Hurra, wir haben wieder gerettet

Die frohe Botschaft kam am 20. Dezember, rechtzeitig vor Weihnachten. »Arbeitsplatzgarantie für über 6.000 Mitarbeiter«, meldete das »Tageblatt«, »Der Stahlstandort ist sicher«, verkündete das »Luxemburger Wort«.

Auch auf die Gefahr hin, als Spielverderber zu gelten, werden wir nicht in Jubel verfallen, sondern die Frage stellen, für wie blöd die Patronats-, Regierungs- und Gewerkschaftsvertreter, die verkündeten, die Stahlstandorte seien abgesichert, die Beschäftigten aus der Stahlindustrie eigentlich halten?

Wenige Tage, bevor die neue Rettungsaktion verkündet wurde, war bekannt geworden, dass ArcelorMittal in der Verwaltung und im Vertrieb 400 Arbeitsplätze abbauen würde. Keine Schlagzeile wert war gleichfalls die Meldung, dass die »Sozialpartner« sich darauf einigten(!), dass ArcelorMittal in den Hüttenwerken in Luxemburg zwischen 570 und 660 »überflüssige« Stellen in der Produktion streichen wird.
Man lese und staune: Da sollen innerhalb kurzer Zeit 1.000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie vernichtet werden, und die »Sozialpartner« verkünden, wieder einmal sei eine Rettungsaktion geglückt.

Fürchten sie denn nicht einmal, sich lächerlich zu machen mit dieser Siegesmeldung oder sind sie so abgebrüht, dass sie den Beschäftigten der Stahlindustrie zumuten, auch diese Verspottung widerspruchslos zu ertragen?

Wir geben zu, nicht mehr genau zu wissen, wie viele »Rettungsaktionen« die Stahlbarone während der vergangenen 35 Jahre mit der Zustimmung der Regierung und der Gewerkschaften durchführten. Das Resultat war jedoch immer dasselbe. Mit jeder »Rettungsaktion« wurden die Stahlherren reicher und die Arbeitsplätze weniger.

Die Rettungsaktionen begannen, als es noch fast 30.000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie gab, und sie wurden mit schöner Regelmäßigkeit wiederholt. Allerdings wurden immer weniger Arbeitsplätze gerettet, weil mit jeder »Rettungsaktion« deren vernichtet wurden, so dass es gegenwärtig im Kernbereich der Stahlindustrie in Luxemburg nur noch 2.860 Arbeitsplätze gibt, die man retten könnte.

Verantwortung für dieses Desaster tragen nicht nur das Patronat und die Regierung, sondern auch jene sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer, die mit den Stahlherren im Rahmen der Strategie der Sozialpartnerschaft kollaborierten, und das keineswegs immer zu ihrem persönlichen Schaden. Zumindest erleichtert es so ein Verwaltungsratsgehalt erheblich, dem Abbau von lächerlichen 1.000 Arbeitsplätzen und dem Verrat an Arbeiteressen zuzustimmen!

Aber das ist nicht neu, denn die Rolle der Sozialdemokraten in den Führungen von LSAP, OGBL und LCGB hat seit Beginn der Demontage der Stahlindustrie darin bestanden, Lohngarantie und Préretraite zu missbrauchen, um jeden Widerstand gegen den Abbau zu verhindern, kommunistische Gewerkschaftskollegen, die den Kahlschlag nicht tatenlos hinnehmen wollten, bei den Kollegen zu diskreditieren und in der Gewerkschaft zu diskriminieren, und alle Alternativen zur Demontage und zur Kollaboration mit den Stahlbaronen schlecht zu reden und zu bekämpfen. Auf diese Weise trugen sie aktiv dazu bei, die Beschäftigten der Stahlindustrie zu demoralisieren und die Gewerkschaftsbewegung die sie vorgaben zu verteidigen, zu schwächen.

So dass die Mittal, Wurth und Co. nicht um ihre Privilegien und Profite zu fürchten brauchen.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Sonntag 28. Dezember 2008