ArcelorMittal plant Kahlschlag in Lüttich

Wie ArcelorMittal am Donnerstag in Luxemburg mitteilte, hat der Stahlkonzern den Betriebsrat des Werks im belgischen Lüttich gestern auf einer außerordentlichen Betriebsratssitzung »mit Bedauern darüber informiert«, daß er sieben von zwölf Produktionslinien »dauerhaft schließen« will. Von dem Kahlschlag seien ungefähr 1.300 Arbeiter betroffen, heißt es in der Pressemitteilung.

Das Bandstahlwalzwerk in Chertal, eine von zwei Anlagen des Kaltwalzwerks in Tilleur, die Galvanisierungsstraßen 4 und 5 in Flémalle, die Anlagen für galvanische Verzinkung HP3 und HP4 in Marchin sowie die Kokerei in Seraing würden definitiv stillgelegt, »um auf die gesunkene Nachfrage zu reagieren«.

Als ArcelorMittal im Oktober 2011 die Flüssigphase in Lüttich schloß, wurden bereits 795 Arbeitsplätze vernichtet. Damals hieß es, die Aktivitäten in Lüttich würden auf die Stahlveredelung konzentriert, wofür fünf Haupt- und sieben flexible Straßen zur Verfügung stünden. Nun teilte ArcelorMittal mit, seit Oktober 2011 hätten sich die ökonomischen Perspektiven weiter verschlechtert. So sei die Stahlnachfrage in Europa im vergangenen Jahr um acht bis neun Prozent gegenüber 2011 zurückgegangen und liege nun 29 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

In den fünf Hauptstraßen in Lüttich, die ArcelorMittal vorerst weiterbetreiben will, arbeiten dem Konzern zufolge noch rund 800 Beschäftigte. Wenige Stunden nach Bekanntgabe der Kahlschlags­pläne reagierte die Partei der Arbeit Belgiens (PTB) mit einer Presseerklärung, in der die belgischen Kommunisten ihre Forderung nach einer Vergesellschaftung des Lütticher Werks gegen Zahlung eines symbolischen Euro erneuern.

»Mittal will nicht verkaufen? Das ist nicht schlimm. Die wallonische Regionalregierung muß die Unterstellung des Werks unter öffentliches Statut aufgrund eines sozialen Notstands und im Interesse der regionalen und nationalen Ökonomie dekretieren«, erklärte Damien Robert, Gemeinderatsmitglied der PTB in Seraing und Verantwortlicher seiner Partei für die Stahlindustrie.

oe

Oliver Wagner : Freitag 25. Januar 2013