Online-Spielefirma mit Sitz in Luxemburg will sparen

Zynga baut Stellen ab

So mancher, der sich seine Freizeit mit Online-Spielen bei Facebook vertreibt, kennt die zahlreichen Spiele, bei denen gesät, geerntet und gesammelt werden muß. Viele der bekanntesten Spiele, wie das populäre Städtebauspiel »City Ville« mit weit über 100 Millionen Spielern, stammen aus dem Hause des 2007 gegründeten Unternehmens Zynga, welches in Jahr 2011 überschwenglich von den Ministern Krecké und Biltgen gefeiert wurde, als dieses ankündigte, seinen Sitz nach Luxemburg zu verlagern. Die beiden erklärten damals, daß die Investitionen in den ICT-Sektor nun Früchte tragen würden. Zynga tat sich allerdings schwer, zu beweisen, daß außer dem Genuß von steuerlichen Vorteilen auch das Schaffen von Arbeitsplätzen der Grund für die Etablierung einer Niederlassung in Luxemburg ist.

Doch die Feierlaune nach dem rekordverdächtigen Börsengang und traumhaften Umsatzzahlen 2011 dürfte mittlerweile vergangen sein. Im Oktober 2012 kündigte Zynga-Chef Mark Pincus an, fünf Prozent der rund 3.200 beschäftigten entlassen zu wollen und das Unternehmen einem straffen Sparkurs zu unterziehen. So wurden die Entwicklungsbüros in Boston, Großbritannien und Japan geschlossen und im Bereich der Datenverarbeitung, Dienstleistung und Werbung weiterer Abbau angekündigt.

Die meisten Spieleanwender beschweren sich dann auch eher über die Streichung ihrer Lieblingsspiele, denen sie tagtäglich viel Zeit und manchmal auch bares Geld widmen, als über den Abbau von Arbeitsplätzen. Immer mehr Anwender kehren Zynga nun den Rücken. Der Riese scheint angezählt und die blühenden Landschaften in Luxemburgs ICT-Welt wohl doch nicht so fabelhaft, wie die Herren Minister es 2011 prognostiziert hatten. Es stellt sich eben doch immer wieder heraus, daß all diese Niederlassungen in Luxemburg eben doch nur aus steuerlichen Gründen stattfinden und die wenigen dabei entstehenden, hochqualifizierten Stellen nicht von Einheimischen besetzt werden. Berühmtestes Beispiel ist etwa der Online-Handelsriese Amazon, der nicht der schönen Landschaft wegen im Jahr 2005 nach Luxemburg-Grund zog. Es ist kein Geheimnis mehr, daß der in Deutschland durch seine fragwürdigen Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen geratene Konzern ein geschicktes Netz von Ablegerfirmen gebildet hat um keine steuern zahlen zu müssen. Der Sitz in Luxemburg hat keine nennenswerten Arbeitsplätze, dafür aber eine Geldschleuse aus Europa in die USA geschaffen. Solche Unternehmen anzulocken, ist sicher nicht der Weg, Luxemburg für die Zukunft fit zu machen.

CK

Christoph Kühnemund : Donnerstag 3. Januar 2013