nicht: Ab November bis Ende April 2022 sind neun Konzerte geplant.

    »The Willie Nelson Family« bietet zwölf Gospel-inspirierte Lieblingssongs, die Hälfte davon bekannte Eigenkompositionen von Nelson, diesmal aber mit Familienbeteiligung. Die andere Hälfte beinhaltet Klassiker wie A.P. Carters »Keep It On The Sunnyside«, »I Saw The Light« von Hank Williams, Kris Kristoffersons »Why Me« und zuguterletzt George Harrisons »All Things Must Pass«.

    Der Opener »Family Bible«, eine der frühesten Kompositionen von Willie Nelson, entstand 1957. Der junge Songwriter verkaufte den Song an den Musiker und Produzenten Paul Buskirk, der wiederum den Sänger Claude Gray für die Aufnahme gewann. Für Nelson war der Erfolg dieses Songs das Sprungbrett zum Umzug von Texas nach Nashville, wo er sich einen Namen machte. Der Song ist inzwischen fester Bestandteil aller seiner Konzerte.

    Willie Nelsons Kinder und Schwester halfen bei dem neuen Album tatkräftig mit. Bobbie Nelson spielt Klavier, Sohn Lukas ist Gitarrist und Sänger, Micah Schlagzeuger, während Paula und Amy für den Hintergrundgesang zuständig sind.

    dpa

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  • Kultur18. November 2021

    Sting erinnert mit neuem Album an alte Zeiten

    Fast wie früher

    von David Kluthe

    Mit der Band The Police wurde er berühmt. Danach verzauberte Sting seine Fans mit einfühlsamen Balladen als Solokünstler. Nach Jahrzehnten voller Experimente bringt er nun ein neues Album heraus – und klingt dabei fast wie früher.

    Nach 45 Jahren auf der Bühne sollte man wissen, was einen erwartet. Bei Gordon Matthew Sumner alias Sting ist das anders. Er mache noch immer denselben Job wie damals mit 25, sagte er vor Kurzem dem Berliner »Tagesspiegel« zu seinem 70. Geburtstag. In der Zwischenzeit hat sich der ehemalige Sänger und Bassist der Band The Police jedoch immer wieder neu erfunden. Jazz, Reggae, Pop, New Wave, Klassik, um nur einige seiner musikalischen Ausflüge zu nennen. Am 19. November bringt Sting sein neues Album »The Bridge« heraus – und schlägt mal wieder ruhige Töne früherer Zeiten an.

    Zuletzt hatte Sting älteres Material neu aufbereitet. Auf dem 2019 erschienenen Album »My Songs« präsentierte er seine großen Hits (»Englishman In New York«, »If You Love Somebody Set Them Free«) in leicht verändertem Arrangement. Die anschließende Tour fiel coronabedingt aus und wird im kommenden Jahr nachgeholt. Im Frühjahr veröffentlichte er zudem eine Duett-Sammlung aus den vergangenen 30 Jahren.

    Nun also wieder ein reines Sting-Album: Es beginnt rockig mit »Rushing Water«. Es folgt mit »If It's Love« ein Song zum Mitpfeifen – mit Bezug zur Vergangenheit: Aufgewachsen in der britischen Hafenstadt Newcastle half Sumner als kleiner Junge seinem Vater beim Milchausfahren. Sein Vater sei kein besonders fröhlicher Mensch gewesen, verriet Sting dem »Playboy«, aber er habe ständig gepfiffen.

    Ansonsten geht es auf dem neuen Album eher ruhig zu. Stings prägnante Stimme sticht hervor. Bei Balladen wie »For Her Love« fühlt man sich zurückversetzt in Zeiten von »Shape Of My Heart« und »Fragile«. Stings langjähriger Begleiter und Gitarrist Dominic Miller darf da natürlich nicht fehlen. Auch der Titelsong des Albums »The Bridge« paßt musikalisch zu früheren Erfolgen.

    Wie »Rushing Water« hat auch dieser Song das Wasser zum Thema, wobei Sting hier ausdrücklich nicht nur die Verbindung zwischen zwei Ufern meint. Es geht ihm um eine Zeit, die von großen Krisen wie dem Klimawandel und der Corona-Pandemie geprägt ist. »Politisch, sozial und psychologisch – wir stecken alle in irgendwas fest«, so Sting. Brücken würden helfen, Menschen aus solchen Krisen zu führen. Ein verbindendes Element, zwischen Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, Gegenwart und Vergangenheit.

    Die Brücke zu seinen musikalischen Anfängen müßte allerdings ziemlich lang sein. Den internationalen Durchbruch schaffte Sting Ende der 1970er Jahre mit der dreiköpfigen Band The Police. Hits wie »Every Breath You Take«, »So Lonely« und »Roxanne« laufen bis heute. Auch bei seiner anschließenden Solokarriere blieb der Erfolg nicht aus. Gerade mit Balladen wie »Fields of Gold« und »When We Dance« bewegte der Sänger die Menschen.

    Im Laufe der Zeit schreckte Sting auch vor musikalischen Experimenten nicht zurück. Er widmete sich der Lautenmusik und gab Konzerte mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Selbst als Schauspieler versuchte er sich hin und wieder, etwa in dem Science-Fiction-Epos »Dune – Der Wüstenplanet« (1984). Zwischendurch scharte er Stars wie Eric Clapton und Bryan Adams um sich. Seinen bisher letzten von insgesamt 17 Grammys gewann Sting für das gemeinsame Reggae-Album mit Shaggy. Ein weiterer Beleg dafür, daß sich Sting nicht auf eine Musikrichtung reduzieren läßt.

    Wem bei Auftritten mit Shaggy, Kanye West und Co. der alte Sting zu kurz kam, wird beim neuen Album wieder aufdrehen. Balladen wie »Waters of Tyne« oder rhythmisch verspielte Songs wie »Harmony Road« hätten auch auf früheren Alben funktioniert. Für »Captain Bateman« knöpfte sich Sting einen Hunderte Jahre alten englischen Folksong vor. Ganz ohne Sprünge zwischen den Zeiten und Genres kommt Sting also auch auf seinem neuen Album nicht aus.

    dpa

     

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  • Kultur17. November 2021

    Goya, Manet und Picasso malten Erschießungsszenen

    Drei Exekutionen

    von Klaus Stein

    Gegenwärtig zeigt das Kölner Museum Ludwig die Ausstellung »Der geteilte Picasso. Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR«. Ein prominentes Exponat ist das »Massaker in Korea« aus dem Pariser Musée Picasso. Anfang 1951 entstand das Bild als Reaktion auf den Krieg der USA gegen Nordkorea. Unmittelbarer Anlaß war ein Massaker zwischen dem 17. Oktober und 7. Dezember 1950. Das »Museum amerikanischer Kriegsgräuel« in Sinchon zählt 35.383 Zivilisten, die durch US-amerikanische Streitkräfte und deren südkoreanische Unterstützer in diesem Ort getötet worden sind. Damals wurde das Land vor allem durch Luftangriffe verwüstet.

    Ein Waffenstillstandsabkommen bestätigt drei Jahre später, am 27. Juli 1953, die vormalige Demarkationslinie auf dem 38. Breitengrad. Die Bilanz des Krieges: Der Zahl von 37.000 getöteten US-Amerikanern steht die von 4,5 Millionen koreanischer und chinesischer Opfer gegenüber. Die meisten wurden von Napalm- und anderen Bomben getroffen.

    Korea war 1945 nach dem Sieg über Japan faktisch in eine sowjetische und eine amerikanische Besatzungszone aufgeteilt worden. Zwar hatten die Alliierten in Jalta die Wiedervereinigung des Landes beschlossen. Aber die USA verhinderten sie. Stattdessen wurde ein Regime unter Rhee Syng-man installiert, das brutal gegen die Volkskomitees für Unabhängigkeit und Einheit vorging und schließlich am 15. August 1948 die Republik Korea ausrief. Der Norden zog am 9. September nach. Es entstand die Koreanische Volksdemokratische Republik (KVDR). Präsident wurde Kim Il Sung, der ehemalige Kommandeur der antijapanischen Partisanenverbände.

    Es kommt in der Folge ständig zu Zwischenfällen und Provokationen an der Demarkationslinie. Schließlich überschreiten am 25. Juni 1950 nordkoreanische Truppen die Grenze. Der UNO-Sicherheitsrat – in Abwesenheit der Vertreter der Sowjetunion – verurteilt unverzüglich den »Bruch des Friedens« und autorisiert am 30. Juli UNO-Truppen, diesen Konflikt militärisch zu regeln. Sie bestehen zu 90 Prozent aus US-Amerikanern. Die Welt ist alarmiert.

    Picasso war seit Oktober 1944 Genosse, Mitglied der Französischen Kommunistischen Partei. »Ein Kommunist bin ich geworden, weil unsere Partei mehr als andere sich darum bemüht, die Welt zu verstehen und zu bauen, und darum, daß Menschen klarer denken, freier und glücklicher sind. Ein Kommunist bin ich geworden, weil die Kommunisten in Frankreich, in der Sowjetunion wie in meinem eigenen Land, Spanien, am tapfersten sind.«

    Er engagiert sich in der Weltfriedensbewegung. Seine Lithografie »Die fliegende Taube« vom 9. Juli 1950 wird für den Warschauer Friedenskongreß (16. bis 22. November 1950) genutzt. Picasso ist Teilnehmer. Die Tagung des Weltfriedensrats vom Februar 1951 faßt eine »Entschließung über einen Beschluß der UNO, die Volksrepublik China ungerechterweise als Aggressor in Korea zu bezeichnen« sowie eine weitere »Zur friedlichen Lösung der Koreafrage«.

    Picassos Bild handelt die Ereignisse allegorisch ab. Einer Gruppe von Kindern, unterschiedlich ängstlich, und Frauen, schwangere darunter, stehen nackt vor Soldaten, die weder national noch historisch einzuordnen sind. Die merkwürdigen Gewehre, eckigen Helme und Rüstungen funktionieren allenfalls als überzeitliche Zeichen. Nur der Kommandeur ist vollständig bekleidet, er unterstreicht seine Befehle mit dem Schwert in der einen, dem Knüppel in der anderen Hand. Die Gesichter der Schützen bleiben verborgen. Die graue Farbe deutet ein Relief an. Beide Gruppen stehen parallel zur Bildfläche im Vordergrund. Zwischen ihnen ist karge Landschaft mit einer Ruine zu sehen, ein brennendes Gehöft zu erahnen, vielleicht ein Bombeneinschlag.

    Die Grube hinter den Frauen erinnert an Hinrichtungen wie die von Babij Jar (»Weiberschlucht«) nahe Kiew, als Einsatzgruppen der faschistischen deutschen Sicherheitspolizei mit Unterstützung der Wehrmacht und ukrainischer Kollaborateure am 29. und 30. September 1941 innerhalb von 48 Stunden mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordeten.

    Motivbestand und Aufteilung der Fläche ähnelt indes zwei sehr bekannten Werken der Kunstgeschichte. Das ist einmal das Bild von Francisco de Goya (1746 bis 1828). Es heißt: »Der 3. Mai 1808, Die Erschießung der Aufständischen« und ist 1814 entstanden. Beide Daten markieren Anfang und Ende eines brutalen Bürgerkriegs in Spanien.

    Am 23. März 1808 wird Madrid von Truppen des französischen Generals Joachim Murat besetzt. König Karl IV. hatte abdanken müssen. Sein Sohn Ferdinand wähnt sich als Nachfolger. Beide werden aber von Napoleon in Bayonne festgehalten. Denn es ist sein Bruder, Joseph Bonaparte, den er für den spanischen Thron vorgesehen hat. Allerdings sollen zuvor auch Ferdinands Geschwister außer Landes gebracht werden. Die Anhänger des Königshauses verweigern zunächst die Zustimmung zur Abreise der Infanten. Volk sammelt sich vor dem Königsschloß in Madrid. Französische Soldaten dringen ins Schloß ein.

    Daran entzündet sich der Aufstand. Goya schildert ihn in einem weiteren Bild, »Kampf mit den Mamelucken am 2. Mai 1808 in Madrid«. Aber die Madrilenen sind allenfalls mit Messern und anderen ungeeigneten Geräten bewaffnet. Und die spanischen Militäreinheiten bleiben in ihren Quartieren. So haben die französischen Besatzer bald die Oberhand. Es folgt ein Verbot von öffentlichen Versammlungen. Alle Waffen, ob Stoß- oder Schußwaffen, sind abzugeben. Erschossen wird, wer auch nur mit einem Messer angetroffen wird. Der 3. Mai 1808 ist Fanal des Bürgerkriegs gegen Napoleon und für König Ferdinand VII. Die Grausamkeiten dieses Guerilla-Kriegs hat Goya in dem Grafikzyklus »Desastres de la Guerra« geschildert.

    Der »Kampf mit den Mamelucken am 2. Mai 1808 in Madrid« ebenso wie »Die Erschießung der Aufständischen« sind erst nach der Niederlage Napoleons gemalt worden, pünktlich zum Einzug des Königs Ferdinand in Madrid. Vielleicht wurde sogar ein Triumphbogen damit geschmückt. Danach benötigte das Königshaus 40 Jahre, um die beiden Bilder der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Heute hängen sie als nationales Symbol im Prado. Sinnbild eines Aufstands, der die Rückkehr der gewohnten Knute erzwang.

    Aber Goya wird für Picasso zum Zeugen: Die militärische Brutalität, die anonymen Erschießungskommandos können gegen das Volk nicht siegen.

    Auf eine etwas andere Weise bezieht sich Édouard Manet (1832 bis 1883) mit seinem Werk »Die Erschießung Kaiser Maximilians«, 1868/69, auf Goya. Dem rechtmäßigen Staatspräsidenten von Mexiko, Benito Juárez, gelingt 1861 der Sieg im Bürgerkrieg. Er verweigert daraufhin den Schuldendienst. Frankreich, das von Napoléon III. regiert wird, hat besonders viel Kapital in den Bergbau investiert. Es interveniert. Nur militärisch sind die Profite noch zu sichern und eine Schuldenkrise abzuwenden.

    Erzherzog Maximilian, der jüngere Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph, ist jung, tatendurstig, vertrauensselig und beschäftigungslos. Geblendet von der Aussicht, wie sein Bruder als veritabler Kaiser regieren zu können, gibt Maximilian dem Drängen Napoléons III. nach, der in ihm eine leicht lenkbare Marionette sieht. Maximilian verabschiedet sich 1864 aus Wien, überquert den Ozean, benötigt aber noch ein Jahr, um nach der Landung in Mexiko militärisch die Oberhand zu bekommen. Ein fragiler Sieg. Denn Juárez schlägt immer wieder die französischen Invasionstruppen. Auch die USA mischen mit. Napoléon ist schließlich gezwungen, seine Truppen zurückzuholen. Maximilian bleibt ohne Schutz und wird am 19. Juni 1867 zusammen mit seinen mexikanischen Generälen Miramon und Mejia erschossen.

    Die französische Staatskasse wird durch das mexikanische Abenteuer mit insgesamt 363 Millionen Francs belastet. Die Hinrichtung eines Angehörigen des höchsten europäischen Adels erschüttert ganz Europa. Vor allem macht der Tod Maximilians das Scheitern des französischen Kaisers offenkundig. Im Januar 1869 erhält Manet vom Innenministerium einen Brief, der ihm Zensurmaßnahmen mitteilt. Das Ministerium verbietet ihm, »Die Erschießung Kaiser Maximilians« als Lithographie zu drucken und zu verbreiten. Ferner wird ihm angekündigt, daß sein Bild im nächsten Salon nicht ausgestellt werde. Wohl auf Anraten Émile Zolas wendet sich Manet an die Öffentlichkeit. Trotzdem bleiben die Zensurmaßnahmen bestehen. Die Lithographie kann erst 1884, nach dem Tode Manets, gedruckt werden.

    Auch nach dem Ende des zweiten Kaiserreichs wird das Bild in Frankreich nicht beliebter. Vor 1905 ist keine der Fassungen des Gemäldes in Frankreich ausgestellt worden. Die große Manet-Retrospektive von 1884 in Paris mit 189 Bildern, Zeichnungen und Lithographien enthält ebenfalls keine Spur von Manets Arbeit am Maximilian-Thema. Alle Fassungen des Bildes befinden sich bezeichnenderweise heute im Ausland. Sie sind zwischen 1909 und 1918 aus Frankreich verkauft worden.

    Der Zeitpunkt des mexikanischen Desasters kann für Bonaparte kaum ungünstiger sein. Denn das mexikanische Abenteuer scheitert, als alle Welt in diesem Sommer 1867 den Höhepunkt der aufwendig inszenierten Weltausstellung auf dem Pariser Marsfeld erwartet. Just am 1. Juli, dem Tag der Preisverleihungszeremonie, erreicht Napoleon III. die Nachricht von der Erschießung Maximilians. Sie platzt in die Feierlichkeiten. Anwesend sind der Sultan des Osmanischen Reiches, der Vizekönig von Ägypten sowie eine ganze Schar von Fürstlichkeiten aus ganz Europa. Das Fest wird von Rossinis bombastischer »Hymne an den Kaiser« samt Kanonendonner und Glockengeläut begleitet. Alles wartet auf Bonapartes Rede. Darin hebt er die nützliche Wirkung der Weltausstellung hervor, prahlt von der fortschrittlichen und friedlichen Rolle Frankreichs in der Welt, verliert aber kein Wort über das mexikanische Desaster.

    Rossinis Kanonendonner nimmt den preußisch-französischen Krieg samt Aufstand der Pariser Kommune vorweg. Aber das ist ein anderes Thema.

    Auch für Manet ist Goyas Erschießungsbild Zeuge für die Unausweichlichkeit der Niederlage der Aggressoren. Ebenso wie der erste Napoléon konnte der dritte nach seinem imperialistischen Abenteuer nur verlieren. Indes ist nicht sicher, ob Picasso Gelegenheit hatte, von Manets Gemälde Kenntnis zu nehmen.

     

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  • Kultur16. November 2021

    Le 19 novembre à l'Altrimenti

    «Devos à deux voix»

    Le public découvrira sur scène, Elisabeth Chuffart et Sylvie Beythan-Ory, deux personnages clownesques qui jonglent avec les mots de l'humoriste Raymond Devos dans une mise en scène drôle et subtile, les tournent et les retournent pour le plus grand plaisir. Les histoires, inspirées de situations quotidiennes, s’enchaînent en musique, pleines d’humour et de rebondissements.

    Formée au Conservatoire de Luxembourg, Elisabeth Chuffart fait ses premiers pas sur les planches grâce la Ligue d’improvisation théâtrale. Elle interprète des rôles sur la scène du TOL et du Centaure («Madame Marguerite», «Petit jeu sans conséquences», «C’était mieux avant», «La poste populaire»). Elle crée des spectacles pour des associations et accompagne des élèves sur les planches.

    Début septembre 2021, lors de l’ouverture du festival de théâtre de Beaufort, elle présente aux cotés de Norbert Rutili son adaptation théâtrale de «Fichu spectre» un texte poétique de Nathalie Hovasse sur le thème de la vieillesse. Depuis quelques années, elle développe le théâtre à domicile et continue à élargir son catalogue de pièces à commander à destination des privés, des entreprises ou des lycées. «Devos à deux voix» est l’une d’elles.

    Depuis 2007, Sylvie Beythan-Ory a quitté la communication du milieu bancaire pour se lancer dans l'aventure du conte, pour le plaisir des mots et surtout pour l’amour du public. Elle raconte en français ou en allemand des contes dans son atelier pour les faire rire, trembler et réfléchir. Elle crée en s’accompagnant de musique, d’objets, et de marionnettes une atmosphère magique, chez elle, une «maison du conte» ou sur scène, dans les universités, les écoles, les crèches, les foyers et les maisons de retraite.

    Elle a travaillé 10 ans pour la fondation EME (Ecouter pour Mieux s’Entendre) avec des musiciens qui l’ont accompagnée dans ses histoires, à l’accordéon, au bandonéon ou au violon. Passionnée de théâtre, elle accompagne depuis quelques années Elisabeth Chuffart dans certains de ses spectacles.

    Raymond Devos est né en 1922, mort en 2006. Autodidacte, il compense le fait d’avoir dû arrêter ses études en lisant beaucoup. Comme enfant, son père l'a emmené voir de nombreux spectacles de cirque, les clowns qui l'ont beaucoup fasciné.

    «Devos à deux voix», avec: Sylvie Beythan-Ory et Elisabeth Chuffart-Anselin. Mise en scène: Elisabeth Chuffart-Anselin.

    Vendredi 19 novembre, 20 h. Ouverture des portes: 19 h. Fermeture des caisses: 19h40. Les réservations sont maintenues jusqu’à 19h40. Prévente: 20 euros, caisse du soir: 25 euros. Altrimenti, 5, avenue Marie-Thérèse à Luxembourg.

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