Neue Passprozedur oder Schilda lässt grüßen

Bekanntlich sieht die neue Antragsprozedur für Reisepässen vor, dass die Beamten der Einwohnermeldeämter die Anträge seit dem 29. Juni 2009 online an das Pass-amt weiterleiten. Hierzu ist das Gemeindepersonal neuerdings verpflichtet, ein biometrisches Passfoto des Antragstellers aufzunehmen sowie die Fingerabdrücke beider Zeigefinger und die Unterschrift digital abzuspeichern.

Die technischen Apparaturen wurden kurz vor erwähntem Stichdatum in den Gemeinden installiert. Anfänglich Startschwierigkeiten gab es vor allem bei der Abnahme der Fingerabdrücke. Diese Schwierigkeiten arteten soweit aus, dass seit kurzem eine EDVProgrammänderung vorgenommen wurde. Bisweilen entschied nämlich das EDV-Programm, ob der Abdruck gültig ist oder nicht, was zu erheblichen Zeitverzögerungen bei der Bedienung der Kunden in den Amtstuben führte. Künftig soll es dann wohl möglich sein, dass das Personal entscheiden kann welcher Abdruck denn schlussendlich für gut befunden wird, und nicht der Computer. Dies geschieht aber auch nur dann, nachdem 5 vergebliche Versuche (!), pro Finger und pro Hand, einen automatisch verwertbaren digitalen Abdruck unmöglich machen.

Die ohnehin zeitaufwändigere Bearbeitung der Passanträge wird durch die Tatsache erschwert, dass jetzt auch Kleinkinder und Babys im Besitz eines Passes sein müssen. So versuchen zum Beispiel die KollegenInnen, mit allen zulässigen Tricks schreiende Babys und Kleinkinder vor die genau angepasste Linse zu bekommen. Digitale Unterschriften für Kinder ab 6 Jahren (!) oder Fingerabdrücke ab 12 Jahre tun ihr übriges.

An der guten Absicht der Politik, diese neue Prozedur den Gemeinden zu übertragen, zweifelt niemand. Hier wurde jedoch wie so oft vergessen, Theorie und Praxis in Einklang zu bringen. Wir wehren uns nicht gegen die Vereinfachung der Verwaltungsprozeduren, jedoch sollten diese im Interesse der Kunden umgesetzt werden. Ob letztere allerdings begeistert sind, wenn sie wegen technischer Probleme unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen oder in langen Warteschlangen ausharren müssen, ist fraglich. Obendrein geht dieses wiederum zu Lasten der gegenwärtigen Vorurteile in Bezug auf das Gemeindepersonal.

Eine ideale und angesichts des zur Verfügung gestellten Materials auch billigere Lösung wäre die sofortige Schaffung regionaler Pass-Zentren gewesen. Zumindest eine Testphase in größeren Gemeinden, zwecks Abklärung aller Ungereimtheiten der neuen Prozedur wäre sicherlich im Vorfeld angebracht gewesen.

Wir stehen für den Dienst am Kunden und verwehren uns gegen derartige Schildbürgerstreiche.

FGFC-Gewerkschaft vum Gemengepersonal

Donnerstag 23. Juli 2009