Kinder ohne Schutz

Hunderte Minderjährige getötet und verletzt. Kaum medizinische Hilfe für Schwangere und Neugeborene

In scharfer Form hat die UNO-Kinderrechtskommission in Genf Israel für sein mili-tärisches Vorgehen in Gaza kritisiert. Die Menschen-rechtsverletzungen »schreien zum Himmel«, der Krieg wirke sich »verheerend« auf die Rechte der Kinder in Gaza aus, hieß es in einer Stellungnahme.

193 Staaten haben die UNO-Konvention zum Schutz der Kinder unterzeichnet, keine andere Vereinbarung der Organisation der Vereinten Nationen trägt so viele Unterschriften. Auch Israel gehört zu den Unterzeichner-staaten, habe aber die »darin enthaltenen Verpflichtungen eklatant verletzt«, erklärte die Kinderrechtskommission. Hunderte Jugendliche und Kinder seien getötet oder verletzt worden. Gesundheit, Bildung und das Leben der Familien würden mißachtet. »Die emotionalen und psy-chologischen Auswirkungen dieser Ereignisse werden eine ganze Generation von Kindern schwer belasten«, heißt es.

Es gehe aber nicht nur darum, die Kinder zu schüt-zen, sondern auch die Orte, wo diese sich aufhalten: »Schulen und Krankenhäuser müssen als Angriffsziele ausgeschlossen werden.« Das Vorgehen der israeli-schen Armee in Gaza mani-festiere die völlige Mißach-tung des Kinderschutzes. Allein in der Al-Fakhura-Schule, einer UNO-Einrichtung, wurden bei dem israelischen Angriff am 7. Januar 43 Menschen getö-tet. Der weltweite Protest gegen das Massaker konnte Israel bis heute nicht davon abhalten, weiter Kinder, Müt-ter und Zivilisten im Gazast-reifen umzubringen.

Auch ungeborene und neugeborene Kinder sind vor den Angriffen Israels nicht sicher. Einer Studie des UNO-Bevölkerungsprogramms (UNFPA) zufolge sind 40.000 Frauen im Gazastreifen schwanger, pro Tag werden etwa 170 Kinder geboren. Aufgrund des Krieges können viele Mütter nicht rechtzeitig eine Klinik erreichen, benötigte Hilfe bleibt den Neugeborenen häufig versagt.

Sherine Tadros, Gaza-Korrespondentin des TV-Senders Al-Dschasira, berichtete kürzlich von dem kleinen Mohammad, der am 27. Dezember 2008 geboren wurde, als der israelische Überfall begann. Seine Frau sei so voller Angst gewesen, daß das Kind beinahe tot geboren worden wäre, berichtete der Vater Saed Assef dem Fern-sehteam. Der Junge habe nach der Geburt nicht richtig geatmet, es seien Stunden vergangen, bis er in ein Krankenhaus gekommen sei und mit Sauerstoff habe ver-sorgt werden können. Selbst wenn der kleine Mohammad überlebe, werde er sein Le-ben lang behindert bleiben, erklärte der Kinderarzt Ah-med Schataat gegenüber Al-Dschasira.

»Schwangere Frauen und ihre Neugeborenen gehören zu den unsichtbaren Opfern dieses Krieges«, erklärte die Direktorin des UNO-Bevölkerungsprogramms in Gaza, Thoraya Ahmed O-baid.

Der norwegische Arzt Mads Gilbert, der mit Kolle-gen zwei Wochen lang im Al-Schifa-Krankenhaus arbeite-te, erklärte nach seiner Rück-kehr in Oslo, was in Gaza geschehe, erinnere ihn an die Massaker von Sabra und Schatila im Libanon 1982. Auch damals waren die Ärzte aus Norwegen im Einsatz, um verletzten und traumatisierten Palästinen-sern zu helfen.

Karin Leukefeld

Sonnabend 17. Januar 2009