Paul Wurth übernimmt Kontrolle bei CTI Systems

In einem ersten Schritt werden der SNCI 50,4 Prozent der CTI-Aktien abgekauft

Am Freitag unterzeichneten Vertreter der Société Nationale de Crédit et d’Investissement (SNCI) und der Paul-Wurth-Gruppe eine Vereinbarung, nach der Paul Wurth zunächst 50,4 Prozent der Aktien am Anlagenbauer CTI Systems von der staatlichen Investitionsbank übernimmt. Gleichzeitig wurden Optionen vereinbart, die Paul Wurth die Möglichkeit geben, bis Ende 2013 auch die übrigen CTI-Anteile von der SNCI zu übernehmen. Der Kaufpreis wurde einer entsprechenden Vereinbarung gemäß nicht genannt, SNCI-Präsident Gaston Reinesch versicherte aber, der Staat habe einen kleinen Gewinn gemacht.

Die 1962 als Tochtergesellschaft der Cleveland Crane & Engineering Co. aus Ohio/USA ins luxemburgische Handelsregister eingetragene CTI Systems S.A. wurde 1993 zu 100 Prozent von der SNCI übernommen, weil »der Betrieb auf dem Rücken lag«, wie sich Wirtschaftsminister Jeannot Krecké gestern ausdrückte. Damals befand sich die Produktionsabteilung der auf die Entwicklung, den Bau und die Installierung von Lager- und Materialflußanlagen für große Industriebetriebe spezialisierten Firma noch in Clerf und die Entwicklungsabteilung auf Howald.

Zwischen 2003 und 2005 wurde eine neue Fertigungshalle samt Entwicklungsabteilung im Industriegebiet Eselborn/Lentzweiler (Gemeinde Wincrange) errichtet, die gerade erweitert wird. Ein Drittel seines Umsatzes von gut 40 Millionen Euro (2008) macht CTI in der Flugzeugindustrie, für die sie individuelle Systeme für den Bau, die Wartung und die Lackierung von Flugzeugen entwickelt und herstellt. So ist beispielsweise die Lackieranlage von Airbus in Hamburg für den Superjumbo A380 mit Teleplattformen von CTI ausgestattet. Stolz ist CTI auch darauf, das – mit einer Länge von 35 und einer Höhe von 30 Metern – »bislang größte Regalbediengerät der Welt« entwickelt und gebaut zu haben.

CTI beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter. Von der Zusammenarbeit mit dem neuen Hauptaktionär erhofft sich CTI-Generaldirektor René Jost vor allem neue Möglichkeiten auf ausländischen Märkten, da man nun die für Großprojekte nötige »kritische Masse« erreicht habe und auf das weitgestreute Filialennetz von Paul Wurth zurückgreifen könne.

Die bisher vor allem als Anlagenentwickler und -bauer für die Stahlindustrie in aller Welt tätige Paul-Wurth-Gruppe wiederum erhofft sich von dem Neuerwerb »ein zweites Standbein im Bereich des Civil Construction«, so ihr Generaldirektor Marc Solvi, der auf Nachfrage einschätzte, daß das laufende Jahr für Paul Wurth »noch zufriedenstellend« verlaufen wird, während 2010 und 2011 angesichts des eingebrochenen Stahlmarktes wohl eher »bittere Jahre« werden.

Auch der zu seiner »wohl letzten Amtshandlung in dieser Regierung« erschienene Krecké freute sich, daß mit der Übernahme durch Paul Wurth eine »luxemburgische Lösung« für CTI gefunden wurde anstatt auf ausländische Investitionsfonds zu­rück­zugreifen, bei denen man nicht wisse, mit wem man es zu tun habe und die man von Luxemburg aus kaum beeinflussen könne. Das Aushängeschild der Luxemburger Wirtschaft sei dank der staatlichen Hilfe gerettet worden und nun bleibe der Staat ein starker Partner, da er direkt und indirekt auch mehr als 40 Prozent der Aktien an der Paul-Wurth-Gruppe halte.

oe

Oliver Wagner : Sonnabend 6. Juni 2009