Unser Leitartikel:
Hiobsbotschaften im Herbst?

Wie jedes Jahr um diese Zeit, kündigt sich im Bausektor der Kollektivurlaub so langsam an. Mit den ersten Vorbereitungen, um in wenigen Wochen Stress abbauende und geruhsame Urlaubstage verbringen zu können – größtenteils fernab bei Familie und Freunden in Portugal – haben so manche bereits begonnen. Die letzte Schicht wird, wie im Kollektivvertrag vereinbart, am 30. Juli verrichtet, am 23. August wird die Arbeit dann wieder aufgenommen. Viele können aufgrund verrichteter Samstagsarbeit sogar von einer zusätzlichen Urlaubswoche profitieren.

Es wird der erste Kollektivurlaub seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise sein. Mit »freiem« Kopf werden die Bauarbeiter dem Alltag also nicht entfliehen können. Viele werden sich die Frage stellen, ob sie bei ihrer Rückkehr nicht mit Hiobsbotschaften konfrontiert werden, ob der Bausektor von eventuellen Betriebsschließungen verschont bleiben wird. Denn an Gerüchten, die nichts gutes erahnen lassen, fehlt es derzeit im Bausektor nicht.

Die alljährlichen Sorgen darüber, ob bei ihrer Rückkehr die großen Mängel, die von den Beamten der Zollverwaltung und den Kontrolleuren der ITM bei ihren gründlich durchgeführten Baustellenkontrollen immer wieder festgestellt werden, endlich behoben sein werden, dürfte bei so manchem also nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Auch wenn die Verstöße vielfach die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz betreffen. Ob die Baustellen nicht oder nur ungenügend abgesichert sind oder den Beschäftigten erschwerende Arbeitsbedingungen aufgezwungen werden, die allen Sicherheitsbestimmungen trotzen.

Ihre wohl größten Sorgen dürften dieses Jahr also nicht den Arbeitsbedingungen gelten, sondern darin bestehen – und das ist auch verständlich – ob sie bei ihrer Rückkehr aus dem Urlaub ihren Job wieder antreten können. Wenn ja, dann die Frage, wie lange ihr Arbeitsplatz überhaupt noch abgesichert sein wird. Auch wird sich so mancher die Frage stellen, ob im Herbst kein weiterer Sozialabbau anstehen wird. Ob jene ihrer Kinder, die in diesen Tagen die Schule abschließen, in den nächsten Wochen und Monaten eine Arbeit finden werden, oder ob ihr Weg von der Schulbank direkt in die Arbeitslosigkeit führen wird. Besonders wenn sie die Schule ohne größere Qualifikation abschließen werden. Denn schließlich wird nicht damit zu rechnen sein, dass die Regierenden Arbeitsplätze für Unqualifizierte schaffen werden.

Dass die Krise dabei ist, in Luxemburg erst so richtig Fuß zu fassen und größere negative Auswirkungen auf die Arbeitsplätze womöglich bereits im Herbst anstehen werden, wird man auch den Beschäftigten des Bausektors nicht verheimlicht haben. Noch fehlte es in diesen letzten Wochen nicht merklich an Arbeitvolumen, schließlich müssen viele Baustellen vor dem Sommerurlaub abgeschlossen werden. Doch wie steht es im September mit den Aufträgen? Dass das von der Regierung beschlossene Konjunkturprogramm nicht ausreichen wird, um alle Arbeitsplätze im Sektor mittel- oder längerfristig abzusichern, dürfte nicht allein den Sekretären in den Gewerkschaftszentralen bekannt sein.
Ob man sich unter solchen Umständen guten Mutes auf Sommerferien vorbereiten kann?

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Mittwoch 8. Juli 2009