Gefährliches Arbeitsministerium

Im Arbeitsministerium gibt es einen Seitenausgang (rue Michel Rodange), wo die Wagen der Beschäftigten über den viel begangenen Bürgersteig auf die Straße fahren.

Aus diesem Seitenausgang war Minister Biltgen geflüchtet, als vor mehreren Jahren vor dem Haupteingang (rue Zithe) eine heftige Demonstration stattfand (deren Spuren noch heute zu sehen sind: auf der »Avenue de la Liberté« als Farbflecken, auf dem Gebäude der Sparkasse als ein unverwüstlicher, wenn auch nur noch schattenhafter Hammer mit Sichel).

Nun benehmen sich viele Ministeriumsfahrer, die zuerst auf den Bürgersteig müssen um weg zu können, als gehöre der Bürgersteig ihnen, und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Passanten, die an dem Ausgang vorbei müssen.

So vor einiger Zeit Minister Di Bartolomeo, als er herausgeschossen kam (höchstpersönlich am Steuer) wie beim Start einer Rallye, ohne aufzupassen, ob Fußgänger unterwegs waren (die ja nicht ahnen können, dass da plötzlich ein Auto aus der Wand des Gebäudes kommen wird). Als der Minister merkte, dass er fast zwei Leute angefahren hatte, öffnete er galant die Tür seines Schlittens und sagte: »Ech entschëlleje mech«.

Da hatten drei Menschen Glück: die beiden Fußgänger und der Politiker (ausgerechnet ein Gesundheitsminister).

Neulich ging eine gehbehinderte Frau auf dem Bürgersteig an der Ausfahrt vorbei und sah einen schnellen Wagen von innen auf sich zukommen, dem sie nicht mehr ausweichen konnte, der aber gnädig abbremste. Dabei schrie der Fahrer einem fremden Wagen zu, der sich anschickte, in dieser Ausfahrt zu wenden: »C’est ici le ministère!« Eine schöne Arroganz von Leuten, die glauben, sie hätten immer Vorfahrt, weil sie in diesem hochheiligen Ministerium arbeiten (Auto-Plakette CD). Dass solche gefährliche Rücksichtslosigkeiten keine Seltenheit sind, können die bestätigen, die im Frisör-Salon auf der anderen Straßenseite arbeiten und entsetzt sind über das, was sich öfter gegenüber abspielt.

Man weiß, dass es in der ganzen Stadt dauernd Ärger mit dem Autoverkehr gibt (und Bürgermeister Helminger kündigte – stolz? – noch zigtausend weitere Autos für die nächsten Jahre in der Hauptstadt an). Bei den Ampeln vor der »Place de Paris« bleiben den Fußgängern gerade 8 Sekunden Zeit zum Übergang, den Autos aber über eine Minute. Wo hatten die Bürohengste, die dieses System ausgetüftelt haben, ihren Kopf? Sind Ältere und Gehbehinderte nur halbe Menschen?

Zurück zum »Rousegäertchen«. Darf ein Wagen aus einem Ministerium so über einen Bürgersteig fahren, als wäre dieser eine (SEINE) Straße? – Es gibt zwei Überwachungskameras an der Wand des »Ministère« (rue Michel Rodange). Wer soll da überwacht werden? Aufgepasst, Herr Bartolomeo! Ihr Dauergrinsen könnte Ihnen einmal vergehen.

Nachtrag. – Neben dem Pflegeheim in der Zitha-Straße befindet sich eine ähnliche Ausfahrt; aber hier werden die Fußgänger den ganzen Tag über gewarnt durch eine Lampe über dem Ausgang. Ein Vorbild für das Arbeitsministerium! Herr Biltgen, geben Sie lieber mehr Geld für Überwachungskameras aus?

Joseph Welter

Samstag 13. Juni 2009