Cargolux: Die Wüstenheuschrecke zieht ab, aber die Probleme bleiben

Anläßlich der Sitzung des Verwaltungsrats der Frachtfluggesellschaft Cargolux am 11. Oktober 2012 hatte der Generaldirektor von Qatar Airways, Akbar Al Baker, damit gedroht, die Katari würden erneut aus Cargolux aussteigen, sollte ihren Vorstellungen von einem profitablen Geschäftsmodell nicht entsprochen werden. Das geschah anläßlich der am 16. November stattgefundenen Sitzung der Zusammenkunft der Aktionäre dann wohl nicht, denn es kam zum Bruch, als die Regierung, welche die Mehrheit der Aktien von Cargolux kontrolliert, die Forderungen der Katari zurückwies.

Bisher sind keine Einzelheiten bekannt, aber die Ankündigung der Katari, aus Cargolux auszusteigen, hat wohl nicht allein damit zu tun, dass die Regierung sich weigerte, einer Nominierung von Richard Forson zum Generaldirektor von Cargolux zuzustimmen.

»Es gibt keine Heiligen Kühe«

Forson, den der Aktionär aus Katar als Interims-Generaldirektor von Cargolux im Juli 2012 durchgesetzt hatte, war zwischen 2003 und 2006 Finanzchef von Qatar Airways und sollte die Rolle des Elefanten im Porzellanladen übernehmen und, zusammen mit dem bisherigen Präsidenten des Verwaltungsrats der Cargolux, Albert Wildgen (der »so ganz nebenbei« auch noch den Besitz de großherzoglichen Hofes verwaltet), der Wüstenheuschrecke aus dem Katar die Frachtfluggesellschaft auf deren Gebrauchswert zurechtstutzen. Forson war vor allem ins Rampenlicht gerückt, als bekannt wurde, dass der gesamte technische Bereich von Cargolux, immerhin 450 Arbeitsplätze, ausgelagert werden sollte und er gepoltert hatte, es gebe »keine Heiligen Kühe«. Um das vorzudemonstrieren hatte er in einem Brief an die Belegschaft Opfer gefordert und gleich anschließend die Kollektivverträge gekündigt und mit Lohnkürzungen für die 1.500 Beschäftigten, davon 400 Piloten, gedroht. Dabei machen die Personalkosten heute knapp 13 Prozent der Gesamtkosten bei Cargolux aus.

Wie verlautet, sollen die Veränderungen in der Handelsstrategie und der Flottenplanung, aber auch die Ko-stenreduzierungen, welche die Unternehmensberater von Oliver Wyman in einem Zwischenbericht ihrer Analyse zum Geschäftsmodell der Cargolux vorgeschlagen hatten, dem Aktionär aus Katar nicht weit genug gegangen sein. Dabei sollten laut dem 140-Millionen-Dollar-Programm, das die Beraterfirma vorgeschlagen hatte, allein 63 Millionen Dollar durch Sozialabbau für die Beschäftigten eingespart werden. Es hätte allerdings auch einer Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen über Sonntagsarbeit und Schichtarbeit bedurft, um dieses Ziel zu erreichen.

Hinzu kommt, dass Qatar Airways offensichtlich darauf aus war, bei der anstehenden Kapitalerhöhung, welche notwendig sein wird, um einem Konkurs zu entgehen, seinen am 9. Juni 2011 erworbenen Aktienanteil von 35 Prozent über die vertraglichen Abmachungen hinaus zu erhöhen.

Neue Handelsstrategie und Kapitalerhöhung notwendig Auch wenn Qatar Airways ihr Aktienpaket verkaufen sollte, zum Beispiel an das größte russische Luftfrachtunternehmen Volga-Dnepr, werden die Probleme für Cargolux keineswegs über Nacht gelöst sein, denn auch dann wird es einer neuen Handelsstrategie bedürfen, um in dem von der kapitalistischen Krise arg gebeutelten Luftfrachtbereich zu bestehen, und an einer Kapitalerhöhung wird die Cargolux auch nicht vorbei kommen.

Verhindert wurde lediglich, dass die Fluggesellschaft des Scheichtums Katar sich mit der Hilfe des großherzoglichen Hofes und Teilen des staatlichen Machtapparates die Cargolux unter den Nagel reißen und einen lästigen Konkurrenten ausschalten konnte.

Verhindert wurde längerfristig aber vielleicht auch eine unfreundliche Übernahme, erst des Cargocenters von Luxair, das ohne Cargolux zu weniger als einem Drittel ausgelastet wäre, und dann des gesamten Flughafens durch die Katari.

Nach dem Eklat bei Cargolux stellt sich natürlich auch die Frage, was aus der »strategischen Partnerschaft« mit dem Katar werden soll, welche Teile der hiesigen Nomenklatura durchziehen wollten. Dazu gehört bekanntlich auch, dass die Regierung 90 Prozent der Aktien der Banque Internationale du Luxembourg (BIL) zu einem Vorzugspreis an den Investitionsfonds »Precision Capital« des Emirs von Katar verschacherte, der zusätzlich auch die KBL für 1,05 Milliarden Euro schluckte. Die BIL ist im Besitz von 13 Prozent der Aktien von Luxair, der 43 Prozent der Aktien von Cargolux gehören.

A.R.

Ali Ruckert : Dienstag 20. November 2012