Rückkauf der Cargolux-Aktien bereits erfolgt

Nicht von der Luxemburger Regierung, sondern aus der ausländischen Presse war am Montag zu erfahren, dass die Fluggesellschaft Qatar Airways ihren Aktienanteil an der Frachtfluggesellschaft Cargolux bereits am 1. Januar 2013 an den Luxemburger Staat verkaufte. Für den Rückkauf der Aktien bezahlte der Luxemburger Staat 117,5 Millionen Euro, exakt die gleiche Summe, für welche die Fluggesellschaft aus Katar die Aktien am 9. Juni 2011 gekauft hatte. Diese Abmachung war Teil der »strategischen Partnerschaft«, welche die Regierung im Auftrag der hiesigen Nomenklatura mit dem Scheichtum am Persischen Golf einging. Dazu gehörte auch der Verkauf von 90 Prozent der Aktien der »Banque Internationale du Luxembourg« (BIL) zu einem Vorzugspreis an »Precision Capital«, einen Investitionsfonds des Emirs von Katar.

Katar bleibt über BIL indirekt Aktionär von Cargolux

Auch nach dem Verkauf der Aktien von Cargolux bleibt der Katar allerdings indirekt Aktionär der Frachtfluggesellschaft, denn die BIL ist im Besitz von 13 Prozent der Aktien von Luxair, die wiederum 43 Prozent des Cargolux-Kapitals kontrolliert.

Qatar Airways hatte ihren Rückzug aus dem Kapital der Cargolux beschlossen, nachdem es den Katari nicht gelungen war, ein neues Geschäftsmodell, eine neue Handelsstrategie und die Nominierung von Richard Forson an der Spitze der Generaldirektion von Cargolux durchzusetzen.

Forson, zwischen 2003 und 2006 Finanzchef der Qatar Airways, war während der vergangenen Monate in seiner Funktion als Interims-Generaldirektor der Mann fürs Grobe gewesen.

Er hatte nicht nur mit Lohnkürzungen für die 1.500 Beschäftigten, darunter 400 Piloten, gedroht, sondern auch laut über die Auslagerung der 450 Beschäftigten des technischen Bereichs von Cargolux nachgedacht. Selbst die Kostenreduzierungen in Höhe von 140 Millionen Dollar, davon 63 Millionen Euro durch Sozialabbau, welche die Unternehmensberater von Oliver Wyman in einem Zwischenbericht ihrer Analyse zum Geschäftsmodell der Cargolux vorgeschlagen hatten, gingen dem Aktionär aus Kuwait und seinen Handlangern nicht weit genug.

Hinzu kommt, dass Qatar Airways darauf aus war, bei einer Kapitalerhöhung seinen Aktienanteil von 35 Prozent über die vertraglichen Abmachungen hinaus zu erhöhen.

Neuer strategischer Partner gesucht

Noch vor dem Rückkauf des Cargolux-Aktienpakets von Qatar-Airlines hatte die Regierung klargestellt, dass die Übernahme nur vorübergehend erfolge, und man Ausschau nach einem neuen strategischen Partner Ausschau halte. Seit langem bekannt ist, dass Fluggesellschaften aus China und Rußland, darunter das größte russische Luftfrachtunternehmen Volga-Dnepr, Interesse gezeigt hatten, bei Cargolux einzusteigen. Wer auch immer das Rennen machen wird, fest steht, dass Cargolux kurzfristig weder an einer neuen Handelsstrategie noch an einer Kapitalerhöhung vorbeikommen wird, um in dem von der kapitalistischen Krise arg gebeutelten Luftfrachtbereich zu bestehen.

A.R.

Ali Ruckert : Dienstag 15. Januar 2013