»W. e. gl. nët esou Hellegen Paul«

Mitarbeiter des katholischen Verlagshauses protestieren gegen angekündigten Personalabbau

Knapp 200 Mitarbeiter von Saint-Paul Luxembourg sind am Montagnachmittag dem Aufruf des LCGB gefolgt und haben vor dem Sitz des katholischen Verlagshauses in Luxemburg-Gasperich gegen Umstrukturierungspläne protestiert, die vor allem einen einschneidenden Personalabbau vorsehen. Im August wurde überraschend erklärt, der Verwaltungsrat von Saint-Paul habe den Abbau von »zirka 15 Prozent der heutigen Belegschaft« beschlossen. Dies würde bedeuten, daß rund 75 Kündigungen ausgesprochen werden. Rund 100 weitere Stellen sollen nach dem Willen der Chefetage aus der Saint-Paul-Gruppe ausgelagert werden.

»W. e. gl. nët esou Hellegen Paul«, »Vu baussen helleg, vu bannen fälleg«, »Saint Paul bleif e Betrieb!«, »Mir sinn Mënschen, keng Excel Tableaux’en«, »Dir Hären ët geet ëm eis Existenzen!« oder knapp »Fir ee Kollektivvertrag«, hieß es auf den Schildern der Kundgebungsteilnehmer. Jean-Paul Baudot vom LCGB zufolge beteiligten sich sogar 300 Mitarbeiter an der »ersten Demonstration bei Saint-Paul seit Bestehen der Gruppe«. Die Personalvertreter übergaben Generaldirektor Paul Lenert einen Brief, in dem sie ihre Forderungen darlegen. Dazu gehört, daß auch nach der Auslagerung der Anzeigen- und Marketingabteilung »ein einziger Kollektivvertrag für die derzeitigen Mitarbeiter« gilt, und daß das gesamte Personal von einer einzigen Delegation vertreten wird.

Im zehnten Jahr ihres Erscheinens hatte Saint-Paul bereits »La Voix du Luxembourg«, das französischsprachige Pendant zum »Luxemburger Wort«, zum 30. September vergangenen Jahres eingestellt. Ein Teil der rund 30 Mitarbeiter wechselte zur französischsprachigen Ausgabe von »Point 24«, andere wurden entlassen. Mittlerweile wurde bekannt, daß die Chefetage auch die seit November 2007 auf Deutsch und Französisch erscheinenden Gratisblätter »Point 24« noch in diesem Monat einstellen will. Auch der 1992 gegründete Radiosender DNR soll umstrukturiert werden. Auch hier sollen Arbeitsplätze abgebaut bzw. Abgänge nicht mehr ersetzt werden.

oe

Oliver Wagner : Dienstag 4. Dezember 2012