Chinesen übernehmen IEE

In Contern ansässiges Hightechunternehmen beliefert Automobilindustrie mit Sensortechnik

Sämtliche Aktien des in Contern ansässigen Hightechunternehmens International Electronics & Engineering (IEE) wurden einer Pressemitteilung vom Dienstag zufolge an ein Konsortium verkauft, zu dem zwei »strategische Investoren aus China« und ein »internationaler Finanzinvestor« gehören. IEE nannte weder den Namen des Käufers noch den Preis der Transaktion. Anlageberater schätzten die Verkaufssumme gestern auf 250 bis 500 Millionen Euro.

Wie es in der Pressemitteilung heißt, wurde bereits eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben, die Zustimmungen mehrerer Regulierungsbehörden stünden aber noch aus.

IEE wurde 1989 vom damaligen Stahlkonzern ARBED und der Societé Nationale de Crédit et d’Investissement (SNCI) mit dem Ziel gegründet, die luxemburgische Wirtschaft zu diversifizieren. Das vor allem die Automobilindustrie in Europa, den USA und Asien beliefernde Vorzeigeunternehmen beschäftigt in Luxemburg rund 600 Mitarbeiter in Contern und in Echternach sowie weitere 1.000 in Deutschland, der Slowakei, den USA, Südkorea, Japan und China. In der Volksrepublik ist IEE seit 2006 vertreten, mittlerweile werden in einem Werk im nordostchinesischen Langfang und in einer Verkaufsfiliale in Peking fast 500 Personen beschäftigt.

Der Jahresumsatz von 160 Millionen Euro wird vor allem mit Sensortechnik für den Fahrzeugbau (u.a. für Airbags) erwirtschaftet, die von IEE entwickelten und produzierten Elektronikbauteile kommen – der Internetseite des Unternehmens zufolge – aber mittlerweile auch in öffentlichen und kommerziell genutzten Gebäuden, in Mobiltelefonen und in Unterhaltungselektronik sowie im Gesundheitswesen zum Einsatz. In seiner Selbstdarstellung betont der Konzern, mehr als zehn Prozent seiner Mitarbeiter arbeiteten im Bereich Forschung und Entwicklung.

Die nun verkauften IEE-Aktien wurden zu 70 Prozent von dem in den USA, Europa und Israel operierenden Private-Equity-Fonds Apax Partners gehalten, jeweils zehn Prozent hielten die Beteiligungsgesellschaften BGL Investment Partners (BIP) und Luxempart sowie das Management von IEE. Nachdem sich die ARBED im Jahr 2001 mit der spanischen Aceralia und der französischen Usinor zum – 2006 von Mittal Steel geschluckten – Stahlkonzern Arcelor zusammengeschlossen hatte, kaufte Apax Partners die 70-prozentige Beteiligung 2004 für 125 Millionen Euro von der Arcelor und der SNCI. Seitdem konnte IEE seinen Umsatz von 70 auf 160 Millionen Euro mehr als verdoppeln und den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verdreifachen.

»Ich glaube, die neuen Aktionäre sind die idealen Partner, um IEE in seiner nächsten Entwicklungsphase zu helfen«, wird Bertrand Pivin, der zugleich Vorstandsvorsitzender bei IEE und »Partner« bei Apax Partners ist, in der Pressemitteilung zitiert. Dank des neuen Eigentümers könne IEE »seinen Zugang zum chinesischen Markt weiter verbessern«, ergänzte Konzernchef Hubert Jacobs van Merlen. Zudem werde die Produktpalette des Konzerns erweitert, da die chinesischen Aktionäre planten, ihre Produkte über IEE in Europa und den USA »zu bewerben und zu vertreiben«. Van Merlen spricht in diesem Zusammenhang von einem Technologieaustausch und einem »Zugang zu höheren Forschungsressourcen«.

Wegen der Absatzkrise der europäischen und US-amerikanischen Autoindustrie hat IEE vor vier Jahren 60 Arbeitsplätze in Luxemburg abgebaut. Gestern wurde versichert, der Eigentümerwechsel habe keine Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 9. Januar 2013