7.500 Beschäftigte warten seit Mai 2007 auf den Kollektivvertrag

Im Reinigungssektor braut sich ein Sozialkonflikt zusammen

Einmal abgesehen vom Reinigungspersonal, das bei kommunalen und staatlichen Verwaltungen angestellt ist, haben die meisten Beschäftigten im Reinigungsbereich Löhne, die dem Mindestlohn entsprechen oder unbedeutend höher sind.

Mehr als 90 Prozent der knapp 7.500 Beschäftigten im Reinigungsbereich sind Frauen, wobei viele von ihnen Grenzgänger und teilzeitbeschäftigt sind, weil sie Kinder haben.
Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist, im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen, niedrig. Der OGBL, der 70 Ausschussleute stellt und damit 75 Prozent der Gesamtzahl der Mandate, hatte im Februar dieses Jahres anläßlich des Gewerkschaftstages seines Reinigungssyndikats eine Mitgliederzahl von 2.577 angegeben.

Dass im Reinigungsbereich ein rauer Wind weht, ist seit langem bekannt, denn die sechs bis acht großen Unternehmen, die den Markt weitgehend unter sich aufteilen, sind nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, höhere Profite auf dem Buckel der Beschäftigten zu erzielen. Allein im Jahre 2008 musste die Gewerkschaft OGBL in 1.220 Fällen wegen Verstößen gegen das Arbeits- und das Sozialrecht einschreiten. Der Druck auf das Reinigungspersonal ist sehr groß, der Wink mit dem Brotkorb keine Seltenheit, und es gibt Fälle, in denen man von massiver Einschüchterung und Psychoterror sprechen kann – nicht zuletzt dann, wenn Beschäftigte krank werden.

Patronat wehrt sich mit Händen und Füßen gegen qualifizierten Mindestlohn

Wie wenig sozial die Unternehmer eingestellt sind, ist zudem daran ersichtlich, dass der Kollektivvertrag, der am 30. April 2007 fällig war, bis dato nicht erneuert wurde, und dass die Patronatsvereinigung sich mit Händen und Füßen dagegen zu Wehr setzt, Reinigungskräften, die seit 10 Jahren angestellt sind, den qualifizierten Mindestlohn zu bezahlen, obwohl nur knapp 7 Prozent der Beschäftigten davon betroffen wären.

Alle Gespräche zwischen Gewerkschaften und Patronat verliefen bisher ergebnislos, und auch die drei Verhandlungsrunden vor dem nationalen Schlichtungsamt endeten wie das Hornberger Schießen, da die Unternehmer sich kategorisch weigerten, angemessenen Verbesserungen zuzustimmen.

Am 4. Juli dieses Jahres lehnte die Tarifkommission des Reinigungssyndikats des OGBL das Patronatsangebot ab und beschloss die Mitglieder bis zum 30. September 2009 über eine Nichteinigung und gewerkschaftliche Aktionen zu befragen.

Anlässlich einer Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch waren die Gewerkschaftssekretäre Romain Daubenfeld (OGBL) und Patrick Zanier (LCGB) sich einig, dass die Gewerkschaften sich nicht länger hinhalten lassen wollen und die Schaffenden im Oktober aus dem Reinigungsbereich in einer Urabstimmung über gewerkschaftliche Aktionen entscheiden lassen wollen.

Gestern hieß es, man sei wohl bereit an den Verhandlungstisch zurückzukehren, aber nur unter der Bedingung, dass die Patronatsvereinigung zuvor im Prinzip zustimmen werde, eine Lohnerhöhung für die Jahre 2007 und 2008 zu gewähren, zusammen mit den Gewerkschaften eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um über die Ausarbeitung einer Lohntabelle zu reden, einen zusätzlichen Urlaubstag bei 5 Jahren Betriebszugehörigkeit zuzugestehen und eine Erhöhung der Jahresendprämie vorzunehmen.

Alles andere mache keinen Sinn, so die Gewerkschaftsvertreter, die bekräftigten, dass die Gewerkschaften nicht von ihren ursprünglichen Forderungen, darunter die Bezahlung des qualifizierten Mindestlohnes bei 10 Jahren Betriebszugehörigkeit, abrücken werden.

A.R.

Ali Ruckert : Donnerstag 16. Juli 2009