Cargolux plant sozialen Kahlschlag

Am 28. September dieses Jahres hatte der Interim-Chef der Cargolux, Richard Forson, den Kollektivvertrag für die Beschäftigten gekündigt und verkündet, der neue Kollektivvertrag werde »auf der Basis der gesetzlichen Minima neu verhandelt«. Zuvor hatte er der Internetzeitung cargoforwarder.net erklärt, es gebe »keine Heiligen Kühe«, wenn es darum ginge Sparmaßnahmen zu ergreifen.
Das läßt darauf schließen, dass das Luftfrachtunternehmen beabsichtigt, bei künftigen Verhandlungen mit den Gewerkschaften, deutliche Verschlechterungen durchzusetzen, da die im bisherigen Kollektivvertrag eingeschriebenen Abmachungen doch deutlich besser sind, als die gesetzlichen Minima und die Personalkosten bei Cargolux auch derzeit nur knapp 13 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.
Sollte sich diese Vorgehensweise bei den während der nächsten Wochen anstehenden Verhandlungen bewahrheiten, würde das heißen, dass die Aktionäre, also auch der Luxemburger Staat, der indirekt die Mehrheit der Aktien kontrolliert, den sozialen Kahlschlag ausdrücklich befürworten.

Kollektivvertragliche Verschlechterungen für 50 Millionen Dollar?

Die von Cargolux beauftragte Beraterfirma Oliver Wyman schlägt vor, dass über Kollektivvertragsverschlechterungen, darunter die Streichung des 13. Monatsgehalts, mindestens 50 Millionen Dollar und über die Änderung der gesetzlichen Bestimmungen über Sonntags- und Schichtarbeit weitere 13 Millionen Dollar eingespart werden könnten.
Daraus wird ersichtlich, dass Aktionäre und Management die 1.500 Beschäftigten für die Flaute im Luftfrachtgeschäft, die fehlerhafte Planung der Handelsstrategie und das Chaos in den Führungsgremien von Cargolux bluten lassen wollen. Dazu gehört auch, dass laut über die Auslagerung des technischen Bereichs mit 450 Arbeitsplätzen nachgedacht wird.

Nachahmungstäter Luxair

Inzwischen hat Cargolux einen Nachahmungstäter gefunden. Nicht später als am 30. Oktober 2012 kündigte auch die nationale Passagierfluggesellschaft Luxair, die gleichfalls vom Luxemburger Staat kontrolliert wird, den Kollektivvertrag für die 2.300 Beschäftigten zum 31. Dezember 2012.

Zuvor hatte die Direktion versucht, die Gewerkschaften zu bewegen, einem vom Management ausgearbeiteten Zusatzabkommen zuzustimmen, das zu niedrigeren Löhnen, längeren Arbeitszeiten und mehr Flexibilität für die Beschäftigten geführt hätte.

Die Gewerkschaften sprachen von versuchter Erpressung und warfen Generaldirektor Andrien Ney und dem Präsidenten des Verwaltungsrats Paul Helminger (der frühere DP-Bürgermeister der Hauptstadt) vor, das bisherige Sozialmodel zerstören zu wollen und sich auf eine Ebene mit der Cargolux-Direktion zu stellen.

Auch bei Luxair geht es offenbar darum, dass Aktionäre und Manager beabsichtigen, die Folgen der Krise, der mangelhaften Arbeitsorganisation, der wachsenden Konkurrenz durch sogenannte Billigairlines und der Verspätungen bei der Anpassung der Flotte und des Streckennetzes an die Entwicklung im Luftfahrtgeschäft auf die Beschäftigten abzuwälzen.

Luxair könnte in diesem Jahr rote Zahlen in Höhe von mindestens 14 Millionen Euro schreiben, da die Profite aus dem Bereich der Ferienflüge nicht ausreichen, um die traditionellen Verluste im Bereich der Linienflüge auszugleichen. Im Gegensatz zu 2011 wird das Luxair-Cargocenter in diesem Jahr allerdings auch Verluste machen.

A.R.

Ali Ruckert : Mittwoch 14. November 2012