Heintz van Landewyck pokert mit Indexabschaffung

Tarifverhandlungen nach Skandal gescheitert

Das Syndikat Nahrung, Genuß und Gaststätten im OGBL teilte gestern mit, daß die Kollektivvertragsverhandungen beim Tabakproduzenten Heintz van Landewyck gescheitert sind, nachdem zwar in einigen Punkten Vereinbarungen getroffen werden konnten, das Patronat jedoch die Lohnindexierung mit Lohnerhöhungen vermische.

So habe die Direktion für das Jahr 2013 eine einmalige Prämienzahlung von 100 Euro vorgeschlagen, sowie für 2014 eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent unter der Bedingung, daß das System der automatischen Lohnindexierung abgeschafft werde.

Die OGBL-Vertreter erklärten daraufhin, daß der Index kein Instrument der Lohnpolitik sei, sondern lediglich ein Mechanismus zur nachträglichen teilweisen Anpassung der Löhne an die Teuerung.
Erinnert sei an dieser Stelle auch daran, daß dieser Indexmechanismus bereits derart verstümmelt wurde, daß er kaum noch ausreichend funktionieren kann. Das Gesetz über den Indexklau, das die Regierungsparteien CSV und LSAP und die Oppositionsparteien DP und Déi Gréng am 26. Januar 2012 im Parlament stimmten, setzte den automatischen Indexmechanismus außer Kraft, denn es hielt fest, daß die Löhne – unabhängig davon, wann 2012, 2013 und 2014 eine Indextranche erfällt – erst zum 1. Oktober jedes Jahres an die Preisentwicklung angepaßt wird.

Zurück zu Heintz van Landewyck: Der OGBL erklärte in seiner Mitteilung vom Mittwoch, daß dieser Indexmechanismus auch zum »Erhalt des sozialen Friedens« notwendig sei und verurteilte die Haltung des Patronats als »skandalöses Verhalten« gegenüber den Beschäftigten.
Sogar, so die Gewerkschaft weiter, wenn das Unternehmen in diesem Jahr Investitionen in Höhe von 5 Millionen Euro in Luxemburg tätigen werde, obwohl nach Aussagen der Leitung die Geschäftsentwicklung mäßig sei, dürfe nicht vergessen werden, daß es sich um eine rentable Firma mit erheblichen Gewinnmargen handele.

Die an den Kollektivvertragsverhandlungen beteiligten Gewerkschaften kündigten an, das Schlichtungsamt anzurufen, nachdem 95 Prozent der Belegschaft ihnen dazu grünes Licht gegeben hätten.

Es ist mittlerweile unübersehbar, daß immer mehr Unternehmen die harte Linie fahren und alle »sozialpartnerschaftlichen« Feigenblätter abwerfen.

CK

Christoph Kühnemund : Donnerstag 13. Juni 2013