Unser Leitartikel:
Leere Versprechen

In wenigen Tagen beginnen die Schulferien. Für viele Jugendlichen, die stark motiviert und mit großen Erwartungen Ausschau nach einem Arbeitsplatz oder einer Anstellung als Lehrling halten, wird der Sommer allerdings mit einer Riesenenttäuschung beginnen. Trotz aller Bemühungen werden viele der 2.000 bis 3.000 Jugendlichen, die ihre Schule abschließen, ohne Ausbildungsplatz und ohne Lohn bleiben und sich mit Arbeitslosenunterstützung trösten müssen.

Viele Jugendlichen bemühen sich nun schon seit mehr als einem Jahr vergebens um eine feste Anstellung oder eine Lehrstelle. Andere waren vorübergehend in zeitlich begrenzten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingeschrieben, bevor sie irgendwann während der vergangenen Monate wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen werden.

Wie ist das möglich, wo die Patronatsorganisationen doch immer wieder behaupteten, sie würden so viele zusätzliche Lehrstellen schaffen?

Man komme uns jetzt nicht damit, die Jugendlichen seien faul, sie seien nicht motiviert, hätten keinen Initiativgeist oder würden die »Pension Mama« der Arbeitswelt vorziehen. Angesicht der negativen Erfahrungen, welche Hunderte von Jugendlichen auf der Suche nach einer Lehrstelle machten, sollten Unternehmer und Politiker sich solche Unterstellungen sparen.

Was soll ein Jugendlicher denn tun, wenn er mehr als 500 Bewerbungen geschrieben hat, rund 490 Unternehmer erst gar nicht antworteten und ein gutes Dutzend im Antwortschreiben angaben, keinen Bedarf an Lehrlingen zu haben? Oder wenn er nach sechs oder 12 Monaten in einer Beschäftigungsinitiative, während denen er sein Bestes gab, wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen wird und wieder stempeln gehen muss?

Tausende Jugendliche werden nun schon seit Jahren auf diese Weise hin und her geschoben, mit immer neuen, leeren Versprechungen hingehalten, von Informationssitzung zu Beratung, von Orientierungsseminaren zu Besprechungen gehetzt, aber eine Lehrstelle oder Arbeit gibt man ihnen nicht.

Tragen so die Unternehmer, die sich so gerne als »Arbeitgeber« bauchpinseln lassen, ihre »Verantwortung«? Oder ist »nationale Solidarität« nur da, damit die Schaffenden für die Krise bezahlen, die sie nicht verschuldet haben?

Was wurde aus den Versprechen der Regierung, sie werde dafür sorgen, dass die Beschäftigungsaussichten der Jugendlichen gezielt verbessert würden?

In ihrem Dringlichkeitsprogramm hatten die Kommunisten Arbeitsplätze und Lehrstellen für alle Schulabgänger gefordert, aber das wird die Regierungsparteien wenig jucken, so lange die Jugend nicht aufmuckt und deutlich macht, dass sie nicht bereit ist, sich wie ein Stück Dreck behandeln zu lassen.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Donnerstag 9. Juli 2009