Chinesisches Modul erfolgreich auf dem Mars gelandet
Für die chinesische Raumfahrt war es eine Premiere und ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der Volksrepublik: »Tianwen-1« war am 23. Juli 2020 zum Mars gestartet. Das war der erste Flug einer chinesischen Sonde zu einem anderen Planeten unseres Sonnensystems. In der Nacht zu Samstag erreichte das Landemodul mit dem Fahrzeug »Zhurong« (»Gott des Feuers«) sowie einer Transportkapsel die Oberfläche des Roten Planeten im Süden der Tiefebene Utopia Planitia – mutmaßlich ein früherer Ozean.
Der Raumflug sei »ein voller Erfolg« gewesen und »ein weiterer wichtiger Meilenstein des chinesischen Weltraumprogramms«, sagte Zhang Kejian, der Leiter der Raumfahrtbehörde CNSA. Vor allem das Landemanöver sei äußerst kompliziert gewesen, sagte Geng Yan, Mitarbeiter des chinesischen Raumfahrtprogramms: »Für jeden einzelnen Schritt gab es nur einen Versuch. Die Aktionen waren eng miteinanderverbunden. Wenn es nur einen Fehler gegeben hätte, wäre die Landung fehlgeschlagen«, sagte Yan.
Zum ersten Mal war der Volksrepublik ein interplanetarer Flug gelungen, zum ersten Mal und auf Anhieb gelang auch die Landung auf einem anderen Planeten. Dabei gelten der Flug zum Mars sowie die Landung wegen der im Vergleich zur Erde geringen Atmosphärendichte und der dortigen Wetterbedingungen als äußerst schwierig. Von vorausgegangenen Landeversuchen gelang nur etwa die Hälfte. Bislang waren dabei aber allein die USA erfolgreich, die NASA hatte allerdings zuvor bei mehreren Flügen zu unserem Nachbarplaneten Erfahrungen sammeln können.
Auch die Planungen für das chinesische Marsprogramm könnten zu Beginn anders ausgesehen haben. 2011 sollte die Sonde »Yinghuo-1« im Rahmen einer russischen Mission als »Huckepacknutzlast« der russischen Marssonde »Fobos-Grunt« zum Mars fliegen und von einer Umlaufbahn aus den Planeten erforschen. Doch »Fobos-Grunt« konnte den Parkorbit um die Erde nicht verlassen und verglühte mit seiner Nutzlast im Januar 2012 in der Erdatmosphäre.
Aufgaben der für mindestens drei Monate ausgelegten Untersuchungen des gelandeten, rund 240 Kilogramm schweren und mit Solarzellen ausgerüsteten chinesischen Fahrzeugs sind nun neben Untersuchungen der Oberfläche und des Oberflächengesteins die Suche nach Eis und Erzen, die Erforschung der inneren Struktur des Planeten sowie der Ionosphäre und des Klimas. Vorgesehen ist eine Rückholmission, mit der ca. 2029/30 Bodenproben vom Mars auf die Erde gebracht werden sollen.
Die chinesische Mission ist eine von drei Flügen zum Mars, die im Sommer 2020 von der Erde gestartet waren. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA hatten damals Sonden in Richtung des Roten Planeten geschickt. Bereits im Februar war das Fahrzeug »Perseverance« der NASA auf dem Mars gelandet.
Das chinesische Weltraumabenteuer geht derweil weiter: Schon wird ein Frachtflug zum Kernmodul der geplanten chinesischen Raumstation vorbereitet. Dazu wurde eine Trägerrakete vom Typ »Langer Marsch 7« zur Startrampe des Kosmodroms Wenchang auf der südlichen Insel Hainan gebracht. Die Zeitung »China Daily« berichtete am Montag, der Start des Raumschiffs »Tianzhou 2« (»Himmelsschiff«) werde in den nächsten Tagen erfolgen.
Der Cargoflug ist der zweite von insgesamt elf Flügen, mit denen China bis Ende kommenden Jahres seine eigene Raumstation fertigstellen will. »Tianzhou 2« soll Versorgungsgüter und Treibstoff zum Kernmodul »Tianhe« (»Himmlische Harmonie«) bringen, das Ende April ins All gebracht worden war. Das 10,5 Meter lange und 3,35 Meter breite Raumschiff kann 6,5 Tonnen transportieren.
Es handelt sich um Vorbereitungen für einen für Juni geplanten bemannten Raumflug mit »Shenzhou 12«. Die drei Raumfahrer sollen vom Kosmodrom Jiuquan in der Wüste Gobi starten und drei Monate an Bord von »Tianhe« bleiben. Das Flugprogramm ist eng getaktet: Im September soll ein weiterer Versorgungsflug starten und im Oktober sollen drei weitere Raumfahrer folgen. Um die Raumstation fertigzustellen, werden noch zwei jeweils gut 20 Tonnen schwere Labormodule ins All gebracht, die t-förmig an das Kernmodul anmontiert werden. Im nächsten Jahr sind noch zwei weitere Fracht- sowie zwei bemannte Raumflüge geplant.
