Fonds national de la Recherche:

Alles 2008 im grünen Bereich

Der »Fonds National de la Recherche« (FNR) hat 2008 seinen Leistungsvertag erfüllt. Das behauptet er nicht nur selber, das bestätigt ihm auch Pierre Decker, der gleichzeitig als Ministerialbeamter seinen Minister entschuldigen mußte: Biltgen wie Modert glänzten somit nach der Vorstellung des Jahresberichts 2008 beim CRP Gabriel Lippmann erneut mit Abwesenheit, obwohl es zu dieser Tageszeit mit Sicherheit keine Wahlkampfveranstaltungen gab. Zu hoffen ist, daß das kein schlechtes Omen ist für die Forschung während der neuen Legislaturperiode!

Ist Forschung sichtbar?

Laut Romain Henrion, Präsident des FNR-Aufsichtsrats, ist es jedenfalls gelungen, im vergangenen Jahr Forschung sichtbarer zu machen: die Researchers Night hat 2000 Leute angezogen, wofür 60.000 € aufgewendet wurden. Sind das wirklich so viele Leute? Alles schaut jedenfalls danach aus, als ob Naturwissenschaften im Luxemburger Schulsystem immer noch das Stiefkind abgeben, das am wenigsten Beachtung erhält. Doch das fällt dummerweise wieder in ein anderes Ministerressort wie die Forschung – ob das in der nächsten Regierung anders wird? An der diesmaligen Ressortverteilung gäbe es wirklich viel zu verbessern, egal ob mit mehr oder weniger Ministerposten!

Darüber wurde natürlich nicht gesprochen bei der gestrigen Pressekonferenz, und wir waren auch zu höflich, um danach zu fragen. Immerhin verplapperte sich Pierre Decker bereits einigermaßen, als er dem FNR für seine Tätigkeit in dieser Legislaturperiode dankte, und ihm die Unterstützung des Ministeriums für die kommende zusicherte: er geht also auch davon aus, daß es LSAP und CSV nicht gelingen wird, so viel Mandate zu verlieren, daß diese Koalition mit ihren heutigen 38 Mandaten nicht weitermachen kann (es braucht also wirklich niemand hinter Juncker oder Asselborn zwei Kreuze zu machen, um sie wieder in der Regierung zu haben!).

Tatsache bleibt, daß 2008 der FNR 4 Mio € weniger ausgegeben hat als vorgesehen, und 1,277 Mio. € mehr als geplant von der EU erhalten hat. Allerdings wurde das EU-Geld für drei Jahre erteilt, und der Betrag, der weniger 2008 eingesetzt wurde, bedeutet nicht, daß dieses Geld nicht in die Forschung fließt, sondern daß es in den Folgejahren mehr zur Verfügung steht. Es ist nämlich so, daß alle Projekte – 2008 wurden 324 eingereicht – von 3 Juroren begutachtet werden, bevor Geld fließt. Und eigentlich ist es positiv, wenn nur dann gefördert wird, wenn ein Projekt erfolgversprechend ist, und nicht einfach alles, was daherkommt, angenommen wird.

Forschungskultur- und -standort als Ziel

Ziel des vor zehn Jahren ins Leben gerufenen FNR bleibt es unverändert, bis 2020 Forschung in Luxemburg so weit zu entwickeln, daß sie eine gesellschaftliche Rolle spielt: das Land soll und muß zum international konkurrenzfähigen Forschungsstandort werden. Romain Henrion gesteht, daß wir trotz aller bisherigen Folge und trotz allem Erreichten »gerade mal am Anfang eines Prozesses stehen«. Kontinuität, Qualität und Innovation sind denn auch die Schlagworte für die Orientierung der Tätigkeit des FNR, wobei ein ganz besonderes Anliegen die nationale und internationale Zusammenarbeit der Forschungsinstitute ist.

Jean-Frank Wagner, Präsident des wissenschaftlichen Rats des FNR, ist sich klar, daß zur Forschungskultur auch eine Arbeitskultur gehört, die zur Emanzipation des Forschers beiträgt. Forscher brauchen eine Karriereperspektive in der Forschung: es ist nötig, daß sie die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen ebenso zu verwirklichen, wie eine Familie zu haben. Seine Hoffnung ist, daß die künftige Regierung hilft, den eingeschlagen Weg weiter zu verfolgen: »Wir haben erreicht, was wir uns vorgenommen haben, aber es ist nicht mehr als ein guter Anfang, einer der Hoffnung macht, und auf dem man aufbauen kann«, war seine Botschaft.

Jugend an Wisssenschaft und Technik interessieren

Forschung in Luxemburg stößt an ein Personalproblem: wo sollen die Forscher herkommen, wenn in unseren Schulen Naturwissenschaften und Technik Stiefkinder sind? Auf der Personalebene sind Schwellenländer wie China und Indien hier eindeutig im Vorteil, denn ohne Forscher gibt es keine Forschung.

Wesentlich ist aber auch eine Zusammenarbeit der Forschungszentren: sie wird in vielen Fällen vom FNR geradezu zur Voraussetzung der Förderung gemacht, und das ist auch notwendig. Denn wie Romain Henrion richtig feststelle, kannten sich vor 10 Jahren die CRP noch gar nicht richtig untereinander. Auch heute ist die Zusammenarbeit noch nicht perfekt, aber der FNR wird weiter auf Verbesserung drängen.

Ein gutes Beispiel ist da jene Abteilung des CRP Henri Tudor, die sich bemüht der Wirtschaft klar zu machen, sie möchte doch bitte die Vorteile von Linux nutzen, während aber andere CRP und Papa Staat stur weiter auf Windows setzen: dies obwohl Linux die europäische Lösung in der Informationstechnologie ist, während Microsoft als wohl transnationaler Konzern eindeutig US-gesteuert ist. Die Frage, ob Lizenzzahlungen an diesen Konzern sinnvoll bleiben, wenn es die Möglichkeit gibt, sie einzusparen und trotzdem alle Datenformate lesen zu können (was Microsoft übrigens nicht bietet), schwebt unbeantwortet im Raum.

jmj

Sonnabend 6. Juni 2009