Ein Meister der Literatur des Grauens

Vor 200 Jahren wurde Edgar Allan Poe geboren

Er lebte in bitterer Armut, gab sich dem Alkohol hin und starb unter nie
geklärten Umständen: Vor 200 Jahren wurde Edgar Allan Poe geboren. Zu Lebzeiten hatte der Schriftsteller in seiner Heimat den Ruf als
haltloser, lasterhafter Halunke, heute wird er als Begründer des
modernen Kriminalromans gewürdigt. Einen nicht geringen Anteil daran
hatten die Dichter Charles Baudelaire und Stéphane Mallarmé: Sie
übersetzten Poes Werke ins Französische, machten ihn damit in Europa
berühmt – und sorgten auf diese Weise dafür, dass er auch in den USA als bedeutender Autor anerkannt wurde.

Poe kam am 19. Januar 1809 in Boston im US-Staat Massachusetts zur Welt. Sein Vater verließ die Familie wenig später; 1811 starb Poes Mutter, so dass der Junge bei den Pflegeeltern Francis und John Allan aufwuchs. Sie adoptierten den kleinen Edgar nicht, trotzdem nahm er den Namen Allan an.

Nach einer Erbschaft lebten die Allans in wohlhabenden Verhältnissen,
Edgar genoss eine gute Erziehung und schien glänzende Zukunftsaussichten zu haben. 1826 begann Poe ein Studium an der Universität von Virginia in Charlottesville. Ein knappes Jahr später kam es zum Bruch mit Allan, vermutlich wegen Spielschulden des jungen Edgar, die der Pflegevater nicht begleichen wollte.

Völlig mittellos, schrieb sich Poe bei der Armee ein. Er war zunächst in
Boston und später in Charleston stationiert: Das dortige Fort lag auf
der Insel Sullivan’s Island, einem Schauplatz von Poes späterer
Erzählung »Der Goldkäfer«. 1830 begann er eine Ausbildung an der
Militärakademie von West Point, wurde aber schon ein Jahr später wegen Aufsässigkeit entlassen.

Inzwischen hatte er in Baltimore Zuflucht bei seiner Tante Maria Clemm
und deren Tochter Virginia gefunden, die später seine Frau werden sollte.

Bereits 1827 hatte Poe seinen ersten Gedichtband veröffentlicht, den
kaum jemand zur Kenntnis nahm. 1831 druckte eine Zeitschrift eine
Kurzgeschichte von ihm ab; zwei Jahre später gewann Poe bei einem
Preisausschreiben des »Baltimore Saturday Visitor« mit »Das Manuskript
in der Flasche« die ausgelobten 50 Dollar.

Trotz des bescheidenen Erfolges lebte Poe weiter in tiefer Armut. Seine
Misere trieb ihn zum Alkohol, außerdem nahm er Drogen. Dann bot ihm der Verleger der Zeitschrift »Southern Literary Messenger« 1835 an, für ihn zu arbeiten. Poe zog deswegen mit Maria Clemm und Virginia nach
Richmond, ein Jahr später heiratete er, 26-jährig, die noch nicht
14-jährige Virginia.

Schon wenig später zog es ihn wieder weiter, zunächst nach New York,
dann nach Philadelphia. Hier erschienen unter anderem sein einziger
Roman »Der Bericht des Arthur Gordon Pym« und die Erzählungen »Ligeia« sowie »Der Untergang des Hauses Usher«. Es sah zeitweise recht gut für ihn aus: Poe fand eine Stelle als Redakteur beim »Gentlemen’s Magazine«, das später in »Graham’s Magazine« aufging. Hier veröffentlichte er die berühmte Erzählung »Der Doppelmord in der Rue Morgue«, in der er den Pariser Detektiv Dupin ermitteln ließ – der klassische Kriminalroman war erfunden.

Mysteriöser Tod in Baltimore

Doch den unbeständigen Poe, der unmäßig trank und weiterhin Drogen nahm, hielt es nicht allzu lange in Philadelphia. 1844 kehrte er nach New York zurück. Ein Jahr später veröffentlichte er hier sein Werk »Der Rabe«,
bis heute eines der berühmtesten amerikanischen Gedichte.

Poe schien sich anschließend zu stabilisieren, doch durch den Tod seiner
Frau Virginia 1847, eigene Krankheiten, finanzielle Sorgen und den Bruch
mit einem Teil der New Yorker Literaturszene wurde er immer wieder aus
der Bahn geworfen. 1848 unternahm er, schwer depressiv, einen
Selbstmordversuch. Im Jahr darauf, am 7. Oktober 1849, starb Poe auf dem Heimweg nach New York im Krankenhaus in Baltimore – er war zuvor halb bewusstlos aufgefunden worden. Die Umstände seines Todes wurden nie geklärt.

Samstag 17. Januar 2009