»Wir sind kein normaler kapitalistischer Betrieb«

P&T-Gruppe veröffentlicht Finanzergebnisse 2012 und betont ihre »ethische, gesellschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung«

Das Postunternehmen (P&T), das bis 1992 eine staatliche Verwaltung war, und seitdem als öffentlicher Betrieb funktioniert, habe »andere Werte« als ein »normaler kapitalistischer Betrieb«, betonte sein Verwaltungsratspräsident Serge Allegrezza am Donnerstag bei der Präsentation der Finanzergebnisse im Geschäftsjahr 2012. Deshalb wurde gestern zum ersten Mal ein sogenannter CSR-Bericht mitgeliefert, in dem die »ethische, gesellschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung« des Postunternehmens, die »Corporate Social Responsibility« (CSR), betont wird.

Trotz einer leichten Umsatzsteigerung um 2,1 Prozent auf 678,2 Millionen Euro gestand Claude Strasser, der seit April 2012 amtierende Generaldirektor, ein, man sehe sich »mit einer durchwachsenen Situation konfrontiert«. Immerhin sei es nach dem Rekordjahr 2011 gelungen, »unter schwierigen Konjunktur- und Wettbewerbsbedingungen den Kurs zu halten und ein solides Finanzergebnis zu erzielen«. Zwar hätten die Bereiche Postdienste und Finanzdienste mit Schwierigkeiten zu kämpfen, doch der Bereich Telekommunikation weise nach wie vor eine starke Wachstumsdynamik auf. Hingegen sei die Postbranche »durch den ungebrochenen strukturellen Rückgang des Sendungsvolumens gekennzeichnet«. Zwar befinde sich die Paketpost dank Internethandel und Direktmarketing im Aufschwung, dies könne den kontinuierlichen Rückgang der Briefpost aber nicht wettmachen.

Rückläufige Einnahmen bei den Finanzdienstleistungen (Postscheckkonten) führte Strasser auf das »historische Zinstief« zurück. Dafür konnte man sich im Hôtel des Postes darüber freuen, auch 2012 die Marktführerschaft im Bereich Telekommunikation verteidigt zu haben. Zwar stagniere das klassische Festnetz, doch seien starke Zuwächse beim Hochgeschwindigkeitsinternet, den Cloud & Managed Services, der »Tële vun der Post« und bei mobilen Datendiensten zu verzeichnen. Die Umsatzsteigerung sei jedoch vor allem auf Beteiligungserhöhungen bei den Tochterunternehmen Editus (von 50 auf fast 90 Prozent), Netcore (von 75 auf 100 Prozent) und Victor Buck Services (von 50 auf 90 Prozent) zurückzuführen.

Vor allem der Bausektor konnte sich 2012 über Investitionen von knapp 160 Millionen Euro freuen. Allegrezza und Strasser betonten beide, die P&T-Gruppe werde in Zukunft weiterhin »Überschüsse massiv in Infrastrukturen investieren«.

Daß das Betriebsergebnis der Gruppe im vergangenen Jahr um fast 21,5 Prozent auf 62,3 Millionen Euro zurückging, läßt sich Strasser zufolge vor allem mit dem »stetigen Druck auf die Margen in den Bereichen Post- und Finanzdienstleistungen« erklären, während er den Einbruch beim Reingewinn auf »den erheblichen Rückgang bei außergewöhnlichen Produkten, die 2011 besonders gut ausgefallen waren« zurückführte. Standen im Rekordjahr 2011 unterm Strich 115,8 Millionen Euro, so waren es im vergangenen Jahr 61,4 Millionen (-47 Prozent).

Im Rahmen der Vorstellung des CSR-Berichts erklärte P&T-Direktor Paul Peckels unter anderem, die Gruppe habe im vergangenen Jahr 299 Neueinstellungen vorgenommen und die Mitarbeiterzahl um 6,7 Prozent auf 3.923 gesteigert. Jedoch geht aus dem Jahresbericht hervor, daß die Zahl der Mitarbeiter, die direkt bei der Muttergesellschaft beschäftigt sind, von 2.915 auf 2.904 zurückgegangen ist. Selbst die Zahl der Mitarbeiter, die – unter schlechteren Bedingungen – für eines der vielen Tochterunternehmen der P&T arbeiten, erhöhte sich in erster Linie nur deshalb von 761 auf 1.019, weil wegen der Beteiligungserhöhungen nun mehr Beschäftigte von Editus, Netcore und Victor Buck Services mitgerechnet werden. Darauf angesprochen erklärte der Generaldirektor, die Zahl der netto hinzugekommenen Mitarbeiter sei »mit Sicherheit zweistellig«.

oe

Oliver Wagner : Freitag 5. Juli 2013