Gegen EU-Liberalisierung und Personalmangel bei den CFL

Fernand Heinz neuer Präsident der FCPT-Syprolux

Neben dem weiter anhaltenden Personalmangel bei den CFL stand das sogenannte Vierte Eisenbahnpaket, das die EU-Kommis- sion am 19. Dezember vorlegen will, im Zentrum des ordentlichen Kongresses der FCPT-Syprolux am Samstag in Huldigen (Gemeinde Ulflingen). »Aus Brüssel werden eine ganze Reihe von Problemen auf uns zukommen«, so Fernand Heinz, der neue Präsident der christlichen Eisenbahn- und Transportarbeitergewerkschaft, am Montag auf einer Pressekonferenz.

In ihrem vierten »Paket« zur Liberalisierung der europäischen Eisenbahnen werde die EU-Kommission unter anderem die komplette Trennung von Eisenbahninfrastruktur und -betrieb fordern, warnte Heinz. Dies komme einer Zerschlagung der CFL als integriertes Bahnunternehmen gleich und werde zu einem größeren Verwaltungsaufwand und damit zu deutlich höheren Bürokratiekosten führen. Um die Marktöffnung für Privatunternehmen voranzutreiben, werde Brüssel zudem fordern, im Rahmen der Revision der EU-Verordnung 1370/2007 eine ausnahmslose Ausschreibungspflicht für bestellte Eisenbahnverkehre einzuführen. Bisher sind dort Direktvergaben vorgesehen, sofern das nationale Recht dem nicht entgegensteht.

Sollte die EU-Kommission mit ihren Liberalisierungsabsichten durchkommen, bestehe die Gefahr, daß große Privatunternehmen den CFL auf den lukrativen Hauptachsen Konkurrenz macht, während dem Staatsunternehmen nur die weniger genutzten Eisenbahnverbindungen blieben, so Heinz. In diesem Zusammenhang sei es gut, daß sein Vorvorgänger Georges Bach nun als EU-Deputierter in Straßburg und Brüssel »an der Quelle« sitze und seine Gewerkschaftskollegen rechtzeitig informieren könne.

Bei der vor sieben Jahren ausgegliederten CFL-Cargo stehen Kollektivvertragsverhandlungen an, die sich laut der wiedergewählten Generalsekretärin Mylène Wagner-Bianchy »als schwierig ankündigen«. Zum Erhalt des »sozialen Friedens«, der »ein Garant für Produktivität« sei, müsse die CFL-Cargo-Direktion zumindest »die Minimalforderungen (der Gewerkschaften) erfüllen«.

Gegen die »stiefmütterliche« Behandlung des Landesnordens durch die Regierung wandte sich der ebenfalls wiedergewählte Erste Vizepräsident Romain Plümer in seiner Funktion als Präsident der Sektion Norden. Für »eine effiziente wirtschaftliche Entwicklung des Nordens, eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der dort ansässigen Betriebe sowie mehr Flexibilität für die Bürger im Norden des Landes« sei es »unumgänglich«, daß auf der Nordstrecke der CFL zwischen der Hauptstadt und Ulflingen ein Halbstundentakt eingeführt und daß die Nordstraße N7 zwischen Fridhaff nach Wemperhardt vierspurig ausgebaut wird. Die Regierung müsse zumindest diese beiden Projekte in ihren »plan sectoriel transport« aufnehmen.

Für den anhaltenden Personalmangel bei den CFL macht Heinz weniger die Unternehmensführung als die EU verantwortlich, die Neueinstellungen mit »immer restriktiveren Direktiven« verhindere. Erst auf Nachfrage erklärte er, wahrscheinlich sei »auch eine kurzsichtige Personalpolitik mit Schuld« daran, daß sich der Urlaubsrückstand allein bei den Lokführern mittlerweile auf 14.000 Tage summiere, bei den Busfahrern seien es 6.000 Tage und beim Zugbegleitpersonal sehe es »ähnlich« aus. Mittlerweile sei auch in mehreren Bahnhöfen das Schalterpersonal betroffen.

oe

Oliver Wagner : Dienstag 27. November 2012