Unser Leitartikel:
Waffenbrüder

Es läßt sich an Zynismus kaum noch überbieten, wenn Politiker des ach so demokratischen westlichen Abendlandes mit tränenerstickter Stimme darüber zu reden beginnen, daß »die humanitäre Lage der Menschen im Gazastreifen« verbessert werden müsse, und daß die Voraussetzung dafür sei, die »Raketen«-Angriffe aus dem Gazastreifen zu stoppen und »den Waffenschmuggel« in den Gazastreifen zu verhindern.

»Die humanitäre Lage der Menschen im Gazastreifen« ist deshalb so katastrophal, weil Israel seit mehr als 20 Tagen das kleine Gebiet mit weniger als einem Viertel der Fläche von Luxemburg und dreimal soviel Einwohnern tagtäglich mit barbarischen Terrorangriffen aus der Luft und von der See überzieht, und weil seit fast zwei Wochen israelische Soldaten wie mittelalterliche Mörderbanden palästinensische Siedlungen verwüsten, UNO-Einrichtungen zerstören und wahllos Männer, Frauen und Kinder abknallen wie die Hasen. Wer die humanitäre Lage verbessern will, muß als erstes den Aggressoren Einhalt gebieten.

»Die humanitäre Lage der Menschen im Gazastreifen« ist auch deshalb so katastrophal, weil Israel sich anmaßt, im Widerspruch zu jeglichem Völkerrecht seit über einem halben Jahr den Gazastreifen mit Waffengewalt von der Außenwelt abzuriegeln, und der Westen gelassen zuschaut, wie Versorgungsgüter an der Grenze vergammeln, Fahrer von Lastwagen mit UNO-Kennzeichen abgeknallt werden, Versorgungslager der UNO abgefackelt werden.

Und auch zuschaut, wen die Aggressoren Krankenhäuser angreifen und auf Sanitäter und Ärzte schießen, die Verwundeten zu Hilfe eilen oder schwangeren Frauen bei der Entbindung helfen wollen.

Die Politiker und die Journalisten, die angesichts dieses Elends immer noch jede von verzweifelten Palästinensern gebastelte »Rakete« als Angriff auf Israel bezeichnen, machen sich zu Waffenbrüdern der Aggressoren und mitschuldig an dem Blutvergießen. Wer sich wie der deutsche Außenminister hinstellt und den angeblichen Waffenschmuggel der Hamas verhindern helfen will, stellt sich auf eine Stufe mit Kriegsverbrechern wie Olmert, Livni und Barak.

Wo sind denn »die geschmuggelten Waffen«? Wie viele der bis an die Zähne bewaffneten israelischen Krieger wurden denn bisher bei den angeblichen Kämpfen getötet? Wie viele Artilleriegeschütze und Panzer der Aggressoren wurden angegriffen und ausgeschaltet? Wenn die Hamas wirklich Waffen schmuggelt, warum setzt sie sie dann nicht ein?

Einen Schmuggeltunnel kann man nicht ausschalten, indem man ihn bombardiert. Man kann auf beiden Seiten Polizisten hinstellen und kann ihn zuschütten. Wer seine Armee und seine Bomberflotte in Bewegung setzt, will keinen Schmuggel verhindern, sondern seine Vormachtstellung ausbauen. Daß die USA und die EU nicht einmal den Versuch machten, das zu verhindern, heißt nichts anderes, als daß die führenden kapitalistischen Staaten damit einverstanden sind. Wer ernsthaft behauptet, nach dem Personalwechsel in den USA würde sich die Haltung der westlichen Führungsmacht ändern, lügt vorsätzlich. Die neue Außenministerin der USA hat das bereits unmißverständlich klargestellt.

Während Israels Waffenbrüder im Westen nur dumm schwätzen, haben griechische Hafenarbeiter den wirklichen Waffenschmuggel verhindert. 325 Container mit mindestens 3.000 Tonnen Munition sollten vom Hafen Astakos nach Israel verschifft werden. Sollten…

Uli Brockmeyer

Uli Brockmeyer : Samstag 17. Januar 2009